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Kreis
Bethanien muss Personal abbauen

Kreis. Das Krankenhaus hat im Jahr 2015 zwei Millionen Euro Verlust gemacht. Trotzdem hält die Klinikleitung an den ehrgeizigen Ausbauplänen fest. Im Stiftungsrat kam darüber zu einem Eklat. Drei Mitglieder sind zurückgetreten. Von Jürgen Stock

qwesel Das hat es in der 160-jährigen Geschichte des Krankenhauses Bethanien noch nicht gegeben. Drei Mitglieder des Stiftungsrates sind zurückgetreten. Kurz zuvor hatten medizinische Leitung und Verwaltungsspitze des Krankenhauses auf einer Mitarbeiterversammlung einräumen müssen, dass ein im Haushaltsjahr 2015 aufgetretenes Defizit in Höhe von zwei Millionen Euro zu Personaleinsparungen zwinge. Niemand im Krankenhaus muss um seinen Job fürchten. "Wir regeln das über die natürliche Fluktuation", versicherte Verwaltungsdirektor Wolfgang Kupferschmidt.

Zwar will niemand öffentlich bestätigen, dass es einen Zusammenhang zwischen der finanziellen Schieflage und den Rücktritten der drei Mitglieder des Stiftungsrates gibt. Ja, das Krankenhaus sah nicht einmal Anlass, auf die bereits im vergangenen Monat erfolgte Ämterniederlegung durch die Änderung seiner Homepage zu reagieren. Dort firmieren immer noch Karl-Heinz Tenter (Vorsitzender), Otfried Kinzel, Peter Boschheidgen, Friedrich Freiherr von der Leyen und Hans Nühlen als Mitglieder des Stiftungsrates. Tatsächlich ist das Gremium derzeit aber mit nur drei verbliebenen Mitgliedern beschlussunfähig.

"Auf das operative Geschäft hat das überhaupt keinen Einfluss", versichert der ärztliche Direktor Dr. Thomas Voshaar. Für die Patienten werde sich zunächst nichts ändern. Mittelfristig will das Krankenhaus sein Angebot sogar noch ausweiten. Vor drei Monaten erteilte die Stadt die Baugenehmigung für ein neues Bettenhaus, womit die Klinik nicht nur endlich ihre vom Gesetzgeber vorgeschriebene Maximalkapazität von 510 Betten ausschöpfen könnte, sondern endlich die Möglichkeit bekäme, Abläufe im Krankenhausbetrieb effizienter zu gestalten. "Uns geht es vor allem um einen Sprung in der Qualität der medizinischen Versorgung", sagt Voshaar. Größenordnung der Investition: rund 25 Millionen Euro. Hinzu kommen ein neues Parkhaus und ein von einem privaten Investor errichtetes Ärztehaus.

Dem Vernehmen nach soll vor allem die Projektplanung für das Bettenhaus Gegenstand kritischer Diskussionen zwischen Stiftungsratsmitgliedern und Verwaltungsvorstand gegeben haben. Offizielle Aussagen hierüber existieren nicht. Das Gremium, das die Aufsicht über die Krankenhausdirektion führt, tagt hinter verschlossenen Türen. Auf den Diskussionsverlauf dort kann man allerdings schließen, wenn man mit Kennern der Materie spricht. Demnach sollen Stiftungsratsmitglieder schon seit Jahren auf die im Vergleich zum Bundesdurchschnitt zu hohe Personalquote hingewiesen haben. Den Personalabbau jedoch verteidigt Thomas Voshaar auch weiterhin: "Die Philosophie unserer Stiftung besteht doch gerade darin, dass wir kein Profit-Center sein müssen. Unser Credo lautet, Spitzenmedizin vorzuhalten." Unzufriedenheit soll im Stiftungsrat auch über unzureichende Informationen von der Verwaltungsspitze geherrscht haben.

Keine Vorwürfe wurden über die medizinischen Leistungen von Ärzten und Pflegpersonal laut. Im Gegenteil: Offenbar ist der gute Ruf des Krankenhauses ein Grund für die momentane finanzielle Schieflage. In den vergangenen Jahren hat das Krankenhaus mehr medizinische Leistungen erbracht, als mit den Kassen vereinbart worden waren. Von diesen Mehrleistungen fordern die Kassen 25 Prozent pro Jahr vom Krankenhaus zurück. 2015 wurden die Rückzahlungen für die vergangenen Jahre fällig: also 75 Prozent. In den kommenden Jahren wird es nicht anders aussehen. Um eine Kostenexplosion im Gesundheitswesen zu vermeiden, wird Leistung bestraft. Voshaar: "Ökonomisch gesehen, ist das Irrsinn."

Quelle: RP
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