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Xanten
Brandanschlag auf Asylbewerberheim

Brandanschlag auf geplantes Flüchtlingsheim in Xanten
Brandanschlag auf geplantes Flüchtlingsheim in Xanten FOTO: Fischer, Armin
Xanten. In der Nacht auf Sonntag brachen Unbekannte in das leere Förderzentrum an der Johannes-Janssen-Straße ein und legten Feuer. Zum Glück entstand kein großer Schaden. Die Flüchtlinge werden dort planmäßig einziehen können. Von Dirk Möwius

Großeinsatz für die Feuerwehr in der Nacht zu Sonntag. Kurz vor Mitternacht alarmierte Tobias Fuss vom Fachbereich Sicherheit und Ordnung, der wegen Beschwerden über Lärm aus dem Gebäude zum leeren Förderzentrum an der Johannes-Janssen-Straße gefahren war, die Blauröcke. Die Rauchmelder schlugen Alarm. Nachdem die Feuerwehr sich über den Haupteingang gewaltsam Zutritt zu dem Gebäude, das derzeit für die Nutzung als Asylbewerberheim umgebaut wird, verschafft hat, war das Entsetzen groß: Der zunächst vermutete technische Defekt an der Heizungsanlage bestätigte sich nicht. Im Erdgeschoss des Südflügels wurde im Übergang vom Flur zu einem Klassenraum festgestellt, dass dort offensichtlich eine Art Molotow-Cocktail, eine Glasflasche mit Brandbeschleuniger, benutzt worden war. Zum Glück hatte sich das Feuer nicht ausgebreitet. Auf mehreren Quadartmetern ist der Linoleumboden durch das Feuer beschädigt, zudem hat der Rauch Wand- und Decke beschädigt.

Die Täter waren durch eine Tür zum östlichen Gelände, dort wo auch der Sandkasten ist, eingedrungen. Nachdem bekannt war, dass es sich um einen Brandanschlag handelt, wurden die Polizeikräfte massiv verstärkt und die Bezirksregierung Düsseldorf informiert.

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Bürgermeister Thomas Görtz, der noch im Laufe der Nacht informiert wurde, fand gestern deutliche Worte: "Wir lassen uns von diesem Ereignis keinesfalls von unserem Vorhaben abbringen, die Förderschule zu einer Flüchtlingsunterkunft umzuwandeln und bauen auf die weiterhin große Solidarität und Hilfsbereitschaft der Xantener Bevölkerung. Nun gilt es, besonnen aber entschlossen in dieser Situation zu reagieren und nicht in panischen Aktionismus zu verfallen. Gottlob wurde bis auf geringere Gebäudeschäden niemand verletzt, dennoch bestürzt uns und auch mich persönlich diese Tat. Wir sollten das sehr ernst nehmen. Meine für Montag und Dienstag geplante Dienstreise nach Karlsruhe werde ich vor diesem Hintergrund absagen."

Im Laufe des Tages kam dann gestern die Nachricht, dass die Bauarbeiten heute fortgesetzt werden können. Der Zeitplan für den Einzug der ersten Flüchtlinge in der kommenden Woche bleibt bestehen. Weitere Informationen wird es am heutigen Montag geben.

Die Polizei nahm gestern zu den Vorfällen nicht Stellung und verzichtete auch darauf, mögliche Zeugen aufzufordern, sich bei ihr zu melden. Erste politische Reaktionen kamen gestern von den Linken und den Jusos im Kreis Wesel sowie der CDU. Jan Dieren, Vorsitzender der Jusos verurteilte den Anschlag ausgerechnet am 25. Jahrestag der deutschen Einheit wie Pankraz Gasseling (CDU Xanten) scharf. Sascha H. Wagner, Kreissprecher der Linken: "Mit großer Bestürzung mussten die Bürger feststellen, dass sich offensichtlich Fremdenhass und Intoleranz im Kreis Wesel wieder breitgemacht haben."

Quelle: RP
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