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Xanten
Die Monstranz zu Füßen des Hl. Norbert

Xanten. In Prozessionen begleiten die katholischen Christen morgen den lebendigen Leib des Herrn. Seinen Ursprung hat der Festtag Fronleichnam in einer Vision der Juliane von Lüttich. Von Heinz Kühnen

Es ist der Tag des öffentlichen Glaubensbekenntnisses. In Prozessionen begleiten die katholischen Christen am morgigen Donnerstag den lebendigen Leib (Lichnam) des Herrn (Fron), der nach der christlich-katholischen Lehre im gewandelten Brot gegenwärtig ist. Ein Priester wird an der Spitze der Fronleichnamsprozessionen eben dieses Brot, die Hostie, vorantragen, in einem besonderen Schaugefäß, der Monstranz (aus dem lateinischen monstrare: zeigen). Eine der schönsten und früh erhaltensten ihrer Art in ganz Europa findet sich im Xantener Stiftsmuseum. Die "Turmmonstranz stammt aus dem 14. Jahrhundert (um 1370), erklärt die stellvertretende Museumsleiterin Elisabeth Maas.

Ihren Ursprung haben diese Prozessionen in einer Vision der Juliane von Lüttich (1193-1258), der Leiterin eines Leprahospitals, in dem Frauen streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit gepflegt wurden. Juliane erschien das Bild einer Mondscheibe am Himmel, die einen dunklen Flecken hatte. Sie deutete das als Zeichen, dass im Kirchenjahr ein Fest fehlt, das für die Eucharistie mit Wandlung des Brotes und des Weins in das Blut und den Leib Christi fehle. Ihren Bischof konnte sie überzeugen, und als der Lütticher Archidiakon Jakob Pantaleon zum Papst gewählt wurde (Urban IV.) schrieb dieser das Fronleichnamfest in einer Bulle für die Kirche vor. Das war 1246. Und besonders im deutschen Sprachraum, so ist im Lexikon für Theologe und Kirche zu lesen, entwickelten sich sogenannte Bittprozesssionen durch die Flure mit einem Segen in alle vier Himmelsrichtungen. Damit aber, so Elisabeth Maas, werde auch klar, dass der auf allen alten und neueren Abbildungen immer mit einer Monstranz dargestellte, vom Niederrhein stammende Heilige Norbert solch ein Gefäß nie und nimmer gekannt haben kann. Er, der im Xantener Stift groß wurde und später in Frankreich den Orden der Prämonstratenser gründete, wurde 1080 geboren und starb im Jahr 1134, also einige Zeit vor Juliane und Urban. Und doch steht Norbert in enger Beziehung zu dem tieferen Sinn des Festes, das morgen gefeiert wird. Norbert war, so Elisabeth Maas, ein entschiedener Verfechter der "rechtmäßigen Feier der Eucharistie. Wer, wie Tanchelm von Antwerpen, die reale Wandlung von Brot und Wein leugnete, war für Norbert ein Irrgläubiger, ein Ketzer. Und es war schon ein deutliches Zeichen, dass Norbert im Jahr 1582, zu Zeiten also der Gegenreformation, wegen seines Festhaltens am Glauben heiliggesprochen wurde. Die Monstranz zu Füßen der Norbert-Statue auf dem Xantener Markt erschließe sich damit auch und gerade am Fronleichnamstag, sagt Elisabeth Maas.

Quelle: RP
 
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