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Xanten
Achim liebt Marianne

Xanten: Achim liebt Marianne
Achim Leyer und Marianne Janssen helfen sich gegenseitig durch das Leben. Sie wohnen in Marienbaum. FOTO: A. Fischer
Xanten. In einem Wohnheim der Lebenshilfe unterer Niederrhein in Xanten lernten sich Achim Leyer und Marianne Janssen kennen.

Ich dachte, der Zug wäre längst abgefahren", erinnert sich Achim Leyer. Mit dem Zug meint der 54-Jährige die Chance, doch noch die Frau fürs Leben zu finden. Bis Leyer eher zufällig einige Tage in einem Wohnheim der Lebenshilfe Unterer Niederrhein in Xanten verbrachte und dort die ebenfalls geistig und psychisch behinderte Marianne Janssen traf. "Ich habe ihn gesehen und gedacht, der ist was für mich. Da habe ich ihn mir sofort geangelt", erzählt die lebenslustige Frau. Zumindest hatte Marianne Janssen das vor, aber der Adressat der eindeutig verliebten Blicke wollte diese partout nicht als Flirt wahrnehmen. "Dann wollte sie unbedingt mit mir zu Edeka, um mir eine Bekannte vorzustellen. Es stellte sich aber heraus, dass sie dort niemanden kennt. Ich habe mir aber immer noch nichts dabei gedacht", sagt Achim Leyer.

Drei Wochen schwirrten die beiden noch umeinander wie Bienen um den Honigtopf, bis Marianne sich ein Herz fasste und ihn direkt fragte. Kurz darauf stellte sie ihn ihrer Mutter vor, die sofort angetan war. Bis zum ersten Kuss ließen die beiden sich noch drei Wochen Zeit, danach konnte sie nichts mehr trennen.

Ein Jahr später bot sich dem Paar die Gelegenheit, in eine eigene, von der Lebenshilfe Unterer Niederrhein betreute Wohnung in Marienbaum zu ziehen. Der Schritt in die Selbstständigkeit war für die beiden lebenslang betreuten Menschen eine riesige Umstellung. Mittlerweile haben sie sich in ihren eigenen vier Wänden eingelebt. Vor allem für Achim, der unter Depressionen leidet, war dieser Schritt wichtig: "Ich bin viel besser drauf, falle nur noch selten in ein Loch." Betreuerin Melani Beckedahl unterstützt das Pärchen bei Einkäufen, strukturiert den Haushalt oder hilft bei Behördengängen. Ansonsten meistern die beiden ihr Leben selbstständig, auch weil sie sich geradezu perfekt ergänzen.

Im kommenden Jahr, im Wonnemonat Mai, möchten sich die beiden verloben. Die passenden Ringe haben sie schon. FOTO: Armin Fischer

"Achim ist oft traurig und nachdenklich, dann muntere ich ihn auf, indem ich lache und singe", erzählt die 58-Jährige. Marianne wiederum kann weder lesen noch schreiben und deshalb auch nicht mit dem Bus fahren, Achim hat einen Führerschein und ein Auto, in dem sie gemeinsam zur Arbeit nach Veen fahren. Wenn die beiden am Nachmittag von ihrer Tätigkeit bei der Lebenshilfe-Werkstatt in Veen zurück sind und gemeinsam die notwendigen Arbeiten im Haushalt erledigt haben, geht es raus in die Natur. "Unser Lieblingsort in Marienbaum ist die Eisdiele, von dort machen wir einen langen Spaziergang. An den Wochenenden sind wir ständig unterwegs", berichtet Marianne Janssen.

Melani Beckedahl freut sich mit dem Paar: "Für uns ist das ein absoluter Glücksfall. Für jeden einzeln wäre es schwierig geworden, eigenständig zu leben, aber zusammen ergänzen sie sich prima. Wir hoffen, dass dieses Beispiel andere ermuntert, es nachzumachen." Im kommenden Jahr, im Wonnemonat Mai, möchten sich die beiden verloben. Die passenden Ringe haben sie schon.

Erwin Kohl

Quelle: RP
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