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Xanten
Das Edelkrebsprojekt

Xanten: Das Edelkrebsprojekt
Niklas Witt und Hendrik Landers – beide sind 15 Jahre alt und seit zwei Jahren im Verein – holen die Krebse aus der Reuse. Der Fang wird ebenso exakt festgehalten wie das Ergebnis der Wasseranalyse. FOTO: Olaf Ostermann
Xanten. Tatort Clossenwoy in Lüttingen: Auch hier macht sich der amerikanische Kamberkrebs breit. Er überträgt die Krebsseuche auf seine Artgenossen. Die jugendlichen Angler sind dem Schalentier auf der Spur. Von Waltraud Willecke

Lüttingen Die Clossenwoy in Lüttingen liegt idyllisch eingerahmt in einer wald- und grünlandreichen Region in unmittelbarer Nähe zum Rheindeich. Das Naturrefugium bietet als Feuchtgebiet einen idealen Lebensraum für unterschiedliche Tier- und Pflanzenarten. Die Mitglieder des Angelsportverein Siegfried Xanten finden hier auf dem Vereinsgelände die nötige Ruhe, um fernab von Straßenlärm ihre Angeln auszuwerfen und den Fischbestand zu hegen und pflegen.

Gerade erst ging es am Gewässer allerdings ausnahmsweise sehr geschäftig zu, denn mit besonderem Interesse und großer Spannung wartete der Anglernachwuchs darauf, welche Krebse sich wohl in den zehn Krebsreusen befinden würden, die sie einige Tage zuvor an verschiedenen Stellen zu Wasser gelassen hatten. Rotaugen dienten als Köder in den Fangkörben. Die Teilnahme am Edelkrebsprojekt NRW, das die Jugendlichen zusammen mit Jugendwart Andreas Alshut unterstützen möchten, war der Anlass für die Reusenkontrolle.

Das Projekt dient keinem Selbstzweck. Die Angler betreten damit zwar teilweise Neuland, doch die umfangreiche und akribische Kartierung zählt zu den ehrgeizigen Zielen, um konkrete Hinweise auf das Vorkommen von Flusskrebsarten zu erhalten. Perspektivisch könnte der Gefährdungssituation konkret Einhalt geboten werden, um die Bestände an heimischen Flusskrebsarten wieder anzusiedeln und zu stabilisieren, erläutert Alshut. Besonders beim Edelkrebs verzeichnete man einen dramatischen Einbruch in der Population.

"Der hat ganz schlechte Laune, da müsst ihr ganz schön vorsichtig sein", erklärte Andreas Alshut zu einem wild zappelnden und quicklebendigen Krebs, der sein "Gefängnis" offensichtlich nicht bevorzugte und bald in einem Eimer mit Wasser bei den Artgenossen landete. Der erste entscheidende Part für die Unterscheidung und Bestimmung von Krebsarten war damit zunächst geschafft, denn beim Edelkrebsprojekt wird anhand eines Bestimmungsschlüssels analysiert, um welche Art es sich handelt. "Beschreibt bitte, was ihr an besonderen Merkmalen erkennt", motivierte Jugendwart Alshut.

"Seht euch genau die Augenleisten, die Scheren und die farblichen Markierungen an", so Andreas Alshut. Bald kam die dann auch zu dem Ergebnis, dass es sich um Kamberkrebse handelte. Die Jugendlichen erkannten es an den Scherenspitzen, die eine orange Färbung aufweisen und den rostbraunen Querstreifen auf den Hinterleibsegmenten.

Komplexe Kartierung

"Das ist eine nicht-heimische Art und ein Überträger der Krebspest", informierte Experte Alshut. Der Kamberkrebs wurde vermutlich aus Amerika eingeschleppt, zählt selbst zu den robusten Artgenossen, die keine großen Ansprüche zum Überleben stellen wie Alshut weiter ausführte.

Zeitgleich mit der Artenbestimmung führten die ASV-Jugendlichen auch Wasseranalysen durch. Diese waren erforderlich, um die komplexe Kartierung zu komplettieren. Gerd Böllerschen, Nabu Xanten, lobte den Einsatz der Jugendlichen und das Engagement von Andreas Alshut, der das Edelkrebsprojekt als wichtigen Beitrag zum Natur- und Artenschutz betrachtet.

Quelle: RP
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