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Xanten
Bislicher Insel: Frisches Wasser für Altrhein

Xanten: Bislicher Insel: Frisches Wasser für Altrhein
Die artenreiche Landschaft der Bislicher Insel soll langfristig gesichert werden. Wie der Altrhein aufgefrischt werden soll, ist aber noch nicht geklärt. FOTO: LVR
Xanten. Bei der Informationsveranstaltung des Deichverbands für die Grundeigentümer wurde noch keine endgültige Lösung vorgestellt. Von Heinz Kühnen

Bereits im Zuge der Anhörungen über die Rückverlegung des Rheindeichs im Bereich des Deichverbandes Poll schlugen die Wellen hoch. Die Universität Karlsruhe beschäftigte sich 1986 mit dem Problem, und die Bürgerinitiative zum Schutz des Menschen und der Natur durch den rheinnahen Deich warnte mit Rückendeckung von Wissenschaftlern zu Beginn der 90er Jahre vor den möglichen Folgen einer Absenkung des Gebiets durch den Bergbau. Von zwei Metern war damals die Rede. Wenn Solvay jetzt im Bereich der Bislicher Insel gräbt, sollen es bis zu 1,50 Meter sein. Oder mehr?

Auf einer öffentlichen Informationsveranstaltung des Deichverbands für die Grundeigentümer an und auf der Bislicher Insel jedenfalls gab es dazu immer wieder Mutmaßungen der gut vier Dutzend Teilnehmer - aber keine Zahlen: "Wir kennen sie, dürfen sie aber nur intern verwenden", sagte Lothar Heuser, Prokurist der Wasser-, Umwelt- und Geotechnik-Consult-Gesellschaft CDM Smith aus Alsbach in Hessen, der für den Deichverband Poll im Auftrag des Inseleigentümers Land NRW untersucht, wie eine Verbesserung der Situation der artenreichen Insel vonstattengehen könnte. In der Folge drehten sich Fragen und Antworten mehrfach im Kreis.

Dabei ist das Ziel der Untersuchungen klar: Der Altrhein verschwindet nach und nach in Sedimenten, Algen breiten sich aus, der Sauerstoffgehalt des Gewässers nimmt immer weiter ab. Das führt irgendwann zum Kippen des Gewässers: "Eine Gefahr für die Tier- und Pflanzenwelt", wie Klaus-Bernhard Kühnapfel vom Umweltplanungsbüro Lange verdeutlichte.

Frischwasserzufuhr kann der Rhein bringen. Der ist zwar beim "üblichen Insel-Hochwasser" für 95 Prozent der Sedimente verantwortlich. Bringe man aber "oberstromig" in einem engen Durchlass eine größere Fließgeschwindigkeit hinein, könnte diese "definierte Flutmulde" für ein verstärktes Auswaschen und größere Sauerstoffzufuhr sorgen, so Heuser.

Dafür werden nun drei Möglichkeiten im erkundet. "Noch ist nicht entschieden, welche Möglichkeit wir empfehlen, sagte Heuser. Doch weder ein riesiges Brückenbauwerk (Heuser: "Das wäre wegen der Bergsenkungen nicht standfest genug."), noch ein Durchlassbauwerk ("ein wahrhaft riesiges Betonvolumen") machen nach Worten des Diplom-Ingenieurs Sinn.

Bleibt die Öffnung des Flügeldeichs mit einer kleineren Brücke. Hinein soll eine Schwelle gebaut werden, die, so die Vorgabe des Wasser- und Schifffahrtsamtes für einen gesicherten Schiffsverkehr, bei einem Wasserstand von zwei Metern über dem mittleren Pegel (bei Wesel) überflutet würde und in einen engen Kanal mündet. "Ablaufen" soll das Wasser "unterstromig" nördlich der Landesstraße 480 und des Fähranlegers. Über die Göt-Trasse direkt geht das nicht. Bäume müssten gefällt und Biber "umquartiert" werden. Da gibt es noch drei weitere ähnlich verlaufende Möglichkeiten, die ebenfalls nun genauer betrachtet werden müssen.

Die Anlieger sind da eher skeptisch. Zum einen, so hieß es, wüssten sie aus Erfahrung, dass Hochwasser auch über den "unteren Ablauf" in den Altrheinarm hineinschwappt und auch dann Sand hinterlässt.

Zum anderen bezweifeln viele, dass die Sedimentation entscheidend abnimmt- zumal die Bergbau-Absenkungen ja auch noch größer sein könnten. Des Weiteren stellt sich die Frage nach Entschädigungen, wenn statt derzeit zwei "Flutungen" sechs und mehr pro Jahr auflaufen werden - und das eben auch im Sommer vor der Erntezeit: Wer zahlt da die Entschädigungen?

Ganz, so gestand Heuser ein, werde die Versandung tatsächlich nicht in den Griff zu bekommen sein. Aber alles sei schlechter als kein Versuch, um das ökologisch wertvolle Stück Land so weit wie möglich zu retten. Und noch stünden schließlich viele Untersuchungen an. Die der tatsächlichen Strömungsgeschwindigkeiten zum Beispiel. Heuser: "Wir können und dürfen ohnehin nur eingreifen, wenn es der Natur wirklich nutzt."

Noch, so das Resümee des stellvertretenden Deichgräfen Günter Stoll, sei tatsächlich nichts entschieden. Die Ausarbeitung des Plans, die Auslegung mit Einspruchsmöglichkeiten, die europaweite Ausschreibung: Baubeginn ist frühestens im Jahr 2017. Ein Jahr später könne dann das Rheinwasser fließen - an durchschnittlich 90 Tagen im Jahr.

Quelle: RP
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