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Xanten
Auch Metallern droht Fachkräftemangel

Xanten: Auch Metallern droht Fachkräftemangel
Im Rahmen der Lossprechungsfeier erhielten nicht nur die bisherigen Auszubildenden ihre Gesellenbriefe, sondern wurden auch Rainer Theunissen (Xanten, 3.v.r.) und Hendrikus Wolterinck (Hünxe, l.) mit dem Silbernen sowie Horst Paul (Dinslaken, 2. v. l.) mit dem Goldenen Meisterbrief ausgezeichnet. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Lossprechungsfeier im Xantener Schützenhaus für 36 neuen Junggesellen in den Bereichen Konstruktionstechnik, Fahrzeugbau und Metallgestaltung. Die Zahl der Auszubildenden nimmt immer weiter ab. Von Erwin Kohl

Im Xantener Schützenhaus fand am Sonntag die 16. Lossprechungsfeier der Metall-Innung statt. Für die 36 neuen Junggesellen in den Bereichen Konstruktionstechnik, Fahrzeugbau und Metallgestaltung ist mit der Lehrzeit aber keinesfalls die Zeit des Lernens vorbei. "Man hat ihnen einen Schlüssel gegeben, mit dem sie jetzt viele Türen in ihrem Leben öffnen können. Weiter- und Fortbildung sollte ab jetzt ihr Ziel sein", ermutigte Obermeister Rainer Theunissen den Nachwuchs. Mit dem Gesellenbrief als Grundlage die Technikerschule besuchen oder sein Meisterstück abzuliefern lohne sich laut Theunissen nicht nur für den Geldbeutel, sondern mache auch die tägliche Arbeit interessanter.

Sorge bereitet dem Xantener, der seinen Betrieb bereits in der vierten Generation führt, die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt. Erstmals liegt die Zahl der Lossprechungen unter 40 - Tendenz weiter fallend. "Zum einen ist die außerbetriebliche Ausbildung drastisch zurückgegangen, zum anderen bilden Industriebetriebe nur noch wenige junge Leute selbst aus, sondern bedienen sich beim Handwerk. Das wird dazu führen, dass uns demnächst Fachkräfte fehlen werden", befürchtet Theunissen, der die Begründung für diesen Trend auch gleich hinterherschiebt: "Der Auszubildende in einem Handwerksbetrieb kennt sich überall aus, erfährt eine individuelle Ausbildung, während sein Kollege im Industriebetrieb vieles gar nicht erlebt." Für Lehrlingswart Lutz Isselhorst liegt ein Grund der Misere in der Veränderung der Schullandschaft. "Der klassische Auszubildende im Handwerk kam von der Haupt- oder Realschule. Diese Schulformen sind aber rückläufig; das ist vonseiten der Politik so gewollt." An der mangelnden Attraktivität liegt es aber nicht, sagt Chantal Krins aus Rheinberg. Die einzige Gesellin bereut keine Sekunde, diesen Beruf ergriffen zu haben: "Die Arbeit bei der Lineg ist sehr abwechslungsreich. Ich repariere Pumpen, schweiße Rohrleitungen oder drehe an Hochwasserschiebern." Xantens stellvertretender Bürgermeister Rainer Groß gratulierte den Absolventen, mahnte aber auch, sich nicht mit dem Erreichten zufriedenzugeben: "Mit der Gesellenprüfung hat man in der heutigen Zeit sein Ziel nicht erreicht, denn Anforderungen und Technik schreiten voran. Das Handwerk hat in Deutschland, Europa und der Welt einen guten Ruf. Tragen sie dazu bei, dass es so bleibt."

In einer lockeren Talkrunde wollte Lutz Isselhorst von Chantal Krins, Frederik Groll und Alexander Bensch wissen, mit welchen Vorurteilen sie in der Ausbildung konfrontiert worden sind. "Meine Bekannten haben gefragt, ob das der richtige Beruf für eine Frau ist und ich kann sagen: Ja, definitiv", erzählte die Rheinbergerin. Während Metallgestalter Frederik Groll Spaß am kreativen Umgang mit Metall hat, bestätigte Alexander Bensch dann doch noch ein Vorurteil: "Viele Überstunden und weniger Freizeit gehören leider dazu." Musikalisch begleitet wurde die Feier von Simon Below am Keyboard.

Quelle: RP
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