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Xanten
Der Mythos vom blauäugigen Germanen

Xanten: Der Mythos vom blauäugigen Germanen
Eine Kamerafrau filmt die Ausstellung - dazu gehören auch einige der dunkelsten Gestalten Deutschlands. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Eine Ausstellung im Siegfried-Museum zeigt, wie konstruiert das Geschichtsbild der Germanen von den Nazis vermittelt wurde. Von Erwin Kohl

Groß, blond und blauäugig stellten sich die Nationalsozialisten das Idealbild des Germanen vor und vermittelten es. Zum Sinnbild dieser Ideologie wurde der Sagenheld Siegfried. Im Xantener Siegfried- Museum fand am Sonntag die Eröffnung einer Sonderausstellung mit dem Titel "Mythos Germanien - Mythos Nibelungen" statt.

Die Ausstellung soll verdeutlichen, wie insbesondere Kindern und Jugendlichen der NS-Zeit ein konstruiertes Geschichtsbild der "Germanen" und der Frühgeschichte vermittelt werden sollte. Ziel der Nazis war es, auf diese Weise die Überlegenheit der "Nordischen Rasse" zu legitimieren.

Rund 150 Exponate, hauptsächlich Schulwandbilder, haben die Kuratoren Arne Timm und Erik Beck aus dem westfälischen Schulmuseum, dem historischen Institut der TU Dortmund und durch Internetauktionen zusammengetragen. "Die Bilder scheinen auf den ersten Blick harmlos, transportieren aber ganz viel rechte Ideologie. Diesen Mythos aufzubrechen, dafür treten Schulen und Museen ein", erklärte Museumsleiterin Anke Lyttwin.

Wie absurd die Absicht der Nazis war, den Jüngling Siegfried zum Leitbild aller Deutschen zu erheben, machte Erik Beck anhand eines Witzes deutlich, der in den 30er-Jahren kursierte. Darin heißt es, Siegfried sei so groß wie Goebbels und so blond wie Hitler. Wie sehr das NS-Regime geschichtliche Tatsachen zu seinen Gunsten geändert hat, zeigt ein den Schuldbriefen beigelegtes Poster, auf dem bildlich dargestellt wird, dass griechische Tempel in ihrer architektonischen Entwicklung auf germanische Bauernhütten zurückgehen.

Dass die Nationalsozialisten in ihrem verblendeten Rassenwahn auch vor Fälschungen nicht zurückschreckten, zeigt ein Bild von 1906, bei dem aus zotteligen, dreckigen Germanen vor ihren Pfahlbauten stattliche blonde Jünglinge in sauberen Gewändern wurden.

Eine perfide Bildstrategie erläuterte Arne Timm anhand eines Bildes von Willy Planck von 1937. Slawen und Juden begrüßen die Besatzung eines Wikingerschiffs als die vermeintlichen Retter ihrer Rasse. "Der Jude kann jetzt keine Geschäfte mehr machen, denn nun sind die Nordmänner da, heißt es in einem Lehrerkommentar dazu", sagt er.

Wie sehr das Bild vom blonden blauäugigen Germanen auch heute noch verbreitet ist, veranschaulichten die Kuratoren anhand aktueller Veröffentlichungen renommierter Verlage, die zur Covergestaltung ihrer historischen Romane eben diese Schulwandbilder nutzen.

Die Sonderausstellung läuft noch bis zum 21. August.

Quelle: RP
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