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Xanten
Der Herr der funkelnden Silvesternacht

Xanten: Der Herr der funkelnden Silvesternacht
Henning Müller mit einem Auszug seines Lieferprogramms. Wichtig (auch für Laien): Ein Feuerlöscher sollte immer parat stehen. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Ein explosiver Beruf: Henning Müller aus Xanten ist Pyrotechniker. Morgen um Mitternacht zünden er und seine Mitarbeiter fünf Feuerwerke in niederrheinischen Gemeinden - aufs Genaueste ausgeklügelt und choreographiert. Von Peter Kummer

Für den Regisseur und Choreographen bleibt in der Silvesternacht das Sektglas zum Anstoßen leer. Dafür ist die Verantwortung zu groß. Wenn Henning Müller weit nach Mitternacht seine Sachen am Plaza del Mar zusammengeräumt und eingeladen hat, wenn er wieder zu Hause ist, dann hat er noch längst keinen Feierabend. Während andere das neue Jahr weiter ausgelassen feiernd begrüßen, wartet er auf die Nachrichten seiner Mitarbeiter. Haben die Feuerwerke in Kleve, Uedem, Bocholt und Rheinberg ebenfalls planmäßig gezündet? Der Xantener Pyrotechniker weiß um seine Verantwortung und dass er Vor- und Umsicht walten lassen muss, wenn er seine Show konzipiert.

Eigentlich ist Henning Müller gelernter Koch. Zuerst war er bei Hövelmanns in Xanten, nun ist er in Emmerich. "Zur Jahrtausendwende hatte ich ein Erlebnis, das mich geprägt hat", sagt der 37-Jährige. "Es war nur ein kurzer Augenblick, aber der hat bei mir durchgeschlagen." In einer Stadthalle in Delmenhorst erlebte er bei einer Show ein Indoor-Feuerwerk. "Danach habe ich mir gesagt: Das willst du auch machen." Die genau synchronisierte Kombination von Licht, Feuerwerk und Musik hat ihre Spuren hinterlassen.

Der Weg zum geprüften Pyrotechniker war lang. Voraussetzungen sind ein Mindestalter von 21 Jahren, eine abgeschlossene Berufsausbildung und die Mitarbeit an 26 Großfeuerwerken. Erst dann kann man die Prüfung ablegen. Fast fünf Jahre arbeitete Henning Müller semi-professionell nebenbei.

Der Fachmann unterscheidet zwischen den handelsüblichen Raketen zu Silvester und einem Höhenfeuerwerk mit den richtig dicken Knallern. Henning Müller zeigt eine Kugel und öffnet sie in der Mitte. Zum Glück nur ein Anschauungsstück, ungefährlich, eine Attrappe. Aber die offenbart das Innenleben: drei in Kreisen angeordnete unterschiedlich große Kügelchen, eingebettet in einem krümmeligen Material, das die Ringe am Himmel nach allen Seiten gleich verteilen soll. Ein ein Meter langes Rohr katapultiert eine solche Kugel in den Himmel, wo sie ihre ganze Pracht entfaltet.

Manchmal kann es auch schiefgehen, dann zerreißt es das mit Glasfaser verstärkte Rohr förmlich in zwei Teile. Dabei würde die Röhre sogar das Gewicht eines Lkw aushalten, ohne eingedrückt zu werden. Das macht die Sprengkraft deutlich, die in dieser Kugel steckt. Doch Henning Müller ist vorsichtig und wahrt bei seinen Shows, mit denen er Smileys, Herzen (passend zur Hochzeit) und Trauerweiden aus Goldregen in die Nacht malt, den nötigen Sicherheitsabstand. Sein Publikum staunt sowieso etwas aus der Ferne.

Feuerwerk ist das ganze Jahr über erlaubt, es muss allerdings beim Ordnungsamt und der Bezirksregierung angemeldet und angezeigt sein. Eventuell kann es Auflagen geben, zum Beispiel eine Vorabinformation an die Nachbarn, "damit sie nicht nachts plötzlich aus den Betten fallen oder damit sie sich um die Haustiere kümmern können", erläutert der Xantener. Die Ideen für die Show bekommt er auf einer alljährlich stattfindenden "Messe" für Pytotechniker. "Dort schießen fast alle Hersteller."

Ab 500 Euro kostet eine Show von Henning Müller. "Darunter ist es kein wirkliches Feuerwerk." Höhen-Feuerwerke gehen dann eher ín den vierstelligen Bereich für beeindruckende Minuten am Himmel. Richtig aufwendig wird es, wenn Henning Müller seine Raketen und Kugeln zu einer Begleitmusik nach oben jagt - m Ablauf auf die Sekunde ausgeklügelt und taktgenau. Dann tüftelt er schon mal drei Tage über einem Stück, bis alles sitzt.

In der morgigen Silvesternacht, wenn sich alle Mitarbeiter zurückgemeldet haben, ist zwar endlich auch für Henning Müller irgendwann Schluss, aber für ein letztes Gläschen, das weiß er aus Erfahrung, fehlt doch die Kraft. Dann fällt die ganze Anspannung ab, und es hilft nur noch ein Bett.

Quelle: RP
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