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Wülfrath
Schüler pflegen jüdische Friedhöfe in Lettland

Wülfrath. Bei dem von Pfarrer Rex organisierten Sommercamp in Ventspils wurde nicht gefaulenzt, sondern kreativ gearbeitet. Von Valeska von Dolega

"Wer vergisst, wird blind. Deshalb sind wir hier", beschreibt Pfarrer Klaus Peter Rex, warum er auch in diesen Sommerferien das Feriencamp organisiert hat. Wie in den vergangenen zehn Jahren führte diese Veranstaltung nach Lettland - um dort verwilderte jüdische Friedhöfe wieder instand zu setzen. Diesmal den in Ventspils, einer Stadt im Westen Lettlands.

Zusammen mit 18 jungen Leuten im Alter zwischen 17 und 28 Jahren aus Deutschland und Österreich war er vom 19. Juli bis 3. August vor Ort. "Letztlich geht es nicht nur darum, verwahrloste Friedhöfe auf Vordermann zu bringen. Wir versuchen auch, alle Grabmale zu erfassen und zu katalogisieren", sagt Pfarrer Rex. Um Familien die Suche nach verstorbener Verwandtschaft zu erleichtern. Die letzten Beisetzungen fanden vor etwa 70 Jahren statt, Standesämter gab es in der jetzt bekannten Form nicht, Familienbücher können so vielleicht komplettiert werden. Und letztlich ist es eine Aktion gegen das Vergessen. "Das jüdische Leben wurde in der Nazizeit abgebrochen."

Außerdem versteht sich das Sommercamp als ein "kleiner Beitrag zu einem gemeinsamen Europa", diesmal waren es ausschließlich Deutsche und Österreicher, die teilnahmen. In der Vergangenheit waren ebenso Jugendliche aus Italien, Holland und der Türkei mit dabei.

Finanziell unterstützt durch den Landesjugendplan und den sogenannten Bauorden, gab es diesmal auch geldwerte Unterstützung durch die lettische Familie Sebba. Sie übernahm die Kosten für den Kran. Der war notwendig, um verschüttete Grabsteine auszubuddeln und auszuheben, um sie später wieder zu platzieren. "Aber es bedarf immer einiger Vorarbeiten, um sich überhaupt einen Durchblick zu verschaffen." Damit später ein Rundweg angelegt werden konnte, mussten tonnenweise Gestrüpp, Büsche, verendete Bäume und wild wuchernde Pflanzen entfernt werden.

Das zu realisieren, hört sich leichter an, als es im Tun ist. Das Wetter spielte zeitweise nicht mit, weitere kleine Hürden waren fehlender Strom, um Maschinen auf dem Friedhof in Betrieb nehmen zu können, fehlende Genehmigungen oder nicht haltender Zement zur sicheren Verankerung der dann neu aufgerichteten Grabmale. Nach viel emsiger und akribischer Schufterei konnte am letzten Abend vor Ort quasi zum Abschluss des Camps der gepflegte Friedhof im Beisein Nina Sebbas, Gita Umanowska und Ilya Lensky von der jüdischen Gemeinde Riga sowie einigen Honorationen übergeben werden.

"Wir haben viel Lob bekommen", freuen sich Pfarrer und Team. "Und Anfragen für weitere herzurichtende Friedhöfe." Dabei ist er selbst gar nicht restlos zufrieden. Die Zeit reicht einfach nicht, "man wird nie fertig. Es liegen auch jetzt noch sicher 30 bis 40 Steine unter der Erde. Die Arbeit ist nie zu Ende."

Quelle: RP
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