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Xanten
Ärzte-Team vom Niederrhein in Benin

Xanten: Ärzte-Team vom Niederrhein in Benin
Dr. Johannes Kohler stimmt sich mit Emile, dem Orthopädiemechaniker aus Lokossa, ab. FOTO: Pro Humanität
Xanten. Dr. Johannes Kohler aus Xanten und seine Kollegen sind wieder mit der Aktion pro Humanität in Afrika im Einsatz.

Mit 200 Kilo medizinischen Hilfsgütern und jeder Menge Optimismus im Gepäck hat sich ein Mediziner- und Expertenteam vom Niederrhein wieder auf den Weg in den afrikanischen Busch gemacht. Im März hatte das ehrenamtlich arbeitende Team um den Chirurgen Dr. Johannes Kohler (St. Josef-Hospital Xanten) und der Kevelaerer Medizinerin Dr. Elke Kleuren-Schryvers (Aktion pro Humanität, APH) einen durch Spenden finanzierten OP-Container in Benin in Betrieb nehmen können - jetzt ist das Team wieder in Westafrika, um zu helfen.

Dr. Johannes Kohler, seit wenigen Monaten Ruheständler, hatte in den letzten Wochen schon eifrig am OP-Plan gearbeitet. Online wurden Krankheitsverläufe und Röntgenbilder an den Niederrhein geschickt, so dass sich die Mediziner gezielt vorbereiten konnten - und auch das passende OP-Material (etwa Schienen und Schrauben) gleich mit dabei haben. Ein paar stramme Arbeitstage erwarten die Truppe. "Dieses Mal konzentrieren wir uns auf orthopädische und traumatologische Eingriffe, für die entsprechendes Material mitgeführt werden muss. Dies bedeutet eine wichtige Ergänzung unseres Spektrums, da in diesem Bereich eine erhebliche Unterversorgung in dieser ländlichen Region besteht", so Dr. Kohler. Mit dabei sind wieder Dr. Wolfgang Paul, Anästhesist (Geldern), Dirk Henricy (OP-Pfleger, St. Josef-Hospital Xanten), Walburga Koepp (Radiologie-Fachfrau, Emmerich).

Das Baby hat die Operation gut überstanden. Viele Kinder leiden unter einer Nervenverletzung nach der intramuskulären Injektion eines Malaria-Medikamentes. FOTO: Nein

Ergänzt wird das Team nun durch den Internisten Dr. Rüdiger Kerner aus Kevelaer sowie den Moerser Kinderarzt Hans-Hermann Pieper und seiner Frau, die Intensivschwester ist. "Dadurch wird es uns ermöglicht, die sehr häufigen Kinderkrankheiten besser zu behandeln, die lokalen Ärzte entsprechend zu schulen sowie die geplante Einführung der Endoskopie bei Magenspiegelungen vorzubereiten", so Dr. Kohler.

Schon gleich nach der Ankunft des Teams in Gohomey standen die ersten Sprechstunden an. Betroffen waren die Niederrheiner, als sie drei kleine Kinder vorgestellt bekamen - jedes der drei Kleinen hat ein nahezu vollständig gelähmtes Bein - Folge einer Nervenverletzung nach einer intramuskulären Injektion eines Malaria-Medikamentes. Nun soll ein junger Mann operiert werden, der nach einem schlimmen Moped-Unfall eine komplett verschobene Oberschenkelfraktur davonträgt - eine Metallplatte soll den Knochen stabilisieren. Die Mediziner sind zuversichtlich, dass der junge Patient nach dem Heilungsprozess auch wieder laufen kann. Viele kleine Patienten weisen Sichelfußfehlstellungen auf. Mit Emile, dem Orthopädiemechaniker aus Lokossa, in dessen Behindertenzentrum ständig 60 bis 70 Kinder leben und behandelt werden, bespricht Kohler die bestmöglichen Wege zur Hilfe - dank der Xantener Rotarier können bereits vier Kinder behandelt werden.

"Wir haben zurzeit viele Babys in unserer Kinderkrippe", so Dr. Elke Kleuren-Schryvers. "Damit hatten wir nicht gerechnet. Alle haben ihre Mütter bei oder kurz nach der Geburt verloren. Die Großmütter ziehen die Kinder groß. Es scheint, dass illegale Entbindungsstationen wieder vermehrt Entbindungen mit wenig ausgebildeten Gebärfrauen durchführen. Viele Mütter sterben an nachgeburtlichen Infektionen oder Blutungen."

Gestern machte das gesamte Team einen eher ungewöhnlichen Krankenbesuch: Im Nachbardorf galt es, Drillinge nachzuversorgen, die in der Kinderkrippe der APH-Krankenstation aufgepäppelt worden waren. Kurzerhand schwangen sich die Ärzte und Pfleger aufs Moped, klammerten sich beherzt an ihren Chauffeuren fest und rumpelten über unbefestigte, erdige Holperpfade in den Busch. Heute geht das OP-Programm weiter. Morgen werden die Niederrheiner sich dann auf den Heimweg machen.

Quelle: RP
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