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Xanten
Bunte Frühlingsboten

Gartenschule: Für diese Blumen ist es noch zu kalt
Gartenschule: Für diese Blumen ist es noch zu kalt FOTO: Andreas Pobst, rp
Xanten. Helle, klare Farben liegen bei den Frühjahrsblühern im Trend. Millionenfach verlassen Veilchen und Stiefmütterchen derzeit die Gewächshäuser. In Gärtnereien wie dem Kempkens-Betrieb in Hamb herrscht Hochbetrieb. Von Heinz Kühnen

Hamb Der Rücken muss schon in Ordnung sein. Bücken ist angesagt, den ganzen lieben langen Tag. Bücken und gleich wieder aufstehen. Blume für Blume wird so "geerntet", in Zwölferkästchen zusammengefasst und ausgeliefert. Matthias Kempkens muss nicht lange nachrechnen.

Allein in diesen Tagen schickt der Gärtner aus Hamb 250 000 Stiefmütterchen und 100 000 Hornveilchen auf die Reise. Pünktlich zum heutigen Frühlingsanfang stehen sie in den Regalen der Märkte. Gerade noch rechtzeitig. Denn gegenüber anderen Jahren haben die Frühlingsboten diesmal gut zwei Wochen Verspätung.

Der lange Winter ist Schuld, sagt Kempkens. Anfang Oktober wurden die Setzlinge von Zuchtbetrieben quer durch Europa und japan wie gehabt von Hand eingetopft. Je Quadratmeter 90 Pflanzen. Und die brauchen den Winter über immer eine gewisse Grundfeuchte.

Schließlich stehen die Blumen nicht frostsicher herum. Beim Auftauen und Einfrieren kann sich da schnell Fäulnis binden, weiß der 51-Jährige. Und weil die Veilchen schnell mit Mehtau zu kämpfen haben, muss der Gärtner auch dagegen immer mal wieder etwas tun. "Arbeitslos", so der gebürtige Gelderner, der Anfang der 80er Jahre in einem früheren Schnittrosenbetrieb den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, "arbeitslos ist ein Gärtner auch im Winter nicht."

Allerdings stehen die Gärtnereien zu Beginn eines Jahres unter Zugzwang. "Im Winter wird ja nichts verkauft", erklärt Pankraz Gasseling, Zierpflanzenspezialist bei der Landwirtschaftskammer. Und da könnten Verzögerungen wie in diesem Jahr bisweilen richtig ärgerlich sein.

Deswegen wird jetzt auch in den Gärtnereien gearbeitet, was das Zeug hält. Zumal die Nachfrage der Kunden derzeit richtig groß sei, weiß Kempkens. Helle, klare Töne seien gefragt, gelb, weiß, flieder. Ein Trend, der auch für andere Pflanzen gilt, die derzeit auf den Markt kommen, gestielte Primeln zum Beispiel oder vorgetriebene Zwiebelgewächse wie Narzissen, Hyazinthen und Tulpen für den Balkonkasten. Gefüllte und klare Farben sind auch bei bei den modischen Ranunkeln angesagt.

Kempkens arbeitet beim Erzählen weiter. Keine Verzögerung. Alles muss raus. Außer Tiernahrung. Hofhund Timmy ist ständig auf der Jagd nach Mäusen und Kaninchen. Nur im Hornveilchen-Bereich muss er nicht aufpassen. Viola cornuta gehört nicht auf den Kaninchen-Speisenplan und ist auch deshalb bei den Friedhofsgärtnern so beliebt, weil sie etwa bis Pfingsten blüht. Für die Mitarbeiter im Familienbetrieb Grauthoff und Kempkens, der inzwischen seit 30 Jahren in Hamb direkt an der Kreisgrenze zu Hause ist, hat jedenfalls nun endlich die Saison begonnen.

Die Blütenpracht

Zeit zum Luftholen bleibt auf absehbare Zeit nicht. Eine Million Pflanzen verlassen im Jahr den Betrieb am Hermesweg. Auf Veilchen, Stiefmütterchen und Hornveilchen folgen Anfang Mai Petunien, (Hänge-)Geranien und Lobelien. Bellis und Gänseblümchen hat Kempkens ebenfalls im Angebot. Im Herbst sind 300 000 Topfchrysanthemen an der Reihe. Unter Glas und Folie (hinzu kommen 2,2 Hektar Freiland) lässt sich so manche Blütenpracht bereits erahnen.

Quelle: RP
 
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