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Wülfrath
Liegt hier der Goldschatz der Krupps vergraben?

Wülfrath: Liegt hier der Goldschatz der Krupps vergraben?
FOTO: Janicki, Dietrich (jd-)
Wülfrath. Wo ist die Goldmünzen-Sammlung der Industriellenfamilie Krupp? Die soll ein US-Soldat 1945 auf dem Sportplatz Schlupkothen versteckt haben. 1980 wollten Wülfrather den Platz umgraben. Von Uwe Reimann

Heute liegt trostlose Stille über dem Sportplatz Schlupkothen. Niemanden zieht es hierher. Das war 1980 mal ganz anders. Wenn die Männer vom Werkschutz der Rheinischen Kalksteinwerke, damals eine gemeinsame Tochter von Thyssen und Krupp, nachts ihre Kontrollgänge über das Werksgelände machten, schauten sie immer auch mal auf dem damals zum Werk gehörenden Sportplatz Schlupkothen nach. Dafür gab es sogar eine Dienstanweisung, denn die Werksleitung befürchtete Schatzgräber, die sich nachts auf dem Areal zu schaffen machen könnten. Immerhin gab's es Anfang 1980 in Wülfrath die Vermutung, dass nach Kriegsende ein sagenhafter Goldmünzenschatz aus der Villa Hügel auf dem Sportfeld verbuddelt worden ist.

Auf dem Bolzplatz des 1. FC Wülfrath, wo sonntags die zweite Mannschaft kickte, soll die wertvolle Kriegsbeute der Familie Krupp einst von einem US-Soldaten vergraben worden sein. Der GI will 1945 dabei gewesen sein, wie die Essener Familienresidenz geplündert worden ist. Er selbst, so erzählte er Anfang 1980 einem deutschen Freund, habe das geplünderte Gold damals vor Kameraden versteckt, auf einem Sportplatz 25 Kilometer von der Villa Hügel entfernt. In den 400-Zimmern in Bredeney wurde am 10. April 1945 eine Vorausabteilung der US-Armee vom Butler empfangen: "Herr von Bohlen erwartet Sie".

Bis 1952 war die Stamm-Villa der Krupps in alliierten Händen. Hausherr Alfried Krupp verlangte abhandengekommene Gemälde, Wandteppiche, Bestecke mit Familienwappen und die Goldmünzensammlung zurück. In den Niederlanden wurde ein Kriegsdolmetscher, bei dem wertvolle Bücher und Kunstgegenstände aus der Villa gefunden worden waren, zu Gefängnis verurteilt.

Ein Siegburger Unternehmer begann 1979 zu suchen. Eine Metallsonde schlug sofort an.: Sie reagierte auf metallhaltige Gießerei-Schlacke, die dort abgekippt worden war, bevor der Platz 1929 zum Sportfeld platt gewalzt worden war.

"Das ist wie Pudding", sagte der damalige Vorsitzende des FC Wülfrath, Adolf Lutz, "der Platz sackt ständig nach". Lutz war selbst Bauunternehmer. Er hätte graben lassen können.

Doch das Ganze wurde 35 Jahre nach Kriegsende zur Rechenaufgabe. Für das "Geheimnis unter dem Fußballplatz", so Lutz, forderte Krupp einen Kostenvoranschlag für das Ausbaggern und spätere Zuschütten des Platzes. Der Schatz hätte Meter tief abgesackt sein können. "Das kann", schätzte Lutz damals, "bis zu 100 000 Mark kosten."

Nur wenn genug Gold unter der Erde auch wirklich gefunden wird, lohnte sich das Graben. Dann aber hätten beim damaligen Goldpreis wenigstens 100 Unzen verbuddelt sein müssen, damit sich die Investition nicht zum Verlustgeschäft auswächst. Lutz war unsicher, bestätigt auch seine Witwe Rosel Lutz-Brenger. "Wir wussten ja nicht, was bei der ganzen Sache herauskommt." Ein Wünschelrutengänger wurde herbeigeholt. Der ging mit Rute über den Platz, fühlte und war sich nach der Inspektion ganz sicher: "Es lohnt sich." Im Mittelfeld des Platzes sollte der Schatz liegen. Ein zusätzlich benutztes Silberpendel bewegte sich elfmal, was laut Experte "eindeutig Gold bedeute".

Gegraben hat man schließlich nicht. Zuviel Angst vor der Enttäuschung und den hohen Kosten ließ niemanden den Spaten in die Hand nehmen. "Mein Mann sagte, "das Kalk ist doch unser Gold", erzählt Lutz-Brenger heute lachend.

Quelle: RP
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