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Von Frau Zu Frau
Die heutigen Mütter sind anders

Von Frau Zu Frau: Die heutigen Mütter sind anders
Mareike Beng und RP-Redaktionsleiterin Julia Lörcks. FOTO: Fischer Armin
Xanten. Mareike Beng (42) aus Xanten ist seit vier Jahren Tagesmutter. RP-Redaktionsleiterin Julia Lörcks ist Mutter einer fast vier Jahre alten Tochter. Ein Gespräch über den Alltag mit Kindern, über Erziehung und über die Vereinbarung von Familie und Beruf.

Von Frau zu Frau, das sind Gespräche mit Frauen, die etwas zu erzählen haben. Junge Frauen, alte Frauen. Frauen, mit denen wir, die Frauen der RP-Redaktion Xanten/Rheinberg, in irgendeiner Form Parallelen haben.

Eine davon ist Mareike Beng. Ich treffe die 42-Jährige in ihrem Zuhause, das gleichzeitig auch ihr Arbeitsplatz ist - ein freistehendes Einfamilienhaus im Baugebiet Lüttinger Feld. Dort betreut Mareike Beng von montags bis freitags Tageskinder. Seit einer Woche hat sie zudem ein Bereitschaftspflegekind. Das alles ist mir nicht fremd. So war auch meine Tochter zwei Jahre lang bei einer Tagesmutter mit eigenen Kindern, Pflegekindern und einem Hund.

Frau Beng, Sie sind eigentlich gelernte Bürokauffrau. Seit vier Jahren üben Sie jedoch den Beruf der Tagesmutter aus. Wie ist dazu gekommen?

Mareike Beng Ich habe bei Edeka gearbeitet und wollte auf eine Fünf-Tage-Woche reduzieren. Weil das aber nicht möglich war, habe ich gekündigt. Bis zu meinem Ausscheiden habe ich dann parallel zur Arbeit einen Kurs als Tagesmutter absolviert.

Einfach so?

Beng Nein. Ich wollte an den Wochenenden frei haben, weil mein Mann Wechselschicht hat. Er hat an drei von fünf Wochenenden frei, diese Zeit wollten wir gerne gemeinsam verbringen. Und da ich schon immer etwas mit Kindern machen wollte, habe ich mich also für den Beruf der Tagesmutter entschieden.

Was heißt schon immer?

Beng Ich wollte eigentlich Erzieherin werden. Da mein Vater aber sehr früh verstarb und ich meiner Mutter nicht länger auf der Tasche liegen wollte, habe ich eine Ausbildung als Bürokauffrau absolviert. Als Erzieherin hätte ich erst einmal ein Jahr lang kein Geld verdient.

Ein spät erfüllter Traumberuf also.

Beng Absolut.

Mareike Beng sagt in diesen Momenten nicht viel. Doch ihr Blick und ihre Verhaltensweise sprechen Bände. Vor mir sitzt eine grundzufriedene Frau, die ihre Arbeit lebt und liebt.

Wie war der Start als Tagesmutter? Wie fängt man an?

beng Mein erstes Tageskind war unser Nachbarskind. Wir hatten gehört, dass seine Mutter eine Tagesmutter sucht. Also haben wir bei ihnen geschellt und uns angeboten.

Wir?

beng (lächelt) Ich bin nicht so jemand, die sich gerne in den Vordergrund stellt. Die an Haustüren klingelt und sagt: Hallo, hier bin ich. Mein Mann hat mich damals zu diesem Schritt überredet. Alleine hätte ich das nie gemacht.

Und dann?

Beng Dann hatte ich mein erstes Tageskind. Ich habe mich so gefreut, dass ich erst einmal alles eingekauft habe. Rosafarbener Buggy, rosafarbenes Laufrad, rosafarbenes Zelt. Meine Kolleginnen haben mich daraufhin gefragt, ob ich eigentlich nur Mädchen nehme. Daraufhin habe ich noch eine Autogarage gekauft und die Bauklötze meines Sohnes rausgekramt.

Das ist vier Jahre her. Wie hat sich das Ganze entwickelt?

Beng Am Anfang hatte ich nur drei Tageskinder, irgendwann habe ich dann auf fünf erhöht. Weil ich eine Katzenhaarallergie habe, musste ich jedoch ein Kind wieder abgeben. Im Moment betreue ich also nur vier Kinder. Es läuft gut. Bis zum Jahr 2020 bin ich ausgebucht.

Wer kommt zu Ihnen?

Beng In der Regel sind es ein Jahr alte Kinder, deren Mütter wieder anfangen, zu arbeiten. Sie werden montags bis donnerstags zwischen 7 und 18 Uhr und freitags von 7 bis 14 Uhr von mir betreut.

Wie sind die Mütter heute so? Ich finde ja, dass die heutigen Mütter anders, irgendwie anstrengender sind. Das Leben richtet sich oft nur nach dem Kind. Der Alltag steht hinten an.

Beng Die heutigen Mütter sind in der Tat anders als früher: Sie sind nicht mehr so konsequent. Sie geben, wenn das Kind nur lang genug quengelt, viel schneller nach. Es wird zudem viel mehr Fernsehen geguckt. Insgesamt hat die Mediennutzung mit Smartphone und Tablet-Computer zugenommen. Schon die Kleinsten können mit dem Finger wischen.

Wie machen Sie das?

Beng Bei mir wird nicht ferngesehen. Wie spielen, schmusen und gehen nach draußen.

Sagen die Kinder eigentlich Mama zu Ihnen?

Beng Wenn die Kinder erst ein Jahr alt sind, sagen sie natürlich auch mal Mama zu mir. Einfach, weil Mama das erste Wort ist, was sie lernen. Ich handhabe das dann so: Wenn sie Mama rufen, antworte ich ihnen: Mareike kommt. Das geht dann so lange, bis sie auch Mareike sagen können.

Als Mutter stelle ich mir das komisch vor. Sind Ihre Mütter eifersüchtig?

beng Ich erkläre es ihnen und dann ist es meistens auch gut.

Wie schaut so ein Tag bei Ihnen aus?

Beng Der Tag beginnt um 7 Uhr, dann wird das erste Kind gebracht. Bis 9 Uhr sind alle da, in der Zwischenzeit wird gespielt und ich bereite das gemeinsame Frühstück am kleinen Tisch vor. Bis 11 Uhr wird wieder gespielt, gebastelt, gesungen oder gelesen. Bei schönem Wetter gehen wir natürlich auch nach draußen. Dann bringe ich die Kinder ins Bett, denn von 11 bis 13 Uhr ist Mittagspause angesagt. Diese Zeit nutze ich wiederum, um das Essen vorzubereiten. Wer gut gegessen oder zumindest probiert hat, bekommt einen Nachtisch. Obst, Joghurt oder auch mal ein Eis. Am Nachmittag gehen wir gemeinsam eine Runde mit Jimmy unsere Gassi-Runde. Dann holen wir Lea von der Schule ab, es gibt einen Nachmittags-Snack und dann wird wieder gespielt. Wir gehen auf den Spielplatz oder in den Garten - so lange, bis alle Kinder abgeholt werden.

Wer ist denn Lea?

Beng (lacht) Lea ist mein erstes Tageskind. Heute ist sie mein sogenanntes Randzeitentageskind. Lea ist mittlerweile sieben Jahre alt und kommt immer noch zu mir.

Sie gehört quasi zur Familie...

Beng Ja, sie darf so lange kommen, wie sie möchte.

Was sagt Ihre Familie dazu?

Beng Sie mögen Lea genauso gern wie ich.

War das schon immer so? Ich meine, die Kleinen spielen bei Ihnen im Wohnzimmer und sie schlafen - zwar in Reisebetten - in den Zimmern ihrer Kinder. Das führt sicherlich auch zu Konflikten innerhalb der eigenen Familie.

Beng Es hat auch schon Streit gegeben. Aus diesem Grunde haben wir klare Abmachungen. Wenn die Kinder weg sind, wird zwingend aufgeräumt. Und wenn die Kleinen nicht mehr schlafen, werden die Reisebettchen sofort verstaut.

Sie wollten damals auch mehr Zeit mit den eigenen Kindern, mit der eigenen Familie verbringen. Hat das geklappt?

Beng In der Woche nicht, am Wochenende schon. Denn es ist schon was anderes, ob es die eigenen oder fremde Kinder sind. Ich bin bei den Tageskindern viel vorsichtiger und ängstlicher, schaue viel schneller nach, ob auch alles in Ordnung ist. Da bleibt nicht mehr viel Zeit übrig.

Sie wollten damals eine Fünf-Tages-Woche, jetzt haben Sie ein Bereitschaftspflegekind, wie passt das zusammen?

Beng Wir finden es wichtig, dass es sowas gibt. Aber wir haben auch lange drüber nachgedacht, meine Familie war lange Zeit dagegen.

Warum?

beng Weil sie glauben, dass mir der Abschied schwerfällt.

Das stelle ich mir auch sehr schwer vor. Wie ist das bei den Tageskindern?

Beng Das ist komisch. Sie sind in den letzten vier Wochen irgendwie anders als zuvor. Dadurch fällt der Abschied leichter.

JULIA LÖRCKS FÜHRTE DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
 
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