| 00.00 Uhr

Sonsbeck
Das Leben mit dem Traktor-Virus

Sonsbeck: Das Leben mit dem Traktor-Virus
Josef Siebers beim Trecker-Check. Gefahren wird Samstag, 3. September, ab 14 Uhr (Eintritt 10 Euro) und am Sonntag, 4. September, ab 10 Uhr (12 Euro) auf dem Acker von Matthias van Treel am Lichtweg. FOTO: Olaf ostermann
Sonsbeck. Josef Siebers und seine Trecker-Treck-Freunde bereiten sich aufs Farmpulling-Spektakel am Wochenende auf dem van-Treel-Acker vor. Von Heidrun Jasper

"Nee, die sind nicht für auf'm Acker": Das sind schon ganz schöne Monstren, die da in einer großen Halle in Sonsbeck stehen und an denen das Trecker Treck Team rum schraubt, wann immer Schraubbedarf ist. An die 1000 PS stark sind die Zugmaschinen, mit denen sich die Team-Mitglieder am Farm-Pulling am Samstag und Sonntag, 3. und 4. September, beteiligen, den sie selber auf einem Acker am Lichtweg ausrichten. Und was beim Pokern das "full house" ist, ist beim Pulling der "full pull": Wenn ein Trecker es schafft, einen schweren Bremswagen (Gewicht: von 3,5 bis 24 Tonnen) 100 Meter weit zu ziehen.

Josef Siebers (65), sein Sohn Michael (36), Alois Siebers (62), Uschi Siebers (52), Hubert Siebers (42), Lukas Siebers (30), Thorsten Schmitz (36), Tobias Köhlen (30) und Christian Keisers (27) gehören zum Trecker Treck Team Sonsbeck; "wir sind alle mit dem Traktor-Virus infiziert", sagt Uschi Siebers, die "Team-Mutter", die auch schon mal den Trecker ihres Mannes gefahren hat; "sie macht immer alles, was mit essen zu tun hat", so Schwager Josef, der von Haus aus Konstrukteur ist und in jeder freien Minute an seinem roten Massey Ferguson "Old Jim" aus Indiana (Amerika) schraubt. Ein Acht-Zylinder mit 800 PS, acht Tonnen schwer, Baujahr 1981. Fünf Gänge, 10,5 Liter Hubraum, 1 Turbo. Die Kabine hat er abmontiert, "das sieht optisch sonst nicht aus", sagt Siebers. Er geht in der Sportklasse an den Start; da dürfen die Trecker maximal 6,5 Tonnen wiegen. Also musste der "Old Jim" um- und abgerüstet, musste leichter gemacht werden, was eben leichter gemacht werden kann. Ohne Gewichte wiegt der Traktor jetzt 5,3 kg. 40 Liter Diesel fasst der Tank, 5 Liter auf 100 Meter schluckt ein Traktor. Da kommt man mit einer Tankfüllung nicht weit...

Wollen die Trecker-Freunde auch nicht, denn die Traktoren sind auf der Straße gar nicht zugelassen. Und wenn das Treck-Team an einem der zwölf Wettbewerbe in ganz Deutschland teilnehmen will, kommen die tonnenschweren Fahrzeuge auf einen Lkw mit Zugmaschine. Drei Stück passen auf einen Auflieger, in dem am Wettkampf-Ort auch geschlafen wird. Luftmatratzen und Schlafsäcke haben die Trecker-Freunde immer dabei, genau wie kistenweise Getränke und alles, was der Mensch an fester Nahrung so braucht. Dafür zu sorgen, ist Aufgabe von Uschi Siebers; da können sich die Männer immer drauf verlassen.

Genau wie auf ihre Ehefrauen/Partnerinnen: Die müssen schon hinter dem Hobby ihrer besseren Hälften stehen, die an manchen Abenden von 18 Uhr bis Mitternacht an ihren Treckern schrauben und montieren und putzen und feilen. Jeden Freitag ab 18 Uhr trifft man sich; da wird manchmal auch bis Mitternacht geschraubt und gefachsimpelt über Motoren, Gewicht, Reifendruck. Der ein oder andere ist auch an mehreren Abenden in der Woche in der Werkstatt, zu der auch ein großes Ersatzteillager gehört. Und man arbeitet nicht nur am eigenen Fahrzeug: "Wenn einer kaputt ist, dann hilft man sich", so Josef Siebers. Über Winter sind die Trecker-Treck-Team-Männer jeden Tag mit vier bis fünf Leuten von 18 bis 22 Uhr in der Schrauberwerkstatt.

Seit Montag richten sie den acht Hektar großen Acker her, den sie für das Farm-Pulling von Matthias van Treel gemietet haben. Der Bremswagen ist bestellt, hinter Osnabrück. Absperrgitter müssen aufgestellt werden, die Parkplätze ausgeschildert, Rettungswege abgetrennt werden. Nachts sind Security-Mitarbeiter im Einsatz. Denn da stehen Traktoren auf dem Gelände, die zusammen gerechnet millionenschwer sind. Um die 45 Helfer werden am Wochenende im Einsatz sein. Die ganze deutsche Elite wird am Start sein, 110 Teilnehmer auch aus den Niederlanden, der Schweiz und Dänemark haben sich angemeldet, gehen in 15 Klassen an den Start. Auch Christian Keisers wird mit dem neu aufgebauten Frechdachser (Fendt 515) in der Hobbysportklasse dabei sein. Seinen Giftzwerg, mit dem er letztes Jahr in der 3,6-Tonnen-Supersportklasse in Hessen Deutscher Meister und in Dänemark Vize-Europameister geworden ist, hat er nach Finnland verkauft. Dort ist der Traktor übrigens auf Anhieb Finnischer Meister geworden - am Steuer saß eine Frau!

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Sonsbeck: Das Leben mit dem Traktor-Virus


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.