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Postskriptum Die Woche in unserer Stadt
Notunterkunft hat sich bezahlt gemacht

Postskriptum Die Woche in unserer Stadt: Notunterkunft hat sich bezahlt gemacht
Ein Zettel an der Seitenwand in der Notunterkunft erinnerte die Bewohner in verschiedenen Sprachen ans Aufräumen, was es allen Bewohnern erleichtern sollen. Heute ziehen die letzten 89 Menschen aus. FOTO: Uwe Reimann
Wülfrath. Heute ziehen die letzten 89 Flüchtlinge aus. Dann ist Schluss. Die Stadt wird prüfen, wann die Sporthalle wieder für Schule und Sport zur Verfügung steht. Dabei hätten Stadt, DRK und viele Helfer nichts gegen ein Verlängerung gehabt. Von Uwe Reimann

Amtliche Vorlagen beeindrucken selten mit blumigen Gefühlswelten. Sozialamtsleiter Mike Flohr hat in der Beschreibung der Lage der Notunterkunft für Flüchtlinge für den nächsten Sozialausschuss aber eine Ausnahme gemacht: "Die Einrichtung wurde mehrfach neu belegt, alles unter erheblichem Einsatz der zum Teil ehrenamtlichen Helfer. Neben den zupackenden Händen konnten die vielen Helfer auch eine Schulter und - bei allen Sprachbarrieren - ein offenes Ohr bieten, um den Flüchtlingen auch so ein Gefühl des Willkommens zu vermitteln." Der Einsatz und das "Welcome" der Ehrenamtlichen bleibt als deutlichste Erinnerung an die gut sechsmonatige Periode der Nuk. Damit ist zum 31.März Schluss. Die Bezirksregierung gibt die Notunterkunft auf, die Stadt hat die Sporthalle künftig für den Schul- und Vereinssport wieder zur Verfügung. Bevor jetzt jemand meint, Stadt oder DRK blieben auf irgendwelchen Kosten sitzen, die durch die Flüchtlinge verursacht worden seien, sagt Mike Flohr in der Vorlage: "Bis zum 29.02.2016 sind für den Betrieb der NUK insgesamt rd. 1,5 Millionen Euro an Kosten entstanden. Bisher sind sämtliche Kosten aber auch wieder erstattet worden. Eigene - städtische - Belastungen finanzieller Natur haben sich nicht ergeben." Fazit: Die Stadt hat das halbe Jahr Flüchtlingsunterkunft nichts gekostet.

Im Gegenteil. Man wäre nicht unglücklich gewesen, wenn es eine Nuk-Verlängerung gegeben hätte. Der Grund: Rund 25.000 Euro bekam die Stadt monatlich als Miete für die Sporthalle (840 Euro pro Tag). Ein Betrag, der dem Stadtsäckel gut tut. Die Bitte um einen einmonatigen Weiterbetrieb wehrte die Bezirksregierung aber ab.

Auch das DRK wäre nicht unglücklich gewesen, wenn es als Betreiber im Auftrag der Stadt noch vier Wochen länger hätte machen können. In dem halben Jahr Notunterkunft haben der Kreisverband wie auch der Ortsverband ein gutes Geschäft gemacht. 25 Euro zahlte das Land an Erstattung für jeden Helfer pro Stunde, egal ob ehrenamtlich, neben- oder hauptberuflich. Der DRK-Kreisverband bezahlte alle haupt- und nebenberuflichen Mitarbeiter bis Ende 2015 mit 10,37 pro Stunde, beziehungswiese seitdem mit 12,37 Euro. Der Ortsverband Wülfrath bezahlte die ehrenamtlichen Helfer mit einer Aufwangsentschädigung von 40 Euro pro Schicht. Kreis und Ortsverein des DRK konnten also Geld zurücklegen für ihre Gesamtarbeit.

Doch die Bezirksregierung machte da einen Strich durch die Rechnung. Bleibt die Frage nach den Folgekosten, ob das Land auch die wie angekündigt komplett übernehmen wird. Die Renovierung steht an. Ob auch ein womöglich ramponierter Boden vom Land bezahlt wird, ist zweifelhaft. Andere Städte hatten anders als Wülfrath ihre Böden in Sport- oder Mehrzweckhallen mit Platten geschützt. Voreilig hatte die Stadtspitze zwar behauptet, es habe keine Zeit dafür gegeben. Angesichts der Tatsache, dass die Stadt aber gut zwei Wochen vor Einzug der Flüchtlinge von einer Unterbringung in der Sporthalle gewusst hat, wäre es wohl möglich gewesen.

Deshalb sind in Wülfrath jetzt alle ganz leise. Pssssttt. Sie schicken dem Land wohl wenn nötig die Rechnung für eine mögliche Bodensanierung und hoffen auf kulante Zahlung. Sollte NRW aber hören, dass man den Boden fahrlässig nicht hat abgedeckt, wird's haarig, denn beim Geld hört bekanntlich die Hilfsbereitschaft auf. Mike Flohr beruhigt. "Wir müssen in der Halle erst mal prüfen, ob der Boden überhaupt beschädigt ist." Stimmt. Zumindest gewinnt man erstmal ein paar Tage vor Erkenntnisgewinn.

Quelle: RP
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