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Xanten
Afrikas Schicksal hat sehr viel mit Europa zu tun

Xanten. Eine-Welt-Gruppe freut sich über mehr als 100 Gäste beim Stück "Die Weißen kommen" im Stiftsgymnasium. Von Hildegard van Hüüt

Im Rahmen ihres 30-jährigen Vereinsjubiläums hat die Eine-Welt-Gruppe erneut das Theaterensemble "Berliner Compagnie" nach Xanten geholt. Bereits zum achten Mal gastierte das vierköpfige Ensemble, das Stücke mit politischem Inhalt aufführt, in Xanten: diesmal mit "Die Weißen kommen".

"Bundesweit gilt die Berliner Compagnie als das renommierteste politische Tourneetheater", stellte Dr. Wolfgang Schneider die Gruppe weit mehr als hundert Besuchern in der Mensa des Stiftsgymnasiums vor. "Es ist uns wichtig, dass wir mit der Vereinsarbeit kritische Zugänge zu politischen Konflikten ermöglichen", fügten Anette Artz und Klaus Wolfertz hinzu.

Schon der Untertitel "Ein Theaterstück über Afrika. Über uns" führte die Zuschauer in die Problematik ein: Die Europäer sind mitverantwortlich für die vielfach erbärmlichen Lebensverhältnisse der Menschen in Afrika. So haben Armut und Not dort viel mit Besitz- und Profitansprüchen in Europa zu tun. Dieses ungute Abhängigkeitsverhältnis zeigte das Stück auf mehreren Ebenen.

300 Jahre nach dem Sklavenhandel und 100 Jahre nach der Kolonialherrschaft werde Afrika weiter ausgebeutet. Das erste Szenenbild glich dem eines Computerspiels: Die Stimme eines "Gamemasters", die aus einer mit zwei Scheinwerfern ausgestatteten schwarzen Säule im Hintergrund der Bühne ertönte, trieb vier weiß gekleidete Figuren an, die Menschen auf dem schwarzen Kontinent zu unterwerfen. Bei diesen Figuren handelte es sich um Sklaven- und Kolonialhändler, Börsenmakler und Banker, die Investoren für Afrika gewinnen wollten.

Erlaubt waren Diebstahl, Raub und Mord, sogar Völkermord, nur kein Mitleid. Als die Unterdrücker begannen, Mitleid zu empfinden, mutierten sie zu Unterdrückten und wechselten ihre Kleidung von Weiß in Schwarz. Schließlich standen alle vier Spieler in Schwarz, sprich als Afrikaner da, und wollten dem bösen Spiel ein Ende setzen. Doch der "Gamemaster", die Verkörperung der Gier der Europäer nach Profit und grenzenlosem Wachstum, wollte das nicht zulassen.

Dennoch. Das Stück endet mit einer Art Happy-End: Das Mitleid gewann. Alle zu Schwarzen gewordenen Weißen sangen gemeinsam das afrikanische Lied "Wir gehen weiter auf dem Weg mit Gott". Wichtig war es den Darstellern, eine positive Botschaft mit auf den Weg zu geben: Es gibt viele Initiativen, die für Menschenrechte und fairen Handel in der ganzen Welt eintreten. Und es werden immer mehr.

Quelle: RP
 
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