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Wülfrath
Open-Air-Party lockt mit Musik und Kunst

Wülfrath: Open-Air-Party lockt mit Musik und Kunst
Die Trommelgruppe Hakuna Matata führte die Gruppen bei einem Umzug durch die Innenstadt an. FOTO: Köhlen Stephan
Wülfrath. Die Neanderland Biennale ist gestartet: Auf dem Parkplatz am Diek gab es ein großes Freiluft-Dinner. Von Lars Mader

Zur Auftakt der Neanderland Biennale taten sich zunächst zwei diametrale Welten auf, zwischen denen, wollte man nichts verpassen, wie ein Götterbote hin- und herpendeln musste. An der ersten Welt führte an diesem schwülen Juniabend in Wülfrath kein Weg vorbei. Auf dem zentral gelegenen Parkplatz am Diek luden mit weißen Leinen gedeckte Tafeln zum Dinieren mitgebrachter Hausmannskost unter freier Luft ein. Die Einwohner der kleinen Kalkstadt ließen sich die Gelegenheit zur Wonne nicht entgehen und besetzten alle Sitzplätze. Um aber genau zu verstehen, wer und was hinter diesem Spektakel stand, musste die Picknickrunde zunächst links liegen gelassen werden. Ein verführerischer roter Teppich lockte in die benachbarte Filiale der Kreissparkasse. Kaum eingetreten war deutlich der Charakter der zweiten Welt als kühl und edel spürbar. Hier hatte sich die kulturpolitische Prominenz aus der Region und von der Welt zum offiziellen Eröffnungsakt versammelt. Selber mitzubringen brauchte hier niemand, denn ein Buffet war angerichtet. Die aus Polen stammende Sängerin Jola Wolters sang den melancholischen Chanson "Et si tu n'existais pas" und die Erhabenheit des feierlichen Augenblicks war geschaffen.

Überraschenderweise hielt sodann Kreisdirektor Martin Richter anstelle des sonst wo immer möglich die Marke Neanderland hochhaltenden Landrates Thomas Hendele die Dankesrede: "Kultur braucht, so wie vieles andere, Begeisterte." Begeistert vom südländischen Flair war derweil draußen das Festvolk an der längsten Tafel südlich der Anger. Einige hatten köstlichen Cidre aufgetischt, andere gar einen fünfarmigen Kandelaber mitgebracht. Als wichtigstes Utensil entpuppte sich bei der Sonnenflut der Sonnenhut, dem zu Ehren in seiner dort zu bestaunenden Form- und Farbvielfalt eine eigene Schau zugestanden hätte. Wieder drinnen in der klimatisierten Kasse ergriff, Jürgen Hein das Wort, der als Abteilungsleiter im NRW-Europaministerium die Kooperation des Theaterfestivals mit den französischen und polnischen Partnern unterstützt. Er stellte klar, dass auch die neue Regierung das internationale Engagement halten wird. Bei der am selbigen Tag stattgefunden Begrüßung der polnischen Delegation in der Staatskanzlei, hatte ihn der Marschall der Woiwodschaft Schlesien, Dr. Henryk Mercik, auf Sorgen vor einer zunehmenden Zentralisation aufmerksam gemacht Ein Raunen ging allerdings durch den Raum, als Hein die wahre wie kecke Formulierung wählte: "Dieses Festival zeigt, das Weltkultur auch in der Provinz stattfindet." Abseits der großen Politik spielte Lokalbardin Petra Speh-Morgner für die ausgelassenen Tafelgäste den Walzer "Paris, mon accordéon"; der clowneske Herr Jeminé probierte eine Hutjonglage samt Händen und Füßen.

Und die Jungschauspieler der Rohdenhauser Chilis improvisierten ohne Punkt und Komma gegen die Hitze an. Vor das Rednerpult der Sparkasse war inzwischen mit der künstlerischen Leiterin Lillih Leinenweber das Gesicht des Festivals getreten. Sie wies ausdrücklich die tolle Amateurtheaterszene des Kreises hin.

Bürgerdinner auf dem Parkplatz Am Diek mit "Herr Jeminé" (Marcus Steck). FOTO: Stephan Koehlen

Nach zwei Stunden endlich wurden die zwei Welten der Festbürger und des Kulturadels von den treibenden Trommeln der siebenköpfigen Gruppe Hakuna Matata zu einem kurzen Umzug vereint. Ganz gemeinschaftlich erlebte man die sagenhafte Premiere "Uferlegenden".

Quelle: RP
 
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