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Wülfrath
Realschüler lernen in zwei Sprachen

Wülfrath: Realschüler lernen in zwei Sprachen
Politik, Erdkunde und Geschichte lernten die Schüler Corinna Forst (v.l.) Jeremias Jäger und Ann Kathrin Buschmann aus dem Abschlussjahrgang in englischer Sprache, unterstützt von den Klassenlehrerinnen Corinna Ritkowski (l.) und Ute Buiting sowie Schulleiter Frieder Winterberg. FOTO: Dietrich Janicki
Wülfrath. In der Bilingualen Klasse der Theodor-Heuss-Realschule wurde ein Teil des Lehrstoffs auf Englisch unterrichtet. Von Dirk Neubauer

Diese Schule hat ein Ablaufdatum. Am 7. Juli 2018 enden mehr als 160 Jahre Geschichte der Theodor-Heuss-Realschule. Dann wird der letzte Jahrgang ins Leben entlassen und dieses Kapitel endgültig beendet. Die Sekundarschule übernimmt - den Standort, die Klassenräume und den Bildungsauftrag. Doch bis zu diesem Datum pocht Realschulleiter Frieder Winterberg mit all seinem Durchsetzungsvermögen und seiner Überzeugungskraft bei Schülern, Lehrern, Eltern, Politik und Bildungsbürokratie auf seinen obersten Leitsatz: "Der kommenden Klasse 10 wird nicht vermittelt, dass sie die Letzten sind. Sie sollen ihre Realschulzeit genauso zu Ende bringen dürfen wie all die Jahrgänge vor ihnen." In diesen Tagen verabschiedet Winterberg die jetzige Jahrgangsstufe Zehn - und mit ihr die letzte Bilinguale, also zweisprachige Klasse.

Die 23 Schülerinnen und Schüler der 10 C, Klassenlehrerin Ute Buiting, haben seit den ersten Tagen auf der Realschule einen Teil des Lehrprogramms in englischer Sprache absolviert; in den Klassen 8, 9 und 10 wurden die Fächer Politik, Erdkunde und Geschichte ausschließlich in Englisch unterrichtet. Mit ihrer Teilnahme an einem Schulversuch des Jahres 1991 bekam die vergleichsweise kleine Wülfrather Realschule eine herausgehobene Stellung in der Region. Anmeldungen ausdrücklich für den bilingualen Zweig aus Ratingen, Mettmann, Heilgenhaus und Wuppertal zeigten, wie rasch und wie weit sich das ungewöhnliche Angebot unter Eltern herumgesprochen hat. Nach dem Realschulabschluss setzte mehr als die Hälfte dieser bilingualen Klasse die Schullaufbahn fort - auf einem Gymnasium oder einem Berufskolleg.

"Von Anfang an hat uns Frau Buiting ein Gefühl für Klassengemeinschaft vermittelt", sagt Schülerin Ann-Kathrin Buschmann. Das bedeutet nicht, dass in der 10 C nur Chorknaben und -damen fürs Leben lernten. Mit einem Fall von Mobbing hatte auch diese Klasse zu kämpfen. "Aber Lehrerin und Schüler haben das gemeinsam geschafft und sind daran gewachsen", sagt Schulleiter Winterberg. Er hat sich einen Vermerk für seine diesjährige Abschlussrede gemacht: "Ich werde deutlich machen, dass Lehrerinnen und Lehrer mindestens denselben Respekt verdient haben wie die Mitschüler." Da habe es manchmal gehapert.

Doch solche Randnotizen sollen eigentlich nur zeigen, dass es sich um eine lebende Schule handelt - auch mit allen Problemen. Die 10a mit Klassenlehrerin Corinna Retkowski und die 10b von Horst Rohrbach gehen zusammen mit der 10c durch die letzten Schultage. Das größte Lob für die Lehrerschaft an der Theodor-Heuss-Realschule sagt Schüler Jeremias Jäger, eher beiläufig: "Ich bin vom Gymnasium auf die Realschule gekommen. Hier hatte ich im Unterschied zu früher immer den Eindruck, dass sich die Lehrer um uns Schüler kümmern."

Schulleiter Winterberg schließt die Sekundarschule mit Schulleiter Heiko Marvius in den Dank ein: "Wir waren nie zwei getrennte Lager, sondern es gab ein Sekretariat, ein Lehrerzimmer." So gab es auch nie die Depression leerstehender Klassen- oder Fachunterrichtsräume. Stattdessen stehen die Zeichen auf Übergang. Manche Lehrer werden an der Sekundarschule weitermachen, manche wechseln auf andere Schulen. Wichermann freut sich - auf seinen Ruhestand.

Quelle: RP
 
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