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Sonsbeck
Auf Feenwanderung sich selbst finden

Sonsbeck: Auf Feenwanderung sich selbst finden
Marlies Bulters, vorne am Baumstamm, bietet als Wanderführerin Meditationen an besonderen Naturorten an - für viele Teilnehmer ein ganz neue, entspannende Erfahrung. FOTO: Ostermann, Olaf (oo)
Sonsbeck. Wandereführerin Marlies Bulters führt Menschen durch den Tüschenwald in Labbeck, um den Geist frei zu machen. Von Beate Wyglenda

Sie sind Wesen aus Jahrhunderte alten Sagen. Von liebreizender Gestalt, ewig jung und geisterhaft sollen sie sein. Einst dienten sie als Mittelwesen zwischen den Welten, sie beschenkten Kinder und traten für das Gute ein. Doch in einer Zeit, in der Vernunft und Logik das Handeln bestimmen, werden Feen oft nur noch unter der Kategorie Unfug klassifiziert. Einige Menschen jedoch glauben noch heute an die Kraft der Feen. Sie wollen sie aufsuchen, um Rat fragen oder ihnen einfach nur nahe sein. Möglich ist dies im Tüschenwald. Von Labbeck aus führt Marlies Bulters Gäste auf ihren Feenwanderungen zum "Kleinen Volk" und mit Meditationen auf eine Reise zum inneren Selbst.

"So wie wir uns immer mehr von den Naturwesen entfernten, entfernten wir uns auch von unserem inneren Wesen", erklärt die Wanderführerin und begrüßt so ihre Gäste. Wieder haben sich acht Neugierige eingefunden, die mitgehen möchten. Es ist eine gemischte Truppe. Gespannte Spaziergänger und Naturfreunde sind darunter ebenso wie echte "Glaubensanhänger". "Etwas seltener sind auch Zweifler dabei", erzählt Bulters. "Erfahrungsgemäß können aber auch die gut entspannen", sagt sie.

Erzwungen wird nichts im Tüschenwald. Wer mit Naturwesen in Kontakt treten will, ist der Wanderführerin herzlich willkommen. Wer sich lieber seiner selbst nähern möchte, den begrüßt Bulters umso mehr. "In unserer Realität ist es nicht nötig, Feen bewusst in unser Leben zu lassen. Dagegen ist es für jeden wichtig, ein vom Herzen und von Intuitionen geleitetes Leben zu führen", betont sie. "Bei den Wanderungen geht es darum, mal den Geist frei zu machen, um zu spüren, was man wirklich will."

Um Menschen auf diesem Weg zu helfen, bietet die Entspannungsbegleiterin die Wanderungen seit nunmehr zehn Jahren an. Schon immer bot der Tüschenwald eine schöne Kulisse für eine Begegnung mit dem Sagenreich. "Ich selbst habe bei meinen Meditationen hier zum ersten Mal Feen gesehen", erzählt Bulters. "Außerdem gibt es hier Ecken, die sind an sich schon märchenhaft schön", ergänzt sie. Auch mit der neuen Gruppe geht es an einen solchen Ort. Das Ziel ist ein energiereicher Baumkreis. Dort, wo die Energien gut fließt, könnten Gedanken leichter ruhen, heißt es.

Vom Parkplatz aus geht es über die Straße auf einen Wanderweg in den tiefen Wald. Hörbar tief atmen einige durch, entspannen aktive beim Gang an den Bäumen vorbei. Manch anderer schwatzt derweil noch ein wenig. Der Alltag ist noch nicht passé. Einige hundert Meter geht es durchs Gehölz, bis Bulters die Gruppe stoppt und kurz innehält.

Vor den Wanderern erheben sich zwei gewaltige Bäume, parallel aufgestellt, erscheinen sie wie ein Tor. Bulters sagt: "Für mich symbolisieren sie einen Durchgang. Wenn ich hindurchgehe, fühle ich mich wie in einer anderen Welt."

Die Entspannungsbegleiterin empfiehlt, langsam und bewusst hindurchzuschreiten. Wer sich traut, darf dabei die Augen schließen. Dann sei die Erfahrung noch intensiver. Also gehen die Wanderer in kurzen Abständen langsam nacheinander durch. Die meisten wagen dies tatsächlich mit geschlossen Augen. Viele bestätigen anschließend sogar ein anderes Gefühl: "So als hätte man Ballast zurückgelassen", sagt eine Frau aus Oberhausen. "Selbst die Landschaft sieht danach verändert aus", bemerkt ein Mann und blickt sich um. Hundert Meter weiter geht der Blick nach oben. Es geht rauf auf einen Hügel. Dort befindet sich der Baumkreis für eine gemeinsame Meditationsrunde. Bevor alle achtlos hochmarschieren, schlägt die Wanderführerin noch eine Übung vor. Seite an Seite sollen sich nun alle aufstellen, die Augen schließen und die Ohren spitzen. "Entspannt euch und lauscht dem Wald", sagt Bulters. "Atmet tief durch die Nase ein und blast die Luft mit Schmackes durch den Mund hinaus." Und während alle dem Rascheln der Blätter, dem Sturzflug der Eicheln und dem Gesang der Vögel aufmerksam zuhören, fordert Bulters dazu auf, die Gedanken und Sorgen durch die Kraft der Vorstellung aus dem Kopf heraus zu den Füßen zu drängen.

"Und nun streift beim Hochlaufen eure Gedanken ab", sagt Bulters. Gleich ob rennend, stampfend oder schreitend - befreiend soll der Gang nach oben sein. Somit frei für Neues und offen im Geiste beginnt im Baumkreis die Meditation.

Quelle: RP
 
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