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Sonsbeck
Claudio Ghin spaltet seine Zuhörerschaft

Sonsbeck. In der Lion's Lounge las der frühere Sonsbecker aus seinem Erstlingswerk "Auf einem Auge Herbst".

"Nicht unbedingt ein Buch zum Selberlesen. Aber wenn er es liest, ist es prima", resümierte eine Besucherin nach der Veranstaltung. Claudio Ghin las in der Lion's Lounge aus seinem Erstlingswerk "Auf einem Auge Herbst" und sorgte mit seinen Geschichten für viel Heiterkeit bei den Zuhörern. "Auf so schräge Ideen muss man erst einmal kommen", lautete ein weiterer Kommentar. Man merke, dass der Autor Werbetexter sei. Mit Sprache könne er umgehen. Was er aus dieser Fertigkeit macht, spaltet schon mal seine Zuhörerschaft, wie der 33-Jährige zugibt. Die Geschichte "Pokémon Cherie" beispielsweise sei eine solche Story, die ihm viele Freunde und ebenso viele Feinde eingebracht habe.

Claudio Ghin begann seine vom Bücherbogen Sonsbeck initiierte Lesung mit einer alltäglichen Busfahrt zur Arbeit und der Frage, was passiert wäre, "wenn der Frosch die Prinzessin dort angesprochen hätte". Wie das Märchen weiterging, ergab die zweite Geschichte. Bei sprachlich versiert angelegten Hauptfiguren sorgten rhetorisch ausgefuchste Sätze wie "Kuckuck, da bist du ja" und die "längste Anmache, die ich je gehört habe" leicht für Erschütterungen des Zuhörerzwerchfells. Seine Anleihen an die Zeit als Poetry Slammer kann Claudio Ghin nicht verleugnen. Er las seine Geschichten, spielte sie - mal fast atemlos, ohne Punkt und Komma die Worte aneinanderreihend, mal nasal nuschelnd, dann wieder überdeutlich die Worte gesetzt. Der Mönchengladbacher, der an diesem Abend fast alle um sich hatte, die ihn erzogen hätten - lediglich der Fernseher fehle, kann mit einem "das habe ich geschrieben? Toll!" genauso über seine Sätze staunen, wie er offen über andere seiner Satz-Konstrukte "stolpert".

Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, mal einen Roman zu schreiben, antwortete der Mann mit der Mütze, der die ersten Jahre seiner Kindheit in Sonsbeck verbrachte: "Der Roman dauert noch." Ideen gebe es, aber noch machen sich die Figuren in seinem Kopf nicht selbstständig. Eine mögliche Romanvorlage lieferte er bereits mit der Weiterführung der Bus-Pärchen-Story. Beruflich ist er das Jonglieren mit Worten gewohnt, spielt mit Sprache. Als "eine gute Mischung", empfand es eine Zuhörerin. Er agiere, "als sei er total verpeilt, dabei aber hochintelligent".

(rim)
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