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Sonsbeck
Christoph Sieber glänzt mit bissigen Gags

Sonsbeck. Mit dem Programm "Hoffnungslos optimistisch" gastierte er in Sonsbeck. Seine Botschaft: Fast alles geht unter, doch man soll sich nicht unterkriegen lassen. Von Peter Kummer

Christoph Sieber steht in einer Reihe mit den meisterhaften Kabarettisten Harald und Mathias Richling. Nicht nur weil sie alle drei in grauer Jugendzeit Ministranten im badischen Niedereschach waren, sondern weil er inzwischen auch in der Szene angekommen ist, zahlreiche Auszeichnungen erhielt, mehrere Jahre lang seine eigene TV-Show hatte und für volle Häuser sorgt. So auch jetzt in Sonsbeck mit dem Programm "Hoffnungslos optimistisch". Die Botschaft: Fast alles geht unter, doch man soll sich nicht unterkriegen lassen.

Zwei Stunden lang nimmt Sieber unsere Gesellschaft aufs Korn, boshaft, aber auch mit einem Augenzwinkern, bringt zwischendurch ernsthaft seine politischen Botschaften rüber, um dann als Schlusspointe doch wieder auf die kabarettistisch-humorvolle, mitunter auch sarkastische Schiene einzuschwenken. Die Sinnlosigkeit eines Krieges als Mittel gegen den IS-Terror, die sich ständig vergrößerende Schere zwischen Arm und Reich in der Welt, unsere Technikhörigkeit und -abhängigkeit: "Wir sind auf dem Weg zurück in die Steinzeit, aber mit WLAN", skizziert er den heutigen modernen Menschen, der nur noch in gebückter Haltung durch die Stadt geht, weil er laufend mit seinem Smartphone hantiert. Und der auf der Suche nach dem nächsten Café mit dem Spracherkennungsprogramm Siri kommuniziert, statt sich selbst die Mühe zu machen und zu suchen.

Die Pointen sind so scharf, dass man sich zwangsläufig fragt: Ist bei ihm die Fantasie durchgegangen? Gibt es zum Beispiel intelligente Strümpfe? Ja, es gibt sie, Mikrochips sind in die Wolle eingewebt, messen den Träger aus und senden per Bluetooth das körperliche Wohlbefinden aufs Smartphone. Aber gibt es auch eine App, die den fleißig tippenden Fußgänger vor Straßenlaternen warnt? Warum eigentlich nicht? Offenbar ist für alles Mögliche das passende Miniprogramm auf dem Markt. So kommt Christoph Sieber in einem seiner Songs zur Erkenntnis: "App, App, App, fertig ist der Depp."

Es ist überwiegend politisches Kabarett mit Beobachtungen und Analysen; Sieber hält den Zuschauern den Spiegel vor die Augen. Klimaschutz ja, aber doch bitte nicht vor der eigenen Haustür mit Einschränkungen lieb gewonnener Gewohnheiten bei den Klimakillern Fleischkonsum, Flugzeug und dem Auto.

Mit seiner scharfzüngigen System- und Sozialkritik gewinnt er scheinbar allem auch die guten Seiten ab, wie etwa der Armut, erlaubt sie doch Erlebnisse, abends unter der Brücke oder unter dem Sternenhimmel zu liegen. Auch wenn man dafür seine Armut vor sich her trägt in Form von Plastiktaschen voller gesammelter Leergutflaschen.

Sieber legt den Finger in die Wunde, dass alle von Gleichberechtigung von Mann und Frau im Beruf reden, sie aber irgendwo zwischen Promotion und Brote schmieren hängengeblieben ist. Er deckt den Widerspruch in der Drogendebatte auf zwischen dem Betrunkenen, der sich in der Öffentlichkeit daneben benimmt, und dem Junkie, der zu Hause gechillt vor sich hin kifft. Für ihn ist klar: Die Unschuld des Nichtwissens ist heute nur noch ein Märchen.

Quelle: RP
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