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Sonsbeck
Der Wasserträger für die Spiel-Gestalter

Sonsbeck: Der Wasserträger für die Spiel-Gestalter
Josef Elsemann ist stolz auf seinen Ball mit den Unterschriften prominenter Parteifreunde, darunter eine von Ex-Kanzler Helmut Kohl. FOTO: Armin Fischer
Sonsbeck. Josef Elsemann aus Sonsbeck ist seit 30 Jahren CDU-Kreisgeschäftsführer in Wesel. Er versteht sich als "Zuarbeiter". Von Peter Kummer

Der Fußball von der Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko, den Josef Elsemann in Händen hält, würde sich sicherlich auch gut machen im Bonner Museum der Deutschen Geschichte. Er ist ein historisches Dokument. Unterschriften von namhaften Polit-Größen zieren die weißen Ledersechsecke. Die Autogramme hat der Sonsbecker beim Wiedervereinigungsparteitag der CDU 1990 in Dresden gesammelt. Damals war Elsemann gerade vier Jahre Geschäftsführer der CDU im Kreis Wesel. Inzwischen sind daraus drei Jahrzehnte geworden.

Geboren in Sonsbeck, ist er als überzeugter Niederrheiner zeit seines Lebens dem Ort treu geblieben. Im Rat sitzt er ohne Unterbrechung seit 1984 und führt seit 1994 die Fraktion. Über die Katholische Landjugend kam er zur Jungen Union und dann zur CDU. Ehrenamtliche Politik und der Job in einem Privatunternehmen ließen sich bei ihm schlecht unter einen Hut bringen. Also entschloss sich Elsemann zu einem grundlegenden Wechsel.

Ende 1985 bewarb er sich erfolgreich auf die im Sommer drauf frei werdende Stelle als Geschäftsführer der Kreis-CDU. "Die ersten 15 Jahre waren eine spannende Zeit", schaut er zurück. Es gab die Diskussionen um die Vereinigung der damals noch in zwei Landesverbände gespaltenen NRW-CDU mit der Kontroverse um den künftigen gemeinsamen Vorsitzenden, und später kam dann die Deutsche Einheit.

Eine Konferenz folgte der nächsten, die einzelnen Parteigliederungen wollten auf dem Laufenden gehalten werden - in einer Zeit, "als wir noch ganz anders als heute miteinander kommuniziert haben. Damals gab es ja noch kein Internet". Aber immerhin erhielt die Kreisgeschäftsstelle als eine der ersten im Land eine moderne IT-Ausstattung. Heute würde man das System als antiquiert bezeichnen, damals galt es für die Büroarbeit als enorm fortschrittlich. Elsemann: "Wir konnten sogar Etiketten drucken."

Besonders prägend waren die ersten Jahre nach dem Fall der Mauer. Am 1. Oktober 1990 kamen die Delegierten der West-CDU in Hamburg zum Bundesparteitag zusammen. Vom nächsten Morgen an tagten die christdemokratischen Vertreter aus Gesamtdeutschland.

Das war auch die Stunde Null des Mexiko-Balls. "Ich hatte ihn mitgenommen und bin mit einem Edding-Stift auf die Bühne, um Unterschriften zu holen. Damals war alles noch nicht so abgeschirmt wie heute. Im Ball wurde keine Bombe vermutet", sagt Elsemann schmunzelnd. So verewigten sich CDU-Ikonen wie Bernhard Vogel, Helmut Kohl, Rita Süßmuth, Norbert Blüm und Lothar de Maizière auf dem runden Leder. Die Pille halte zwar inzwischen keine Luft mehr, so der Sonsbecker, aber ein schönes Erinnerungsstück sei der Ball schon.

Ein Kreisgeschäftsführer muss ein Multitalent sein. Er muss in der Politik ebenso firm sein wie in der Organisation, in der Verwaltung der Finanzen und in der Personalführung. Von einem 40-Stunden-Job kann keine Rede sein. Elsemanns Tag fängt morgens um sechs Uhr an, wenn er auf dem Tablet die Zeitungen mit acht Lokalausgaben aus dem Kreis Wesel querliest. Dazu kommt abends oft noch ein Termin in einer der 13 Kommunen. Nicht zu vergessen die arbeitsintensiven Wahlkampfzeiten mit ihrem ungewissen Ausgang und den emotionalen Achterbahnfahrten am Wahltagabend selbst. 1999 hat die CDU im Kreis Wesel eine Vielzahl von Städten gewonnen, 2009 fehlten dem CDU-Kandidaten Ralf Berensmeier nur wenige Stimmen, um Landrat zu werden. Christdemokratin Sabine Weiß wiederum zog mit hauchdünnem Vorsprung direkt in den Bundestag ein.

So mancher der 54 Kreisgeschäftsführer der Landes-CDU strebt nach höheren Parteiweihen. Josef Elsemann hingegen versteht sich eher als Zuarbeiter für jene, die Politik gestalten. "Jeder Stadt- und Ortsverband kann auf mich zählen", sagt der gelernte Buchhalter, dessen Credo so lautet: "Heimat im Herzen und Handeln mit Verstand". Nächstes Jahr könnte er seinen Beruf an den Nagel hängen und in Rente gehen. Doch er will noch einige Jahre dranhängen und noch 2019 den Europawahlkampf mit organisieren. Eben weiter als Zuarbeiter mitgestalten.

Quelle: RP
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