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Wülfrath
Wie eine Schule sich selbst feiert

Wülfrath: Wie eine Schule sich selbst feiert
Das Orchester des Gymnasiums führte beim Festakt erstmals die neue Schulhymne auf. FOTO: dietrich janicki
Wülfrath. Mit einem Festakt im Paul-Ludowigs-Haus hat das Wülfrather Gymnasium seinen Feiermarathon zum 50-jährigen Bestehen würdig beendet. Es gab große Reden, gute Musik, Tanz und herrliche Anekdoten. Von Daniele Funke

Ein offizieller Festakt hat naturgemäß etwas "Steifes", eine Lobeshymne folgt der Nächsten, je wichtiger der Redner, desto gewählter seine Worte, da fällt auch die offizielle Jubiläumsveranstaltung des Gymnasiums nicht aus dem Rahmen. Zu Beginn präsentiert das Schulorchester seine neue, selbst komponierte und gelungene Schulhymne - von einer "Welturaufführung" spricht Schulleiter Joachim Busch in seiner Eröffnungsrede. "Unser Orchester besteht seit 30 Jahren. Es ist ein Beispiel dafür, dass unsere Schule vielseitig ist und verlässlich gute Bildung bietet", schwärmt Busch, "sie ist das Werk aller, die an dieser Schule mitwirken oder mitgewirkt haben."

Und doch - immer wieder, zwischen den anerkennenden Worten des stellvertretenden Bürgermeisters Wolfgang Preuß ("Wir sind begeistert von der gestärkten interkulturellen Kompetenz durch die Austauschprogramme mit anderen Ländern") und den mehr oder weniger abgelesenen Formulierungen von Klaus Killich von der Bezirksregierung - "Ihre Schule genießt einen sehr guten Ruf. Eine angenehme Atmosphäre wie hier, gepaart mit transparenter Offenheit und geprägt von Hilfsbereitschaft, ist die Voraussetzung für gelungenes Lernen" - sind es die Beiträge der Schüler und Lehrer, die den Festakt zu einem lebendigen, fröhlichen, einmaligen Event machen. Lehrerin Meike Polanz begeistert mit ihren mit viel Sarkasmus vorgetragenen Fauxpas- Anekdoten diverser Deutschschüler. "Im Deutsch-LK sollte ein Schüler das Gedicht ,Vereinsamt' interpretieren. Was gibt er ab? Eine Analyse über das Vereins-Amt. Ein anderer meinte mal, das lyrische Ich sei nichts anderes als ein Stalker."

Beim Poetry Slam eines ehemaligen Schülers wird es laut auf der Bühne. Vorab beruhigt er seine früheren Lehrer. "Keine Angst, ich komme nicht zurück, ich bin privat hier". Und die Tango-Tanzeinlage einiger Abiturienten dieses Jahres begeistert vielleicht gerade deshalb so sehr, weil sie von Perfektion weit entfernt ist und die teils ratlosen Gesichter der Tänzer bei bestimmten Schrittfolgen schlicht sympathisch herüberkommen.

Weil die angekündigte Schulrätin zum Festakt nicht erscheint, kann die Vorsitzende der Schulpflegschaft, Jutta Reißbach, früher als geplant ihre Worte an die vielen Gäste richten. "Ich stelle mir viele Fragen: Was ist aus all den Ehemaligen geworden? Sind sie dem Kleinstadtmief entflohen? Haben sie ihre Ziele erreicht? Wie wird sich unsere Schule entwickeln? Wird es vielleicht doch irgendwann ein funktionierendes W-Lan geben?" Elke Patzhoff bezieht sich als Vorstand vor allem auf die wichtigen Aktivitäten des Fördervereins. "Wir unterstützen finanziell die moderne Medienlandschaft, die Übermittags-Betreuung und bezuschussen auch Auslandsaufenthalte, das sind wichtige Beiträge zur ideellen und materiellen Förderung der Kinder."

Schülersprecher Tino Herrmann beendet den rund 90-minütigen Festakt mit kurzen, knappen und vor allem klaren Worten - unter tosendem Applaus der zahlreichen anwesenden Mitschüler. "Danke, liebes SGW, danke, dass du ein Ort bist, an dem wir nicht leiden müssen."

Quelle: RP
 
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