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Sonsbeck
145.000 Euro für den Aussichtsturm

Sonsbeck: 145.000 Euro für den Aussichtsturm
Der Aussichtsturm am Bögelschen Weg in der Sonsbecker Schweiz: Eine Sanierung kostet 145 000 Euro. Die Gemeinde untersucht nun auch Alternativen wie einen Neubau. FOTO: Arnulf Stoffel
Sonsbeck. Jetzt ist guter Rat teuer: Ein Gutachten nennt die Kosten für die Sanierung des Sonsbecker Wahrzeichens. Das bleibt weiter gesperrt. Von Heinz Kühnen

Der Aussichtsturm am Bögelschen Weg in der Sonsbecker Schweiz muss völlig überholt werden. Zu diesem Schluss kam ein Sachverständiger. Die Kosten: 145 000 Euro.

Großes Schlucken im Rathaus: Mit solch einer Summe, so Bürgermeister Heiko Schmidt gestern im Gespräch mit der Rheinischen Post, habe niemand gerechnet. Noch vor gut einem Monat hatte Georg Tigler, Fachbereichsleiter unter anderem für Bauangelegenheiten, zwar nicht spekulieren wollen. Die Hoffnung auf einen fünfstelligen Betrag, der mit dem "normalen Haushalt" zu stemmen sein würde, war aber noch vorhanden. Jetzt aber sieht alles ganz anders aus.

Ausgangspunkt war eine Routineuntersuchung. Alle paar Jahre muss ein Sachverständiger den Turm begutachten. Die Holzkonstruktion mit ihren stählernen Verbindungsstücken ist inzwischen 31 Jahre alt und hat naturgemäß Macken. Schäden, die die Gemeinde immer mal wieder und zu Restaurierungsarbeiten gezwungen hatten - aber im erträglichen finanziellen Maße.

Jetzt aber schlug das Planungsbüro van Aaken sofort nach der ersten Durchsicht Alarm. Es hatte bei Stichproben festgestellt, dass ein Teil der Verbindungsbolzen der Fachwerkverbände korrodiert ist. Der Turm wurde sofort gesperrt.

Nicht nur vorübergehend, wie sich nun herausstellte. Noch gut in Schuss ist das Holz, das nur unwesentliche Rissbildungen aufweist. Die Bolzenverbindungen aber sind durchgängig marode. Eindringendes Wasser hat dazu geführt, dass sich der Durchmesser der Bolzen durch Korrosion von zwölf auf lediglich drei Millimeter Durchmesser verringert hat. Auch die Ringkeildübel, die die zusammengesteckten Holzteile verbinden, sind "alarmierend beschädigt", sagt Schmidt. So darf das der Turm, dessen Aussichtsplattform 26 Meter hoch über der Endmoräne emporragt, auf keinen Fall betreten wrden.

Wie es jetzt lang gehen soll, weiß noch niemand im Rathaus. "Über Geld zu reden und wie wir es aufbringen könnten ist noch zu früh", verweist der Bürgermeister auf "nun erst anstehende Berechnungen". Noch bestehe die Hoffnung, dass die Gemeinde sich gegen zig andere Mitbewerber im Wettbewern "Erlebnis NRW - Tourismuswirtschaft stärken" durchsetzen kann. In den Bewerbungsunterlagen hat Sonsbeck den Turm als wesentlichen Bestandteil des Projekts ausgewiesen, dass sich barrierefrei von der Freifläche am Sportpark bis hinaus in die Sonsbecker Schweizerstrecken soll. Da könnte dann ein hoher Zuschuss drin sein. Wie die Chancen für dieses Vorhaben stehen, "das für Sonsbecks Entwicklung ganz wichtig ist" (Heiko Schmidt), ist aber völlig ungewiss. Er selbst spricht von "einem kleinen Hoffnungsschimmer".

Die Sanierung ist nur ein Ausweg. "Wir wollen berechnen, wieviel ein Neubau kosten wird", sagt der Bürgermeister. Für die Sitzungsperiode im Oktober sollen Vorlagen erarbeitet werden. Schmidt: "Wenn wir uns für den Erhalt entscheiden, dann müssen alle dahinter stehen - die Politik, die Bürger..."

Eins haben die Mitarbeiter der Gemeinde allerdings festgestellt. "Seit der Turm nicht mehr betreten werden darf, gab es zig Anfragen bis in die Niederlande hinein, wann denn der Schaden behoben ist", so Schmidt. Darunter war auch ein Anruf von Künstlern, die den Turm für ein Schauspiel nutzen wollten und nun bitter enttäuscht sind.

Quelle: RP
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