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Xanten
Bauer aus Afrika auf dem Biohof

Xanten: Bauer aus Afrika auf dem Biohof
Im Fachgespräch (v. l.) auf dem Schanzenhof in Alpen: Dolmetscherin Melinda Meisel, Abdoulaye Sanfo und Gastgeberin Ruth Laakmann. Seit 1995 ist der Hof komplett auf biologisch-dynamische Wirtschaftsweise umgestellt. FOTO: reichwein
Xanten. Die Menschen in Burkina Faso stehen in diesem Jahr im Blickpunkt der Misereor-Fastenaktion. Abdoulaye Sanfo stellte sie auf Einladung der Eine-Welt-Gruppe in verschiedenen Veranstaltungen vor. Von Eva Karnofsky

Im Mittelpunkt der diesjährigen Misereor-Fastenaktion stehen die Menschen in Burkina Faso. "Die Welt ist voller guter Ideen. Lass sie wachsen", lautet das Leitwort der Aktion. Und wie es tagtäglich von Bauern in dem westafrikanischen Land umgesetzt wird, hat Landwirtschaftsberater Abdoulaye Sanfo (44) auf Einladung von Misereor und der Xantener Eine-Welt-Gruppe in den vergangenen Tagen auf verschiedenen Veranstaltungen in Xanten und Alpen erläutert.

In Marienbaum etwa waren am Samstagabend nach der Messe viele Interessierte im Wallfahrtsheim geblieben, um sich über die Situation Burkina Fasos und seiner 19 Millionen Einwohner zu informieren. Einst hieß das Land in der Sahel-Zone Obervolta. Doch 1984 wurde es in Burkina Faso umbenannt, was "das Land der aufrechten Menschen" bedeutet, wie Abdoulaye Sanfo erklärt. Seit Ende 2015 wird Burkina Faso von einem demokratisch gewählten Präsidenten regiert.

Hauptexportprodukte sind Gold und Baumwolle. Doch für die vielen Kleinbauern, die hauptsächlich für den Eigenbedarf produzieren, ist das nicht von Segen.

Die fürs Goldwaschen verwendeten Chemikalien verschmutzen ebenso die Flüsse wie Rückstände der Pflanzenschutzmittel, die für die Baumwolle verwendet werden, berichtet Sanfo, der auf ökologischen Landbau setzt. Auf dem Schanzenhof in Veen hat er sich mit Ruth Lackmann ausgetauscht. Und man stellte auch eine Gemeinsamkeit fest: Hier wie dort müsse die Landwirtschaftspolitik gerechter werden und Bio-Bauern genauso unterstützen wie die konventionelle Agrarwirtschaft, so Sanfo.

Mit Interesse hat er sich auch über das Landtechnik-Angebot der Firma Lemken informiert, wenn auch die Landwirtschaft in seinem Land weitgehend ohne technische Hilfe auskommen muss. Sie sind zu teuer. Nicht ohne Stolz berichtet Sanfo, dass sich die Bauern seines Landes erfolgreich gegen den Einsatz von genveränderter Baumwolle des Monsanto-Konzerns gewehrt haben, nachdem sie festgestellt hatten, dass deren Saatgut nicht nur viel zu teuer war, sondern dass die Baumwolle auch nicht hielt, was sie versprach: Es waren nicht weniger, sondern mehr Insektizide vonnöten. Man zog gegen das Saatgut auf die Straße, und die Regierung nahm es vom Markt. Saatgut wird in Burkina Faso von einem staatlichen Monopolunternehmen vertrieben.

Anhand eines Films zeigte Sanfo, mit welchen Problemen Kleinbauern in seiner Heimat zu kämpfen haben. Viele Kühe beispielsweise leiden unter einer oftmals tödlichen Pockenseuche. Der nächste Tierarzt ist gewöhnlich weit und viel zu teuer. Mit Unterstützung von Misereor und Landwirtschaftsberatern wie Sanfo entwickelten die Bauern in einer Selbsthilfegruppe aus der Rinde eines Baums eine Salbe, die sie auf die kranke Tierhaut aufstreichen. "Sie greifen dabei auf alte Heilmethoden zurück, die in Vergessenheit geraten waren", erklärt Abdoulaye Sanfo.

Einem Unkraut namens Striga rücken sie nun mit einem Pulver aus pflanzlichen Extrakten zu Leibe. Striga zerstörte ganze Getreideernten. Das Pulver wird jetzt bereits beim Säen gestreut, so dass Striga gar nicht erst wachsen kann. Es wurde ebenfalls von den Bauern entwickelt, ist einfach herzustellen und preiswert. Die Marienbaumer hörten mit Interesse, was Sanfo, der selbst Moslem ist, über das reibungslose Zusammenleben von Christen, Moslems und Anhängern animistischer Religionen in seinem Land berichtete: "Der Große Imam gratuliert dem Kardinal zu Weihnachten, und der beglückwünscht den Imam zum Ramadan".

Quelle: RP
 
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