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Guido Lohmann
Angriff auf Bargeld ist ungeheuerlich

Xanten. Der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Niederrhein sieht in der möglichen Abschaffung von Bargeld einen Eingriff des Staates in die persönliche Freiheit. Der Kampf gegen Terror oder Kriminalität sei nur ein vorgeschobenes Argument.

Niederrhein Über die gute Geschäftsentwicklung und den starken Zuwachs im Kreditgeschäft berichtete der Vorstand der Volksbank Niederrhein bei seiner Bilanzpressekonferenz (wir berichteten). Guido Lohmann griff aber auch aktuelle Themen der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung auf. Grund für unsere Redaktion, noch einmal nachzufragen.

Wir lesen von Problemen bei den Großbanken, hören aber auch im regionalen Umfeld viel von Fusionen oder Filialschließungen. Sie haben vergangene Woche wieder ein Ergebnis auf Rekordniveau präsentiert. Was ist das Erfolgsgeheimnis der Volksbank Niederrhein?

Guido Lohmann In allererster Linie ist unser Erfolg das Ergebnis der sehr engagierten Arbeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir reden nicht nur von Kunden- und Mitgliederorientierung, von unbürokratischen Abläufen und kurzen Wegen, von Vertrauen und Nähe, wir setzen das eben auch konsequent jeden Tag um. Und wir sind hochmotiviert, immer noch ein Stückchen besser zu werden. Unser Motto lautet: Solange besser möglich ist, ist gut nicht genug!

Den Zuwachs auf der Einlagenseite bei extrem niedrigem Zinsniveau haben sie als Zeichen der Verunsicherung der Menschen gewertet. Wohin führt der Weg? Kann man mit einer Zinswende rechnen?

Lohmann Aus vielen persönlichen Gesprächen fühle ich, dass die Menschen angesichts der globalen Problemstellungen verunsichert sind. Schauen Sie doch einfach nur mal auf den ungelösten Konflikt mit Russland oder die bedrohliche Lage im Nahen Osten. Auch die Flüchtlingsthematik besorgt sehr viele Menschen. Dazu ist vielen von uns klar, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise derzeit nur von anderen Problemen verdeckt, aber keineswegs gelöst ist. Im Gegenteil, die Situation in Griechenland oder auch Italien hat sich weiter dramatisiert. Vor diesem Hintergrund rechne ich in näherer Zukunft nicht mit einer Zinswende. Die Nullzinspolitik der EZB und die damit verbundene schleichende Enteignung vor allem der Sparer, Rentner und Pensionäre wird leider anhalten.

Dazu passt ja auch die aktuelle Diskussion über die Abschaffung oder Beschränkung von Bargeld. Was steckt hinter diesen Vorschlägen und wie bewerten Sie als Bank die Debatte?

Lohmann Ich halte den offensichtlichen Versuch, das Bargeld abzuschaffen, für einen ungeheuerlichen Eingriff des Staates in die persönliche Freiheit jedes Einzelnen. Dies als Teil des Kampfes gegen Terror oder Kriminalität zu bezeichnen, ist für mich schlichtweg vorgeschoben. Die Notenbanken wollen die Zinsen auf breiter Front in den Negativbereich drücken, um damit die Schuldenlast der europäischen Staaten zu drücken. Bei diesem gewünschten Marsch in die kompletten Negativzinsen stört nur noch das Bargeld. Denn kein Bürger könnte Negativzinsen mehr entgehen, wenn das Bargeld einfach komplett abgeschafft würde.

Sie haben sich deutlich gegen die Pläne der EU-Kommission für eine gemeinsame Absicherung der Sparguthaben Europas Bankkunden ausgesprochen. Was befürchten Sie?

Lohmann Wir lehnen eine Überführung unserer nationalen Einlagensicherungssysteme in einen großen europäischen Sicherheitsfonds mit allem Nachdruck ab. Die deutschen Genossenschaftsbanken zahlen seit Jahrzehnten in ihre eigene Sicherungseinrichtung ein, so dass wir unseren Sparer sogar einen unbegrenzten Haftungsschutz für ihre Einlagen gewähren können. Die meisten Euroländer dagegen haben noch nicht einmal ein eigenes Sicherungssystem aufgebaut, geschweige denn befüllt. Kommt es zur geplanten Vergemeinschaftung der nationalen Einlagensicherungen, zahlen am Ende unsere Sparer für Bankpleiten in Griechenland, Italien oder Portugal. Dass dies in den Südländern Europas weitere eklatante Fehlreize auslösen würde, wird sich jeder vorstellen können.

Zurück in die Heimat. Wie bewerten Sie die Aussichten für den Wirtschaftsraum Niederrhein und natürlich auch für Ihr Haus für 2016?

Lohmann Wir erwarten für unseren Wirtschaftsraum linker Niederrhein eine recht stabile Wirtschaftslage in 2016 mit einem Wachstum von gut 1 Prozent. Nennenswerte Kapazitätserweiterungen sind allerdings auch 2016 kaum zu erwarten. Die Lage der hiesigen Landwirtschaft bleibt insbesondere im Milchvieh- und Schweinebereich leider auch 2016 weiter angespannt. Für unsere Bank gehen wir auch in 2016 von weiteren Marktsanteilsgewinnen aus. Allerdings werden wir trotzdem in der Ertragslage die Spuren der EZB-Zinsmanipulationen ohne Zweifel auch spüren, so dass ich zwar mit einem guten Jahresergebnis 2016 rechne, aber es wird sicher unter dem des abgelaufenen Jahres liegen.

DIRK MÖWIUS FÜHRTE DAS INTERVIEW

Quelle: RP
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