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Xanten
Das Ei - Symbol für die Auferstehung

Xanten. Das Ei spielt in der Geschichte der meisten Völker eine wichtige Rolle. Aus ihm entsteht Leben, in manchen Religionen gar die ganze Welt. Im Mittelalter bezahlten Bauern mit ihnen zu Ostern auch in Xanten ihren Pachtzins. Von Heinz Kühnen

Hühnerei, Krokantei, Schokoladenei mit oder ohne Eierlikör, Plastikei: Seit Wochen werden sie angepriesen, zieren sie mitsamt größeren oder kleineren Hasen die Schaufensterauslagen. Und zum Osterfest werden sie in Nestern kredenzt, die nicht selten mit künstlichem Gras ausgelegt sind. Das Ei gehört zu Ostern - oder besser: Es ist das österliche Symbol schlechthin. Die Bedeutung des Eierfärbens und -verschenkens, so sagt die stellvertretende Leiterin des Stiftsmuseums, Elisabeth Maas, hat, durch die Jahrhunderte hinweg betrachtet, eine ganze Reihe religiöser und wirtschaftlicher Aspekte.

"Weil neues Leben aus einem wie tot wirkenden Gegenstand geboren wird, spielt das Ei in der Überlieferung der meisten Völker eine wichtige Rolle", erklärt Elisabeth Maas. Eine Art kosmisches Symbol: In vielen Religionen ist die Welt aus einem Ei entstanden. Bemalte Eier haben die Chinesen bereits vor 5000 Jahren zum Frühlingsanfang verschenkt. Für sie waren Eier ein Symbol der Fruchtbarkeit. Das Schenken von Eiern zu Ostern bei den Christen lässt sich schon in den ersten Jahrhunderten nach Christi bei den Armeniern nachweisen. Elisabeth Maas: "Das Ei ist das Symbol für die Auferstehung Christi und damit auch für Auferstehungshoffnung der Menschen."

Wobei Ostereier wie auch heute noch in orthodoxen Kirchen ausschließlich rot gefärbt wurden - wieder ein Symbol. Diesmal für das Blut, das Jesus am Kreuz vergossen hat. Allerdings hat die vielfältige Verzierung, wie wir sie heute kennen, auch eine lange Tradition. In der westlichen Kirche setzt das Färben und Bemalen von Eiern bereits im 12. und 13. Jahrhundert ein - mit Naturfarben. Die äußeren braunen Schalen der Zwiebeln wurden für gelbe Farben genutzt, Rote Bete, Blütenblätter, Wurzeln ergeben rote Töne - mit Laugenzugaben violette.

Und in der Abhandlung "Rheinische Bräuche durch das Jahr" von Alois Döring, die in der öffentlich zugänglichen Bibliothek des Stiftsmuseums zu finden ist, findet sich auch ein Rezept für Grün: "Um die Eier schön grün zu färben, nimmt man die blauen Blümlein des auf den Wiesen wachsenden Enzians, siedet sie im Wasser, legt die Eyer darein, und thut ein wenig Alaun hinein", hieß es in der Krünitz-Encyclopaedie aus dem Jahre 1777. Die Ausstellung "Fromme Sachen" im Stiftsmuseum zeigt an zwei Beispielen auch, dass nicht nur Hühnereier Verwendung finden, sondern dass auch Straußen- und Emu-Eier zum Osterfest in wahrhaft künstlerischer Weise mit christlichen Motiven verziert werden. Auch im Zentrum des Gernot-Rumpf-Bronzealtars im Xantener Dom findet sich ein Straußenei.

Doch macht nicht allein der religiöse Aspekt das österliche Eiergeschehen aus. Ostern und möglichst viele Eier, das war im Mittelalter eine untrennbare wirtschaftliche Einheit. 40 Tage dauerte und dauert die Fastenzeit vor dem Fest der Auferstehung Jesu. 40 Tage ohne Fleisch warmblütiger Tiere und ohne Eier. Denn "ovum enim nihil alius est, quam caro liquida", heißt es in der kirchlichen Amtssprache Latein: "Ein Ei ist nämlich nichts anderes als flüssiges Fleisch." Punktum. Den Hennen war das egal. Sie legten weiter.

"Und zu Ostern gab es dann regelmäßig einen satten Überschuss", so Elisabeth Maas. Da lag es nahe, dass zu Ostern die Bauern ihre Pacht in Naturalien bezahlen konnten und mussten. Die übriggebliebenen Eier wurden bemalt und verschenkt. Auch das Xantener Stift wurde zum Frühlingsbeginn mit solchen Pachtzahlungen überhäuft: Mit Sol-Eiern und solchen, die einige Tage in der noch kühlen Erde gelagert wurden. Auch Dorflehrer und Pfarrer wurden so bedacht.

Wie da der Osterhase ins Spiel kam, ist wissenschaftlich nicht belegt. Vielleicht, weil Eier-Verstecken im Freien lange Zeit üblich war und Hasen gut als Fruchtbarkeits-Symbol durchgehen. In manchen Gegenden legten aber auch Glocken die Eier ins Nest. Die dürfen Karsamstag nicht läuten und haben ja dann nichts Anderes zu tun . . .

Quelle: RP
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