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Analyse
Wer will wie den Müll entsorgen lassen

Wülfrath. Das von der Verwaltung vorgelegte Abfallkonzept inklusive Wechsel von Sack auf Tonne lässt Auflösungserscheinungen in der Wülfrather Politik erkennen. Hier die Liste der Parteien und Personen, die es wie und warum so gerne möchten. Von Uwe Reimann

Die Mitglieder im Hauptausschuss haben es in langen Diskussionen geschafft, das Abfallkonzept der Verwaltung argumentativ zu zerrupfen und schließlich in Teilen geändert wieder zusammenzufügen. Am Ende steht der Kompromiss: Ziel ist es, das Abfallkonzept "2018 plus" zum 1. April 2018 einzuführen. Die Absicht sei klar, sagen die einen. Andere verweisen auf die Absicht, aber nicht auf einen deutlichen Beschluss. Da halte man sich das Hintertürchen offen, es weiter wie gehabt handhaben zu wollen. Die Positionen:

Die FDP mit Hans-Peter Altmann sagte gar nicht viel, dafür umso deutlicher: Der Sack soll's weiter sein. Die Wahlfreiheit des Wülfrathers, Müll in den Sack zu hauen, sei ein wichtiges Gut.

CDU-Fraktionsvize Martin Sträßer möchte das gesamte Abfallkonzept lieber in die Tonne werfen, weil die Zukunft wegweisende Veränderungen in der Abfallpolitik bereithalte, sagt er. Die Wertstofftonne werde kommen, die Sammelsysteme würden sich grundlegend verändern. Ach ja: Damit plädiert er natürlich für den Sack und gegen die Tonne. Die Fraktion knirscht dazu.

Die Stadtverwaltung, Bürgermeisterin Claudia Panke, Kämmerer Rainer Ritsche und direkt betroffen Abfallberaterin Ulrike Eberle plädieren leidenschaftlich und vehement für den Wechsel zur Tonne und allen anderen Veränderungen des Konzepts.

Die Wülfrather Gruppe fordert endlich den Umstieg zur Tonne. Dafür gebe es viele Argumente: Jährlich 140. 000 weniger Plastiksäcke und mehr Müllgerechtigkeit. Zudem solle mit dem Irrglauben aufgeräumt werden, wer den Sack habe, wolle auch denselben. "Mieter in Mehrfamilienhäusern müssen ihn oft nehmen. Ob sie wollen oder nicht", sagt André Herbes.

Die Linken, einstmals Initiator der Sackbörse, wollen ebenfalls den Umstieg auf die Tonne. Ilona Küchler sagte bereits im Umweltausschuss, dass sie darin die Zukunft sehe. Die Grünen würden das Abfallkonzept mit vielen Erleichterungen (Sperrmüll) lieber gestern als morgen haben. Auch der Sackhandel, ein für manchen Wülfrather angeblich einträgliches Geschäft, soll der Vergangenheit angehören.

Tonne-Sack Jein Die CDU will eigentlich den Umstieg. Doch sie wird derzeit von ihrem Fraktionsvize Martin Sträßer verhaftet, mindestens auf einen Sowohl-als-auch-Kurs zu schwenken. Spannend wie das weiter geht. Mit lebhaften Fraktionssitzungen ist zu rechnen. Deshalb stimmte die CDU jetzt nicht für den klaren Wechselbeschluss, sondern setzte noch mal auf das Wir-haben-erstmal-das-Ziel-Votum.

Die SPD will die Tonne, möchte fürs Ziel werben, überzeugen und möglichst alle Beteiligten mitnehmen. Nur nicht die WG. Deshalb folgte sie auch aus Bündnisgründen der CDU.

Quelle: RP
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