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Xanten
Dem Laster mit Herz und Seele verfallen

Xanten. Auf den ersten Blick konnten Besucher des "Womoparks" auf dem Xantener Fürstenberg am Pfingstwochenende den Eindruck gewinnen, sie seien bei einer Nutzfahrzeugausstellung gelandet. Denn den 87 überwiegend liebevoll restaurierten Lkw der Marken Magirus, Klöckner und Magirus-Deutz sieht man ihre ursprüngliche Verwendung noch an, auch wenn sie vielfach in knalligen Farben von lila bis giftgrün lackiert sind. Feuerwehrwagen, Transporter und ehemalige Armeefahrzeuge haben alle eines gemeinsam: Sie dienen ihren Besitzern längst als Wohnmobil. Organisiert hat das Treffen der niederländische Magirus-Deutz-Club (MDC). Von Erwin Kohl

Dass es in Xanten stattfindet, hat gleich mehrere Gründe. "Die Fahrzeuge wurden in Deutschland hergestellt, da wollten wir unser 30-jähriges Vereinsjubiläum hier feiern", erklärte Jan Neuyen, Vorsitzender des Clubs. "Normalerweise denken wir uns für die Jahrestreffen immer ein umfangreiches Programm aus, aber Xanten bietet so viel, da brauchten wir das nicht", ergänzte Tochter Mariska.

Die meisten Fahrzeuge der Clubmitglieder stammen aus den 50er Jahren. Jan Neuyen erklärte: "1952 wurde die Bescherming Bevolking, das kann man mit dem Technischen Hilfswerk in Deutschland vergleichen, aufgelöst, und die Fahrzeuge wurden verkauft. Mein Magirus stammt auch daher, ich habe ihn 1984 gekauft, da hatte er erst 6000 Kilometer gelaufen." Vier Jahre hat er für den Innenausbau benötigt, entstanden ist ein außergewöhnliches Wohnmobil für die ganze Familie. Im "Magirus-Shop" des Vereins fanden Sammler das berühmte Emblem mit dem Ulmer Münster auf T-Shirts, Handtaschen und sogar Damenslips. Verkäufer und Vorstandsmitglied Jos Wijlens ist schon lange "vom Magirus-Virus" befallen. Der ist ansteckend: Sein Sohn ist ebenfalls von dem "Laster" befallen, und seine Frau Cobie hat extra den Lkw-Führerschein gemacht, um den Truck zu lenken. Allerdings: "Nach der Prüfung musste mein Mann mir erstmal erklären, wie man mit Zwischengas schaltet und dass man das Lenkrad nur bewegen kann, wenn der Wagen rollt", lachte sie. Kaputt zu kriegen ist dieser eigentlich nicht: "Mit Hammer, Zange und Draht kann man fast alles reparieren."

Nur der Verbrauch zeigt, dass man einen Fünftonner fährt: 15 bis 20 Liter Diesel bei einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h.

Quelle: RP
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