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Ärzte kritisieren die Termingarantie

Kreis: Ärzte kritisieren die Termingarantie
Kinder- und Jugendarzt Wolfgang Brüninghaus. FOTO: Evers
Kreis. Ab sofort müssen Patienten innerhalb von vier Wochen einen Termin beim Facharzt bekommen. Bei einigen Ärzten im Kreis Kleve kommt das neue Gesetzt nicht gut an. Es verursache hohe Kosten und bestrafe die Mediziner. Von Marc Cattelaens

Kleve Kassenpatienten haben in dringenden Fällen nun Anspruch auf einen Facharzttermin binnen vier Wochen. Das neue Termingarantie-Gesetzt sorgt bei einigen Ärzten im Kleverland für Unmut. Dr. med. Wolfgang Brüninghaus, Kinder- und Jugendarzt in Kleve, sieht durch das neue Gesetz die Ärzte zum Sündenbock gestempelt. "Die Ärzte tragen nicht die Schuld daran, dass es gerade auf dem Land so lange Wartezeiten gibt. Sie sollen aber bestraft werden, indem sie haftbar gemacht werden, wenn sie nicht schnell einen Termin anbieten können", sagt Brüninghaus.

Er bezieht sich darauf, dass die Kassenärztliche Vereinigung (KV) einen Termin für eine Krankenhaus-Ambulanz vereinbart, wenn ein niedergelassener Medizinier keinen freien Termin anbietet. Die Kosten für die Untersuchungen und Behandlungen werden dann vom Budget der Praxis-Ärzte abgezogen. Brüninghaus findet das ungerecht.

Wolfgang Althoff, Vorsitzender der Ärztekammer Kreis Kleve. FOTO: Evers, Gottfried (eve)

"In Düsseldorf soll ein Orthopäde 8540 Einwohner versorgen. Würde er in Kleve arbeiten, wäre er für 19230 Patienten verantwortlich, er müsste also mit mehr als der doppelten Arbeitsbelastung rechnen", sagt Brüninghaus. Bei den Augenärzten sei das Verhältnis Stadt-Land ähnlich (8625 zu 17893), bei den Kinderärzten mit 1581 zu 2430 etwas günstiger, aber immer noch grob ungleich, betont der Kinderarzt. "Dabei gelten die diversen Budgetierungen und Fallzahlbegrenzungen für die Landärzte in genau der gleichen Weise wie für Großstadtpraxen. Dass unter dieser eklatanten Benachteiligung der Bürger und Ärzte in ländlichen Regionen, die Wartezeiten auf Arzttermine vor allem auf dem Land in unzumutbarer Weise angestiegen sind, kann also niemanden verwundern", sagt Brüninghaus.

Die Bundespolitik trage die Verantwortung dafür, dass es im Kreis Kleve zu wenige Mediziner gebe, weil sie die Zahl der erlaubten Niederlasssungen für die Ärzte niedrig halte. "Am schlimmsten ist der Effekt dieses neuen Gesetzes auf junge Kollegen, die wir hier auf dem Land doch händeringend für unseren Beruf begeistern möchten.

Welcher junge Mediziner soll denn künftig noch bereit sein, unsere verantwortungsvolle und kraftraubende Arbeit zu übernehmen, wenn er zum Dank für seinen doppelten Arbeitseinsatz immer wieder als Sündenbock für eine verfehlte Gesundheitspolitik herhalten muss", fragt sich der Klever Kinder- und Jugendarzt. Das neue Termingarantie-Gesetz helfe auch den Patienten nicht, ist der Kinderarzt überzeugt. "Die Patienten haben keinen Anspruch darauf, einen Termin bei ihrem Wunsch-Arzt zu finden. Im Zweifel wird es so sein, dass die Patienten Termine bei Ärzten erhalten, die nicht so gut sind", sagt Kinder- und Jugendarzt Brüninghaus.

Dr. Med. Wolfgang Althoff, Orthopäde in Kleve und Vorsitzender der Ärztekammer Kreis Kleve, hält das neue Gesetz für "unnötig und kostenintensiv". In seiner Praxis gebe es schon seit langem ein funktionierendes System: Wenn der Hausarzt auf seine Überweisung die Bemerkung "Notfall" schreibe, erhalte der entsprechende Patient in seiner Praxis in "dringenden" Fällen innerhalb von zwei Wochen einen Termin.

Dass es darüber hinaus lange Wartezeiten gibt, sei nicht zu vermeiden und vertretbar. "Wenn jemand schon lange mit Beschwerden lebt, ist er auch kein Notfall", betont Althoff.

Quelle: RP
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