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Wülfrath
Kampf um die Poetry-Slam-Krone

Wülfrath: Kampf um die Poetry-Slam-Krone
Die Teilnehmer am Poetry Slam in Evi's Bistro (v.l.) Andy Strauß, Rainer Holl, Moderator Jan Schmidt, Anke Fuchs, Klaus Noah und Stefan Dörsing. FOTO: dj
Wülfrath. Gewinner war Rainer Holl, der seine spezielle Trauma-Verarbeitung bot. Von Susann Krüll

Gut besucht von Zuhörern, denen man Spaß an selbst geschriebenen und kurzen Texten anmerken konnte, fand der 4. Wülfrather Poetry Slam in Evi's Bistro statt. Gewohnt souverän, schlagfertig und wortgewandt führte Moderator Jan Schmidt durchs Programm, bei dem nach je zwei Auftritten der fünf Künstler - Michael Goehre war nicht erschienen - Rainer Holl per Applaus-Entscheid knapp vor Noah Klaus vom Publikum zum Gewinner des Abends gekürt wurde.

Bis dahin hatte das junge Publikum einen Abend mit fünf Slammern erlebt, die alle auf ihre ganz spezielle Weise bewiesen, warum sie fester Bestandteil der Poetry-Slam-Szene sind. Nicht nur als einzige Frau hob Anke Fuchs sich mit ihrer abgeklärt wirkendenden Vortrags-Art von ihren männlichen Kollegen ab. Ihre mit ruhiger Stimme in Ich-Form auswendig vorgetragenen Geschichten über Trennendes, Erhofftes und Unausgesprochenes in zwischenmenschlichen Beziehungen ließen die Zuhörer mit einem im Hals steckengebliebenem Lachen zurück.

Anders Andy Strauß, der sich seine kräftigen Lacher mit skurrilen, oft nicht ganz jugendfreien Episoden über Bulldozer oder C-Promis aus Privatfernseh-Soaps sicherte, die er mit wechselnden Stimmen vortrug. "Berufsagnostiker" Wehwalt Koslovsky setzte beim Vortrag seiner tiefsinnigen Texte über den großen "Bim Bam" (alias Gott) und die Welt seine Stimme in diversen Tonlagen und Dialekten sowie seine Hände zum Unterstreichen seiner Botschaften ein. Mit Noah Klaus betrat einer die Bühne, der seine politischen und sozialkritischen Gedanken über Deutschland mal gereimt mit Hitler-Stimme mal als bitterbösen Brief eines Afrikaners, "die mit Trinkwasser ihre Klospülung bedienen" zum Besten gab.

Schließlich Rainer Holl, Gewinner des Abends: Er brillierte mit seiner amüsanten Trauma-Verarbeitung von ausfallenden Haaren ("Beim Friseur sind wir das Vorher-Foto") und dem ersten Text aus einer Reihe über Deutschland, "dem Land der Dichter und Henker", in dem Hitler als "Literaturkritiker" die Macht ergreift, Bücherverbrennung und Arbeitslager inklusive.

Quelle: RP
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