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Xanten
500 Spardosen aus aller Welt

Xanten: 500 Spardosen aus aller Welt
Museumsinhaber Norbert Müller zeigt Spardosen aus vielen Zeitepochen in seinem Museum in Wardt. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Das Geldmuseum zeigt in einer Ausstellung, dass die Gestaltung von Spardosen eine eigene Kunstform ist. Von Peter Kummer

Spardosen sind nicht erst mit der Einführung des Weltspartages 1925 ein Thema für sich. Schon vor Jahrtausenden steckten die Menschen einen Notgroschen in einen Behälter, der nur einen Schlitz hatte. Die älteste bekannte Spardose aus Ton stammt aus dem dritten vorchristlichen Jahrhundert und wurde bei Ausgrabungen in Babylon gefunden. Solch ein wertvolles Stück hat Norbert Müller zwar nicht in seinem Geldmuseum, doch immerhin kommt er auf rund 500 Exponate aus aller Welt und aus vielen Spar-Epochen der Menschheit. Demnächst treffen sich hier in Wardt Mitglieder der Interessengemeinschaft europäischer Spardosensammler zu ihrer Jahreshauptversammlung.

Jede Spardose erzählt ihre eigene Geschichte. Im Mittelalter wurden die Münzen für schlechtere Zeiten oder um sie vor brandschatzenden Truppen in Sicherheit zu bringen, vergraben. Doch im 14. Jahrhundert kamen dann die ersten Sparschweine auf. Das Tier stand für Glück. Daher kommt die Redewendung "Schwein haben", berichtet der Museumschef. "Außerdem war es in der Speisekammer die Lebensversicherung des kleinen Mannes", sagt er. Seit dem 18. Jahrhundert entwickelten sich die Spardosen und ihre Gestaltung regelrecht zu einer eigenen Kunstform in allen denkbaren Farben und Formen. An den Spardosen, sagt Margit Salzmann, stellvertretende Vorsitzende der Spardosensammler, könne man sämtliche historischen und kunsthistorischen Strömungen ablesen. So gebe es Missionssammelbüchsen als Hinweis auf die Kolonialgeschichte, Waffenfabrikanten sattelten in den USA nach Ende des Bürgerkriegs um und produzierten mechanische Spardosen aus Gussstahl.

Mit der Spardose habe der Mensch das Geld auch vor sich selbst in Sicherheit gebracht, erläutert Müller. Sozusagen aus den Augen, aus dem Sinn. Die absolut sicherste Variante waren die Metalldosen mit Aufschriften wie Heim-Sparkassette oder Haus-Sparkasse. Den Schlüssel hierfür hatte nur ein Bankmitarbeiter, der in den 1950er Jahren zum Kassensturz auch schon mal ins Haus kam.

"Sparen hat etwas mit Disziplin zu tun", sagt Müller. Darum sei das Schulsparen sehr favorisiert worden. Hierfür hing in den 30er Jahren in vielen Schulen zum Beispiel ein Schulsparautomat an der Wand. Die Kinder warfen ihre Zehnpfennigstücke in den Schlitz, hielten ihre Sparkarte unter einen Stempel und bekamen so die neue Einlage quittiert. Beim Design haben sich die Entwickler so richtig ausgetobt, denn, so Müller: "Sparen soll auch Spaß machen." Mal verschwindet die Münze zu Zeiten von Apollo in einer Rakete, manchmal in einer kleinen Porzellanwiege oder in dem metallenen Rheindampfer Bingen mit drehbarer Fahne. Eine Tischuhr läuft nur, wenn man sie zweimal am Tag füttert. In der Vitrine gegenüber steht eine Spardose mit vier Schlitzen; jeder hat ein anderes Symbol. So konnte in der Familie jeder für sich einen Notgroschen beiseitelegen.

Etwa 25 Personen erwartet Müller am Samstag, 27. Mai, wenn in Wardt die Sammler ihren Jahreskonvent abhalten. Es werden Spardosensammler aus Deutschland, Österreich, Schweden, Schweiz, England und voraussichtlich aus den USA kommen, um Vorträgen zu lauschen und untereinander das eine oder andere Exponat zu tauschen. Auch wenn Norbert Müller stundenlang über die Spardosen, ihre Geschichten und Eigenheiten erzählen könnte, so sagt er doch: "Das sind Profis, die sich nur auf dieses Thema konzentrieren. Ich bin sehr gespannt."

Die Spardosen-Sammler haben eine eigene Homepage: www.embc.de.

Quelle: RP
 
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