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Xanten
Die Feuerwehr braucht mehr Personal

Xanten: Die Feuerwehr braucht mehr Personal
FOTO: Armin Fischer
Xanten. Xanten ist eine von wenigen Kommunen im Regionalbezirk Düsseldorf, die ihren Brandschutzbedarfsplan selber fortschreiben "darf". Den Politikern wurde das 87 Seiten starke Papier mit fünfmal so vielen Anlagen bereits vorgelegt. Nach der Sommerpause müssen sie darüber entscheiden. Falls nicht, droht die Einstellung hauptamtlicher Feuerwehrkräfte. Und die kosten - mindestens 2,6 Millionen Euro pro Jahr. Von Julia Lörcks

Markus Windhuis träumt von Planquadraten. Von 103 Planquadraten, um genau zu sein. Jedes einzelne hat der Chef der Freiwilligen Feuerwehr Xanten erstellt, beschrieben, analysiert und beurteilt. Insgesamt vier Wochen Arbeit waren das. Entstanden ist dabei eine ausführliche wie komplexe Gefahrenanalyse für die Stadt, die auf den ersten Blick zeigt, wo es brenzlig wird, wenn's brennt. Zehn Bereiche sind das. Marienbaum zum Beispiel, Gewerbegebiete mit Störfallbetrieben oder aber die Fläche, auf dem vier Wochen lang das Oktoberfest gefeiert wird. Die Risiko-Bereiche alle sind dunkelrot markiert. Sie haben die Gefahrenstufe 4 und 5 - Großschadensereignis und besondere Gefahr. Zum Vergleich: Gefahrenstufe 1 (grün) bedeutet keine bis geringe Gefahr. Davon gibt es 61 Planquadrate.

Die 103 Planquadrate sind Bestandteil des neuen Brandschutzbedarfsplanes, den die Verwaltung den Mitgliedern des Rates in der vergangenen Sitzung vorgestellt hat. Bis nach der Sommerpause haben die Politiker Zeit, über das 87 Seiten starke Papier mit fünf Mal so vielen Anlagen zu beraten. Erst in der nächsten Ratssitzung am 19. Oktober muss dann darüber entschieden werden. Falls nicht, erteilt die Düsseldorfer Bezirksregierung keine weitere Ausnahmeregelung im Sinne des Brandschutz- und Hilfeleistungsgesetzes mehr. Die Folge: Xanten müsste, weil sie eine mittlere kreisangehörige Stadt ist, hauptamtliche Feuerwehrbeamte einstellen. Und die kosten. Mindestens 2,6 Millionen Euro im Jahr.

"Das wollen wir unbedingt verhindern", sagt Tobias Fuß. Aus diesem Grunde hat der Fachbereichsleiter für Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung auch Markus Windhuis, der seit 1995 als Rettungsassistent bei der Stadt arbeitet, versetzt. Bereits seit dem 1. April 2016 arbeitet Windhuis an der Fortschreibung des Brandschutzbedarfsplanes.

Die Stadt Xanten ist dabei eine von wenigen Kommunen im Regionalbezirk Düsseldorf, die den Brandschutzbedarfsplan selber fortschreiben "darf". Denn ein erster Entwurf eines beauftragten Gutachterbüros fand bei den Aufsichtsbehörden keine Zustimmung. Vielmehr noch: Die Vertreter der Bezirksregierung regten dringend an, die Neufassung in Eigenregie zu erstellen.

Mehr als ein Jahr Arbeit liegen hinter den Fachkräften der Verwaltung. Ein Zeitraum, der deutlich macht, wie umfangreich die Materie ist. Und das ist auch das Problem. Denn hinter "Retten, Bergen, Löschen, Schützen" steckt weit mehr als es die meisten Menschen vermuten. Die Fahrzeugbeschaffung zum Beispiel. "Von der Planung - was muss das Fahrzeug alles können, welche Technik wird wo verbaut - über die Bestellung - verschiedene Angebote müssen eingeholt werden - bis zur Auslieferung - vorher gibt es Zwischenabnahmen - brauchen wir fast anderthalb Jahre. Das ist allein schon Arbeit für einen Sachbearbeiter", sagt Fuß - auch mit Blick auf die nächsten sechs Fahrzeuge, die bis 2020 angeschafft werden müssen.

Dazu kommen die ganzen Geräte im Bestand, die geprüft und gewartet werden müssen. Die hydraulischen Schneid- und Spreizgeräte zum Beispiel. Oder die rund 70 Atemschutzgeräte. "Mittlerweile hat jede Leiter, jedes Seil eine eigene Prüffrist. Wir kommen auf insgesamt 1700 Stunden Gerätewartung. Das allein ist eine weitere Vollzeitstelle", sagt Fuß. Die sei unabdingbar: "Die Arbeit muss ja gemacht werden. Wir können den Bürgern schlecht sagen, wir kommen nicht, unser Fahrzeug ist defekt."

Erledigt wird diese Arbeit bisher von den Freiwilligen Feuerwehrmännern und -frauen. Und das zusätzlich zum Ausbildungs-, Übungs- und Einsatzdienst. Von den 190 Einsatzkräften, die sich auf fünf Standorte verteilen und die jährlich 120 bis 130 Einsätze fahren.

"Im vergangenen Jahr waren es jedoch 360 Einsätze, davon 230 Starkregen-Einsätze innerhalb von vier bis fünf Tagen", berichtet Windhuis. Fuß, der selbst seit 16 Jahren Feuerwehrmann ist, sagt dazu: "Die Belastungsgrenze ist erreicht. Es müssten zwei neue Stellen geschaffen werden." Er spricht über den Erhalt der ehrenamtlichen Motivation und Einsatzbereitschaft durch Entlastung und Wertschätzung. "Das Thema Feuerwehr findet bei vielen Menschen erst statt, wenn sie die Ehrenamtler selbst brauchen. Auch daran müssen wir arbeiten."

Quelle: RP
 
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