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Serie Niederrhein Voller Energie
Der Wandel trifft auch die Stadtwerke

Serie Niederrhein Voller Energie: Der Wandel trifft auch die Stadtwerke
Die Stadtwerke sind heute auch Energieerzeuger. So betreibt Enni auf den Dächern des Moerser Autohauses Minrath eine große Photovoltaikanlage. Bei der Vorstellung waren Stefan Krämer (Enni), Bernhard Uppenkamp für die Sparkasse am Niederrhein und FOTO: Nein
Xanten. Die Energiewende wirbelt die Welt der Versorgungsunternehmen kräftig durcheinander. Das trifft auch die kommunalen Stadtwerke. Moers und Neukirchen-Vluyn setzten vor 15 Jahren auf die Fusion zur Enni - und blicken auf die Region. Von Dirk Möwius

Niederrhein Die Energiewende wirbelt die Versorgungsunternehmen kräftig durcheinander. In der Branche, die lange Zeit als sicherer Garant für stabile oder steigende Kurse und kräftige Renditen galt, bleibt nach dem schnellen Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie kaum ein Stein auf dem anderen. RWE, die lange Zeit viele Kommunen mit zuverlässiger Dividende versorgten, sind genauso im Umbruch wie EON, Vattenfall und die anderen. Doch auch die örtlichen Versorgungsunternehmen müssen sich stetig neu erfinden. Ein Prozess, der den früheren Stadtwerken Moers und damit der heutigen Enni Energie & Umwelt Niederrhein nicht fremd ist.

Als Anfang der Stadtwerke Moers gilt der 15. August 1894. Damals übernahm die Stadt für 41 000 Mark die Gasanstalt, die bereits seit 1873 für die Laternenbeleuchtung sorgte. Karl Robert Wintgens, Moerser Unternehmer und Stadtrat, wurde der erste Direktor der nun städtischen Gasanstalt. 1901 wurde der Bau des Wasserwerks in Vinn beschlossen, 1911 kam die Stromversorgung als neue Aufgabe hinzu. Damit war der Kern für die Stadtwerke gelegt, die übrigens von 1963 bis 1973 auch für das Hallenbad an der Wilhelm-Schroeder-Straße zuständig waren.

1980 wurde aus dem Eigenbetrieb Stadtwerke Moers die Stadtwerke Moers GmbH, also erstmals tatsächlich ein Unternehmen, das vier Jahre später sein heutiges Verwaltungsgebäude an der Uerdinger Straße bezog. Lange Zeit war das Führen von Stadtwerken ein relativ einfaches Geschäft: Die Kunden brauchten Energie und Wasser, meldeten sich an und bezahlten. Erst die Liberalisierung des Strommarktes brachte große Veränderungen. Branchenkenner spekulierten seinerzeit sogar, dass von über 1000 deutschen Stadtwerken bundesweit nur noch 50 übrige den Kampf um Energiekunden überleben würden. In Moers wurden die Weichen gestellt, um sich der neuen Situation zu stellen. Im Jahr 2000 fusionierten die Stadtwerke Moers und die Stadtwerke Neukirchen-Vluyn. Für das neue Unternehmen wurde ein Name gesucht, bei dem nicht ein Ort dominieren sollte. "Energie Wasser Niederrhein" heißt die Lösung, abgekürzt Enni.

Seither wandelt sich die Welt der Stadtwerke und des Unternehmens Enni rasant: Enni wird zum flexiblen Stromhändler, der sich nicht auf langfristige Verträge verlässt, sondern selbst an den Börsen tätig ist. Und Enni wird zum Energieerzeuger, steigt zunächst durch eine Beteiligung an einem Kraftwerksprojekt des Stadtwerkeverbunds Trianel in die Stromproduktion ein. Enni wird aber auch zu einem Dienstleistungsunternehmen, das zum Beispiel für die Stadt Moers die Abrechnung der Abwassergebühren übernimmt. Und Enni erkannte Chancen in der Energiewende, die in Deutschland in den 1980er Jahren mit der Förderung von erneuerbaren Energien und der Einstellung neuer Kernkraftwerksprojekte begann.

So verstand Enni noch weit vor der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima in 2011 und dem politisch beschlossenen Atomausstieg ökologisches Engagement auch als wirtschaftliche Chance. Am Niederrhein ist das Unternehmen heute mit zahlreichen Anlagen zur regenerativen Erzeugung einer der Hauptakteure der Energiewende. Mit dem Solarpark im Neukirchen-Vluyner Mühlenfeld betreibt es ein grünes Leuchtturmprojekt. Das rund elf Fußballfelder große Kraftwerk produziert mit seinen rund 15 000 Solarmodulen pro Jahr etwa 3,5 Millionen Kilowattstunden Ökostrom. Die Landesregierung nahm den Solarpark mit angebundenem Energiepfad jüngst sogar in die KlimaExpo als ihre Leistungsschau des Landes im Bereich der ökologischen Energieproduktion auf. In Moers-Repelen wird Enni bald auch in der Region Windmüller. Hier baut sie aktuell zwei Windräder, die noch in diesem Jahr Öko-Strom liefern sollen. So schöpft das Unternehmen die Hälfte des Strombedarfs mittlerweile aus eigenen Quellen.

Zur Freude der Eigentümer bringt das auch wirtschaftlichen Erfolg: Das Geschäftsjahr 2014 hat Enni Energie & Umwelt erneut mit einem Rekordergebnis abgeschlossen. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen für die Energiewirtschaft konnte das Unternehmen das Ergebnis weiter steigern und mit nun knapp elf Millionen Euro sogar erstmals die zweistellige Millionenhöhe überspringen. Dazu tragen auch viele Kunden bei, die Enni längst außerhalb des Kerngebiets in Moers und Neukirchen-Vluyn gewonnen hat. Enni setzt auf den linken Niederrhein - und erreichte in diesem Jahr mit der Übernahme des Erdgasnetzes in Rheinberg einen weiteren Schritt in der strategischen Richtung, von Stadtwerken zu Regionalwerken zu werden.

Quelle: RP
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