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Xanten
Burglind reißt Ruine nieder

Xanten: Burglind reißt Ruine nieder
Von der ehemaligen Scheune mitten im Inseldorf Wardt steht nur noch ein Gerippe. Das seit Jahren marode Bauwerk ist fast vollständig zusammen gefallen. FOTO: Julia Lörcks
Xanten. Die seit Jahren marode und baufällige Scheune in Wardt ist durch den Sturm am Mittwoch in sich zusammengefallen. Unklar ist, was jetzt geschieht. Denn das Gebäude befindet sich immer noch in der Denkmalschutzliste des Landschaftsverbandes. Von Heidrun Jasper

Nicht nur das Nibelungenbad im Inseldorf Wardt ist Geschichte: Auch die marode und seit vielen Jahren baufällige Scheune auf dem Gelände des ehemaligen Goertzhofes mitten im Dorf gibt es nicht mehr. Von dem Bauwerk aus uralten Zeiten ragen nur noch einzelne Holzbalken in die Luft, der größte Teil ist in sich zusammengefallen. Der Eigentümer hatte vergeblich versucht, die alte Scheune aus der Denkmalliste streichen zu lassen, damit er sie abreißen, die Trümmer beseitigen und die Fläche als Grasfläche einsäen lassen kann.

Doch das Amt für Denkmalschutz gab dem Antrag nicht statt, hielt das Bauwerk auch dann noch für erhaltenswert, als es bereits zu 70 bis 80 Prozent zerstört, das Ständerwerk verfault war.

Georg Rösen, im Rathaus unter anderem zuständig für den Denkmalschutz, hatte noch im Juli auf Nachfrage unserer Redaktion mitgeteilt, der Eigentümer könne theoretisch verdonnert werden, die Scheune wieder aufzubauen. So steht es im Denkmalschutzgesetz: "Wer widerrechtlich ein Denkmal vorsätzlich oder fahrlässig beschädigt oder zerstört, kann von der Denkmalschutzbehörde verpflichtet werden, das Zerstörte wieder herzustellen". Das werde er aber bestimmt nicht tun, war Rösen sicher. Alternativ könne der Eigentümer beim Amt für Denkmalschutz einen Antrag auf Abriss stellen (was er getan hat) oder die Scheune einfach weiter verkommen lassen, so Rösen damals; aber da werde die Stadt ein Auge drauf haben.

Braucht sie jetzt nicht mehr: Burglind, der Sturm, der vor zwei Tagen auch über Wardt hinweg fegte, hat der alten Scheune den Rest gegeben. "Als ich morgens aufgestanden bin, lag der ganze Kram da", sagt Norbert Müller, der den ehemaligen Goertzhof gepachtet und dort Nordrhein-Westfalens erstes und einziges Geldmuseum aufgebaut hat. Die marode Scheune gehört nicht zum Pachtobjekt.

Auch wenn die Scheune jetzt nahezu vollständig zusammengefallen ist, bleibt sie in der Denkmalschutz-Liste. Denn noch läuft das Verfahren, hat der LVR als zuständige Behörde noch keine Entscheidung über den Antrag des Eigentümers auf Abriss getroffen. Der Denkmalwert der Scheune (oder besser ihrer Reste) besteht daher immer noch. Denn hier, so Technischer Dezernent Niklas Franke, handelt es sich um ein ehemals hochwertiges, geschichtsträchtiges Gebäude, das der Eigentümer schlicht hat verkommen lassen. Und auch für ihn hat Paragraf 14 im Grundgesetz Gültigkeit: "Eigentum verpflichtet". Was im Umkehrschluss heißt: Hätte er frühzeitig in die Scheune investiert, hätte der Eigentümer den Verfall verhindern können.

Quelle: RP
 
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