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Xanten
Die Inschriften der Stadt in einem Band

Xanten: Die Inschriften der Stadt in einem Band
Paul Ley stellte am Freitagabend das Buch "Die Inschriften der Stadt Xanten" vor. Mit im Bild: die wissenschaftliche Mitarbeiterin Helga Giersiepen. FOTO: armin Fischer
Xanten. Paul Ley stellte am Wochenende sein Werk vor. Dass der Domstadt nun ein solches Buch vorliegt, ist einmalig. Normalerweise werden nur Reichsstädte und Städte mit Universitäten und Klöstern für die Bände bestimmt. Von Heinz Kühnen

Paul Ley ist stetig auf der Suche. Sein Ziel: Inschriften. Uralte Schriftzeugnisse, die allerdings nicht von den (in weiten Teilen erforschten) Xantener römischen Hinterlassenschaften, sondern aus der nachrömischen Zeit bis Mitte des 17. Jahrhunderts. Der aus Köln stammende Altphilologe, der bis 1999 am Xantener Stiftsgymnasium als Latein- und und Griechischlehrer tätig, hat das mehr als zehn Jahre lang ehrenamtlich getan.

Ausschließlich für die Xantener Werke. Herausgekommen ist ein 512 Seiten starkes Werk, dessen Erscheinen die deutschsprachige Geisteswissenschaftliche Klasse der nordrhein-westfälischen Akademie der Wissenschaften und Künste und deren Arbeitsstelle Inschriften in Bonn am Wochenende mit einer Feierstunde und einem Empfang in der Marienschule feierte.

Eine solch umfassende Arbeit ist im deutschsprachigen Raum erst die 92., und in NRW erst die neunte. Und damit ist sie tatsächlich etwas ganz Besonderes. Um derartiges Material zum Beispiel auf (Kirchen-)Fenstern, Stoffen, Gefäßen, Metallen und Grabsteinen zu sichern, zu entziffern, zu übersetzen, in den zeitlichen Rahmen einzuordnen und zu interpretieren, ist neben Fachwissen eine gehörige Portion Zeit zu investieren.

Dies hoben beim Festakt sowohl der Sekretar (ohne ä!) der Klasse der NRW-Akademie, der Düsseldorfer Rudolf Schieffer, sowie die Leiterin der in Bonn beheimateten Arbeitsstelle Inschriften, Andrea Stieldorf, besonders hervor. Im Blickpunkt der untersuchten Inschriften-Lokationen liegen nämlich eigentlich alte Reichstädte und vor allem solche mit Universitäten und Klöstern.

Die Gesamtstadt Xanten mit all ihren Ortsteilen ist bislang die erste, die den Rahmen sprengt, weil deren Stiftsvergangenheit gleichzeitig einen wichtigen Wirkungsraum zwischen dem Kölner, Klever und niederländischen Bereich abdeckt, wie Andrea Stieldorf betonte. Und weil es eben Ley gibt. Andrea Stieldorf hatte in der Zielgeraden die zehnjährige Arbeit Leys wissenschaftlich begleitet.

Eigentlich sogar einer zwölfjährigen Erkundung eines Mannes, der während seiner Lehrertätigkeit noch katholische Religion studiert hatte. Der Leiter des Stiftsmuseums und des Stiftsmuseum Xanten sowie Diözesankonservator des Bistums Münster, Udo Grote, erzählte beim Festakt, er habe Ley beim Spaziergang durch den Kreuzgang des Xantener Doms entdeckt, als dieser offensichtlich recht leicht die Inschriften der Epitaphe entzifferte, jener Gedenktafeln an die wichtigen Xantener und Kanoniker des altes Stifts.

"Ich war mit meinen Latein am Ende, als Ley erst loslegte", so Grote und legte mit seiner "vorsichtigen Frage, ob der Lehrer nicht noch weiter nachsehen wollte, eine Art Virus, von dem Paul Ley infiziert wurde. Zwei Jahre später hatte Grote Ley mit den Inschriften-Spezialisten zusammengeführt.

Der Autor konnte unter anderem vor Inschriften-Spezialisten aus vielen anderen Teilen Deutschlands und der stellvertretenden Stiftsmuseums-Leiterin Elisabeth Maas, die ihm jahrelang in seiner Kleinstarbeit Tag für Tag unterstützt hatte, wie immer wortgewandt in sein Sisyphus-Werk einführen - vom ältesten Grabstein seines Forschungszeitraums, dem eines Batavers aus dem fünften Jahrhundert, bis zum Viktorschrein - minuziös in der Beschreibung der Höhe, Länge und Tiefe jedes Schriftbandes und seiner Bedeutung und doch so leicht und locker, dass eine seiner ehemaligen Schülerinnen wieder einmal ihren "Spaß am Unterricht" Leys hatte.

Dessen Frau Ingrid, ganz hinten in der Aula sitzend, freute sich über die Zeit, die sie mit seinen Studien verbringen konnte: "Er war glücklich in seinem Arbeitszimmer, und ich hatte meine Ruhe", sagte sie verschmitzt, derweil Udo Grote dem Geschehen eine zukunftsträchtige Bezeichnung gab: "Geld gab es für den Autor nicht, aber der Ruhm wird im bleiben." Fortan werde es über Xanten heißen: "Schlag nach beim Ley."

Quelle: RP
 
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