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Wülfrath
Wie man in der Wildnis überlebt

Wülfrath: Wie man in der Wildnis überlebt
Lelia (8) und ihre Mutter Claudia Lippitz fühlten sich im Wald wohl. Mit den anderen Teilnehmern lernten sie, wie man aus mehreren Ästen ein Waldsofa baut, das später als Treffpunkt diente. FOTO: Stephan Köhlen
Wülfrath. Aus zwei Astgabeln, mehreren kleineren Ästen und Blättern kann man einen Laubschlafsack bauen - mehr als 30 Teilnehmer wollten von Uta Wittekind wissen, wie man in der Natur ohne viel Hilfsmittel zurecht kommt. Von Rabea Gruber

"Brennnesseln", sagt Uta Wittekind und hält eine Pflanze hoch, "sind gut gegen Rheuma." So ganz kann das Versprechen die Berührungsängste der Gruppe nicht aufheben. Trotzdem machen sich die Teilnehmer daran, weitere Brennnesseln zu sammeln. Wie sie aus den Fasern Bänder knüpfen können, lernen sie an diesem Nachmittag beim "Wildnistraining für Einsteiger".

Einmal im Jahr bieten Wittekind und ihr Kollege Rainer Erdinger das Seminar im Rahmen der Waldforscher-Station an. Es richtet sich vor allem an Familien, die zusammen einen Nachmittag draußen verbringen und dabei Neues über die Natur lernen wollen. Die Waldpädagogen zeigen, wie man draußen (über)leben kann - mit Mitteln der Natur, aber ohne dieser zu schaden. Fast 30 Teilnehmer kommen dieses Mal zusammen. Für den Wildnis-Samstag sind sie teils aus Düsseldorf, Ratingen oder sogar aus Köln angereist. Claudia Lippitz und ihre Tochter Lelia hatten es nicht so weit. Die beiden kommen aus der Stadtgrenze zu Wuppertal und freuen sich, an dem Tag viel ausprobieren zu können. "Wir wollen möglichst viel mit allen gemeinsam machen", erklärt Wittekind, "wie in einer Großfamilie. Es soll nicht so sein, dass wir beide hier nur vormachen und Sie es uns dann nachtun."

Zuerst stapelt die Gruppe aus Ästen ein Waldsofa, das als Treffpunkt dient. Dann geht es direkt daran, Unterkünfte für die Nacht zu bauen. Erdinger nimmt einen Teil der Truppe mit und zeigt ihnen, wie sie aus zwei Astgabeln, mehreren kleineren Ästen und Blättern einen Laubschlafsack bauen können. "Das wird ein niedriges Zelt, eine Dackelgarage", sagt der Pädagoge, der als Nabu-Stadtbeauftragter für Wülfrath arbeitet. "Die richtige Herausforderung wäre jetzt, das hier ganz ohne Werkzeug zu bauen", so Erdinger, "aber für den Einsteigerkurs ist das vielleicht ein bisschen viel." Deshalb hat er Werkzeug für Kinder und Erwachsene mitgebracht. Nach kurzer Zeit stehen die ersten vier Schlafsäcke aus Laub. Sie sind sogar groß genug für gleich mehrere Kinder.

"Vorne könnte man noch eine Tür hinmachen", meint die achtjährige Lelia. Schön warm ist es unter dem Laubdach aber, da sind sich die Kinder einig. In der Zwischenzeit hat der Rest der Gruppe unter Anleitung von Wittekind Seile aus Brennnesselfasern geknüpft. Bei dieser Geduldsaufgabe sind eher die Eltern gefragt, die Kinder können sich dafür später mit selbstgebauten Bogen austoben.

"Für die Kinder ist es wichtig, an der frischen Luft sein zu können", sagt Wittekind, die selbst einen Großteil ihrer Kindheit draußen mit ihren drei Brüdern verbracht hat. "Heute sind leider viele Kinder unsicher im Umgang mit der Natur." Dem möchte die Waldforscher-Station entgegenwirken. Seit 2010 ist Wittekind als Waldpädagogin und Falknerin selbstständig, Erdinger unterstützt sie seit 2013 bei den Kursen. Den Abend lassen die neuen Wald-Experten am Lagerfeuer ausklingen.

Es gibt Stockbrot, Quark mit selbstgesammelten Kräutern und Popcorn. Auch das wird über dem Feuer zubereitet - Wittekind nimmt dafür zwei Küchensiebe aus Metall. Für eine andere Leckerei kommen wieder Brennnesseln zum Einsatz. Mit Öl und Salz geröstet werden daraus leckere, gesunde Chips. Der ein oder andere Teilnehmer kann sich so doch noch mit der Pflanze anfreunden.

Quelle: RP
 
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