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Wülfrath
Vorurteile gehören in die Schublade

Wülfrath: Vorurteile gehören in die Schublade
Hanaa El-Kayed (l.) und Andrea Schulte sind stolz auf die tollen Schubladen, die derzeit im Kinder- und Jugendhaus Wülfrath ausgestellt werden. FOTO: D. Janicki
Wülfrath. Die persönlichen Schubladen der acht Wülfrather Jugendlichen sind jetzt im KJH ausgestellt. Von Maren Könemann

Meliha (15) ist sichtlich erfreut, als sich die Besucher der Ausstellungseröffnung am vergangenen Montagnachmittag im Kinder- und Jugendhaus (KJH) ihre selbstgestaltete Schublade genauer ansehen. Stolz zeigt und erklärt sie ihr Werk während der kurzen Führung, die die Jugendlichen für die Gäste vorbereitet haben. "Ich habe etwas über Rassismus gemacht", beginnt die 15-Jährige ihre Beschreibung.

Meliha ist eines von acht Wülfrather Mädchen, die an dem Projekt "Schubladendenken? Lass dich überraschen!" - initiiert von der Abteilung Kinder- und Jugendförderung im Kinder-und Jugendhaus Wülfrath - gearbeitet haben. Jugendliche mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen sollten sich dabei auf eine kreative Art und Weise mit Klischees und Vorurteilen zu ihrer Herkunft auseinandersetzen. Nach kleineren Street-Art- oder Fotografie-Aktionen im Rahmen des Projektes riefen die Projektleiterinnen Hanaa El-Kayed, Andrea Schulte und Daniela Dietz schließlich auch das Schubladen-Projekt ins Leben. "Wir haben kontinuierlich über sechs Monate daran gearbeitet und sind zum Beispiel über Rollenspiele an die Thematik herangegangen", so Hanaa El-Kayed, "die Gruppe hat sich untereinander total geöffnet. Es gab viele sehr persönliche Gespräche".

Dass die Schubladen der Mädchen viel über ihre persönliche Wahrnehmung von Klischees und Vorurteilen widerspiegeln, ist gut erkennbar. Melihas Schublade ist bunt - auf die Außenseite hat sie ein paar Gesichter mit unterschiedlicher Haar-, Augen- oder Hautfarbe aufgeklebt, das Innere der Schublade hingegen ist komplett rot angemalt und mit einem kleinen weißen Skelett in der Mitte geschmückt. "Von außen sehen wir alle anders aus und haben verschiedene Merkmale", erklärt die 15-Jährige, "aber innerlich sind wir alle gleich - aus Fleisch, Blut und Knochen".

Das Thema Rassismus beschäftigt das Wülfrather Mädchen rund um die Uhr. Aufgrund ihrer Religion trägt sie ein Kopftuch und wird deswegen nicht selten anders behandelt. "Letztens hat eine Frau die Straßenseite gewechselt und einen großen Bogen um mich gemacht", erinnert sie sich, "man merkt es schon sehr".

Sich kreativ mit dem Thema auseinanderzusetzen, hat ihr viel Spaß gemacht. "Damit kann ich alles zeigen, so dass die Leute mich verstehen", freut sie sich. Auch die anderen Mädchen haben sich viele Gedanken gemacht - Themen wie "Typisch Mädchen", "Typisch Eltern" oder "Typisch dick/dünn" fanden in ihren selbstgestalteten Schubladen Ausdruck.

Für die Projektleiterinnen, die sogar selbst mitgestaltet haben, war die Aktion jedenfalls ein voller Erfolg. "Wir konnten die Bindung der Mädchen an uns und ans Kinder- und Jugendhaus stärken. Es hat sich außerdem ein tolles Gruppengefühl entwickelt", so Hanaa El-Kayed. Aus diesem Grund freue man sich schon, bald weitere Projekte mit der Gruppe anzugehen - dazu sei auch schon einiges geplant.

Quelle: RP
 
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