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Xanten
Büdericher ist seit 54 Jahren auf Dächern der Region zu Hause

Xanten. Hans-Theodor Remy (68) hat jetzt die bronzene Ehrennadel der Handwerkskammer Düsseldorf erhalten.

Zufrieden in die Welt schauend sitzt Hans-Theodor Remy, genannt Hannes, auf seinem massiven Holzstuhl. Die Sonne strahlt, vor ihm steht eine gut gefüllte Tasse duftend schwarzer Kaffee. Neben dem 68-Jährigen sitzt seine Frau Klaudia. Stolz lächelt sie ihren Ehemann an. Der perfekte Moment. Hannes Remy hat soeben die Ehrennadel der Handwerkskammer Düsseldorf bekommen. In seinem Metier eine hohe Auszeichnung, steht sie doch für Beständigkeit, Treue und wertvolle Dienste, die er der Kammer über die Zeiten hinweg leistete. Remy erhielt sie für seine Arbeit als Kassenwart, seit dem Jahr 2000 besetzt er die Position - immerhin schon 16 Jahre.

Vor gut 44 Jahren war damit nicht zu rechnen. Remy war jung, hatte gerade die Meisterprüfung abgelegt, doch er trank zu viel. Seine Arbeit litt darunter. Die Probleme waren schließlich so massiv, dass er seinen Betrieb abmelden musste. Er war ganz unten. Da war er gerade 24.

Ein schwerer Start in das Berufsleben hatte die unheilvolle Karriere bedingt. 1948 in Xanten geboren, war schnell klar, dass er das Handwerk seines Vaters erlernen solle. Der war Dachdecker. Von 1962 bis 65 ging Hannes Remy in Moers in die Lehre. In der Zeit starb Vater Johannes überraschend. Mutter Anne musste den Betrieb übernehmen. Mit 21 Jahren legte der junge Mann die Meisterprüfung ab. Ihm war klar, dass er den Betrieb des Vaters übernehmen wolle. "Doch meine Mutter hat mir das nicht zugetraut. Sie wollte die Firma weiter führen. Da musste ich eine eigene Firma gründen." 1970 machte er sich selbstständig. Doch der Druck war zu groß. Der Alkohol zwang ihn zur Aufgabe. Remy hielt sich mit einigen Anstellungen über Wasser.

1985 hatte er das Schlimmste hinter sich, er gründete das Unternehmen neu. Diesmal funktioniert es. Auch wegen seiner Frau. Sie steht ihm bei. Hannes Remy bekommt Aufträge. Zusammen mit seiner Klaudia gründet er 1992 die Kutscher-Remy GmbH. Die beiden sind glücklich. Remy ist ein fröhlicher Genosse, er berichtet gern von früher. Lachend erzählt er Anekdoten aus dem Berufsalltag. "Früher war alles noch etwas lockerer. Da wurde im heißen Bitumenfass auch mal eine Würstchendose heißgemacht. Nur vergaß der Kollege einmal, Löcher in die Dose zu machen, so dass der Druck entweichen kann." Das war fatal. Kaum zog der Mann die Dose aus dem Fass, explodierte sie. Der heiße Teer spritze ihm auf den Rücken. In seiner Panik lief er zum Schmutzwasserfass und kippte es sich über den Rücken. "Der war mehrere Wochen außer Gefecht, weil sich alles entzündet hatte", erinnert sich Remy. Heute läuft alles deutlich geregelter. So auch sein Betrieb. Eine Institution in Wesel. Es gibt viel für ihn zu tun. Auch mit 68.

(göt)
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