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Wülfrath
Nach Flucht lernt junger Ghanaer jetzt Maler

Wülfrath: Nach Flucht lernt junger Ghanaer jetzt Maler
Clement Opoku Appiah macht jetzt eine Malerlehre. Kollege Lars Schmitz schaut ihm beim Abkleben der Türrahmen über die Schulter. FOTO: Dietrich Janicki
Wülfrath. Elke Voss' Familie nahm Clement Opoku Appiah nach langer Flucht in Düssel auf. Sie holten ihn aus der Notunterkunft. "Das geht nicht", war erst die Antwort der Behörde. Jetzt hat er eine Ausbildung begonnen. Von Uwe Reimann

Es hat geklappt. Die einfache Formulierung ist für Clement Opoku Appiah etwas ganz Entscheidendes. Der 19-jährige Ghanaer, der monatelang auf der Flucht aus seiner afrikanischen Heimat irgendwann nach Wülfrath gekommen ist und dort von Familie Voss aus Düssel kurzerhand bei sich zuhause einquartierte wurde, kann nun bleiben. Erstmal. Vor ein paar Wochen hat der junge Mann seine Ausbildung als Maler und Lackierer begonnen.

Stand sein Leben in Deutschland nach einem Asylantrag monatelang auf der Kippe, hat Opoku Appiah nun endlich eine Perspektive. "Er kann seine Lehre hier in Deutschland machen, ohne zu befürchten, jetzt ausgewiesen zu werden", sagt Elke Voss.

Die Düsselerin hatte mit Ehemann Thomas und Tochter Melissa den Ghanaer im Sommer aus der Notunterkunft in Vohwinkel geholt. Seitdem lebt er mit der Familie als neues Familienmitglied im Haus in Düssel. Die Behörden hatten dieses Verhalten anfangs kategorisch abgelehnt und erklärten die Notwendigkeit, in der Flüchtlingsunterkunft leben zu müssen.

So sehr Opoku Appiah nun mit der Lehre Boden unter den Füßen hat, so sehr liegen noch die dunklen Schatten der Flucht auf dem Leben des jungen Mannes. "Er ist traumatisiert durch Gewalt und Todesangst und zieht sich immer sehr zurück", sagt Voss.

Vor drei Jahren war Opoku Appiah aus seiner Heimatstadt Kumasi in dem westafrikanischen Land geflohen. Die Eltern sind gestorben. Er wurde von seinem heute 22-jährigen Bruder weggeschickt, weil er kein Geld mehr hatte, um für drei Geschwister Schulgeld zu bezahlen. Er musste seine Familie verlassen. Seine jüngeren Geschwister sind heute 12 und 14 Jahre alt, leben inzwischen bei einer anderen Familie in Ghana. Auch sie konnten nicht mehr in der Einzimmerwohnung von Clements Bruder leben.

Opoku flüchtete durch die Wüste über das Mittelmeer, schlug sich bis Bulgarien durch, wo er registriert wurde - und sofort ins Gefängnis geworfen wurde. Schließlich gelangte er nach Deutschland, nach Wuppertal. Vor fünf Monaten lernte Voss, die in der Freien evangelischen Gemeinde in Vohwinkel engagiert ist, den jungen Mann kennen. "Das ist ja noch ein Kind, das schon so viel Schreckliches miterlebt hat", stellte sie schnell fest.

Elke, ihr Mann Thomas und Tochter Melissa Voss luden den jungen Afrikaner zu sich ein. "Er blühte auf. Er konnte endlich wieder ruhig schlafen", erzählt sie. "Ich fand endlich Ruhe", sagt Opoku. Oft holten sie ihn morgens zu sich nach Hause ab, abends musste er wieder zurück in die Notunterkunft. Ende August holte Familie Voss den 19-Jährigen in der Nacht ganz zu sich nach Hause. Die Genehmigung war da. "Wir wollten uns um einen Menschen kümmern, ihm die Integration erleichtern", sagt Voss.

Die Lehre ist der entscheidende Schritt. Doch auch dort greifen noch die schlimmen Erinnerungen. "Die traumatischen Erlebnisse blockieren sein Gedächtnis und das Lernvermögen. Selbst schon Bekanntes ist schnell vergessen und kann nicht abgerufen werden. "Sein Chef hat schon gesagt, er muss unbedingt mehr sprechen", erzählt Voss. Alle Familienmitglieder versuchen, sein Vertrauen zu stärken. Er geht mit zu Besuchen und nimmt am ganz normalen Leben teil. Nachbarn und viele Freunde helfen dem jungen Mann. Auch die Bezirksregierung Arnsberg ist sehr kooperativ, sagt Voss. "Schon oft haben wir auch wegen anderer Schicksale von jungen Asylsuchenden dort offene Türen und helfende Hände gefunden", sagt sie. Sie kümmern sich dort und tun alles, was eben möglich ist. Auch die Stadt Wülfrath als ausführende Ausländerbehörde hilft.

Derzeit hat Opoku Appiah eine Aufenthaltsgestattung mit Arbeitserlaubnis. Der Asylantrag hat nur schlechte Chancen anerkannt zu werden, weiß auch Voss. Doch selbst wenn der 19-Jährige nach Ausbildung und Arbeit zurück nach Afrika gehen müsste, "hätte er eine Ausbildung und hätte dort gute Chance auf ein besseres Leben", sagt sie.

Quelle: RP
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