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Xanten
Bimmelbahn als Vorbild für E-Mobilität

Xanten: Bimmelbahn als Vorbild für E-Mobilität
Erika Oymann sah sich zusammen mit den Kindern Dalia-Juli und Gina-Marie die Bahnen auf dem Xantener Marktplatz an. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Der Vorsitzende des Vereins für Touristische Sonderverkehre und Wegebahnen (TSW) hat als Betreiber des Nibelungen Express die Jahreshauptversammlung nach Xanten geholt. Auf dem Markt gab es Modelle aus aller Welt zu bestaunen. Von Erwin Kohl

Überall auf der Welt laden Bimmelbahnen Touristen zu einer gemütlichen Rundfahrt vorbei an den Sehenswürdigkeiten der Städte ein. Die Betreiber dieser Fortbewegungsmittel haben sich in dem Verein für Touristische Sonderverkehre und Wegebahnen (TSW) zusammengeschlossen. Vorsitzender dieses Verein ist Ralf Graumann, der in Xanten seit zehn Jahren den "Nibelungen Express" betreibt.

Grund genug, die diesjährige Jahreshauptversammlung in die Domstadt zu verlegen. Diese Gelegenheit nutzten einige Hersteller, um ihre Bahnen und Busse auf dem Marktplatz vorzustellen. Unter ihnen Roger Piniak, der auf Rügen 14 Bimmelbahnen im Einsatz hat. In Xanten stellte er mit dem Greif 1 sein modernstes Gefährt vor. Auf einem Fahrgestell von Toyota hat der Rügener einen 400 Volt starken Elektromotor mit modernster Akkutechnik installiert. 120 000 Euro Entwicklungskosten hat ihn das Vorzeigeprojekt gekostet. "Mit Anhängern hat die Lok eine Reichweite von 200 Kilometern und schafft Steigungen von 24 Prozent. Nach zwei Stunden sind die Akkus wieder aufgeladen, die Stromkosten betragen etwa 8,50 Euro", erzählt Piniak nicht ohne Stolz.

Ob Kurparks oder Altstadtgassen, der Elektromotor wird immer wichtiger für Bimmelbahnbetreiber. Daneben spielt die Optik eine große Rolle. "Die Zugfahrzeuge ähneln einer alten Dampflok, weil das bei den Kindern so gut ankommt, dass sie Eltern und Großeltern zu einer Rundfahrt überreden", erzählt David Gillessen von der der Firma Deltrain SA aus Portugal. Wie die meisten Hersteller setzt auch Deltrain auf E-Mobilität. "In Lissabon befördern wir 60 Personen quer durch die Stadt für vier bis fünf Euro Stromkosten täglich. Da kommt derzeit kein anderes öffentliches Verkehrsmittel mit", so Gillessen. Auch was die Anschaffungskosten betrifft, brauchen die Bimmelbahnen den Vergleich nicht zu scheuen. Der Deltrain etwa kostet mit drei Anhängern und einer Rampe für den behindertengerechten Einstieg rund 270 000 Euro.

Fachleute unter sich: Lionel Le Ru vom französischen Verband, Ralf Graumann aus Xanten, Serafin Kern und Roger Pieniak, der Hersteller der Rügener Elektro-Bahn. FOTO: Armin Fischer

Was das Design betrifft, geht die niederländische Firma Soios einen ganz anderen Weg. Ihre Bahnen mit den gläsernen Anhängern werden von den Fahrgästen "Aquarium" genannt. "Wir haben eine andere Philosophie: Unsere Gäste sollen den ungehinderten Rundumblick haben und dank der Heizung im Winter nicht frieren müssen", erklärt Hamadi Ettarfass. Der Clou dieser Elektrobahn befindet sich auf den Dächern der Anhänger. "Dort sind 35 Quadratmeter Solar Panels installiert, die Strom für acht bis zehn Kilometer pro Stunde liefern. Wir müssen lediglich den Rest nachladen, das ist umweltbewusst und preiswert", so Ettarfass. Ab 235 000 Euro verlangt seine Firma für ihre Transportmittel. Den Begriff Bimmelbahn hört Lokführer Henk Rozebaum nicht so gerne: "Ich nenne das lieber einen Solarbus, das hört sich schöner an."

Der Kölner Oliver Wolters ist mit einem Cabrio-Bus angereist. Der wird zwar nicht elektrisch angetrieben, bietet dafür aber laut Wolters einen anderen Vorteil: "Anders als mit einer Bimmelbahn kann ich damit schnell zu weiter entfernten Sehenswürdigkeiten fahren."

Konkurrenzdenken unter den Betreibern gibt es übrigens nicht. Wolters: " Im Gegenteil: Wir nutzen das Treffen, um uns auszutauschen und gegenseitig zu helfen."

Quelle: RP
 
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