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Xanten
Die musikalische Geschichte des Rheins

Xanten: Die musikalische Geschichte des Rheins
Rüdiger Oppermanns "Rheingold" am Fähranleger am Rande der Bislicher Insel: Die gut 180 Besucher zeigten sich begeistert von der stilübergreifenden Produktion. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Das Oppermann-Projekt "Rheingold" endete in Xanten - als begeisternde Collage aus Sprache und Musik. Von Erwin Kohl

Rund 180 Besucher kamen am Montagabend am Schiffsanleger Xanten-Beeck in einen einmaligen Konzertgenuss. An einem lauen Sommerabend entspannt am Ufer sitzen und den Blick auf den Rhein im Abendrot der untergehenden Sonne gerichtet: Eine schönere Atmosphäre kann es für ein Konzert, das die musikalische Geschichte des Flusses erzählt, kaum geben. Mitten in diesem Panorama ankerte das Bühnenschiff, auf dem Musikgenius Rüdiger Oppermann gemeinsam mit 17 weiteren Künstlern zum letzten Konzert seiner "Rheingold-Tour" lud.

Der Titel "Rheingold" kommt nicht von ungefähr, denn die Komposition von Rüdiger Oppermann geht auf eine poetische Geschichte von Volker Gallé zurück, den Vorsitzenden der Nibelungenlied-Gesellschaft Worms. Dessen Verse wurden im Wechselspiel zur Musik von Sprecher Sven Puchelt, auf dem höchsten Punkt des Schiffes sitzend, gekonnt vorgetragen. Der wahre Schatz des Rheins, so viel wurde an diesem Abend deutlich, ist nicht das Gold der Nibelungen, sondern die Musik, die über Jahrtausende an seinen Ufern gespielt wurde. Diesen Schatz hat "Klangsucher" Oppermann in akribischer Recherchearbeit gehoben, um ihm mit Pferdegeigen, Bauernhörnern und Eiszeitinstrumenten zu erneutem Glanz zu verhelfen.

Die Stimme kennen Arte-Zuschauer: Sven Puchelt las Gallé-Verse vom Dach des Führerhauses aus. Auf der Bühne begleitete Rüdiger Oppermann den Loreley-Gesang von Jenny Thiele. Immer wieder kamen ungewöhnliche Instrumente zum Einsatz, zum Beispiel Gläser. Der mongolischen Künstler Nasaa überzeugte unter anderem mit seinem Obertongesang. FOTO: Armin Fischer

Aber welche Töne hat die 30.000 Jahre alte Flöte aus dem Knochen eines Schwans, die man 1990 in einer Steinzeithöhle bei Blaubeuren gefunden hat, von sich gegeben? Wie wurde sie gespielt, war die Musik rhythmisch oder unrhythmisch? Um diese Fragen zu klären, hat Oppermann sogar eine Konferenz unter Musikethnologen ausgelöst.

Das Ergebnis sollte an den wuchtig dahin rauschenden Quellbach erinnern, wirkte aber eindimensional und legte gerade damit den Grundstein der musikalischen Weiterentwicklung entlang des Stroms.

FOTO: Armin Fischer

Zwischendurch rückt Oppermann den Klang des Rheins in den Vordergrund seiner Komposition und erinnert damit ein wenig an Smetanas Moldau. So etwa bei "Abwärts, abwärts, abwärts sinken", in dem der Eintritt des Rheins in den Bodensee beschrieben wird. Dabei sinkt das kalte Rheinwasser in eine Tiefe von 240 Meter. Dieses langsame Absinken verdeutlichte Ben Tai Trawinski, indem er seinen Kontrabass immer tiefer stimmte, bis nur noch ein leises Schnarren zu hören war, dazu erklang die Harfe als eine Art Echolot. Kurz darauf verkünden tiefe Trommeln und Pauken vom überwältigenden Naturschauspiel beim Rheinfall. Immer wieder beeindruckend war es auch, wie Oppermanns Komposition die Geschichte entlang des Ufers aufgriff.

So ließ sich der Tausendsassa zum Beispiel vom 3500 Jahre alten Goldhut von Schifferstadt inspirieren. "Ich habe versucht, mich in das Bewusstsein des Magiers zu versetzen, der diesen Hut getragen hat, und hörte plötzlich Obertöne", erklärt Oppermann. Diese Obertonmelodie wurde vom mongolischen Künstler Nasaa dargestellt. Nasaa überzeugte wenig später noch als Stimme des Hunnenkönigs Attila im Nibelungenlied und improvisierte dazu auf der Pferdegeige.

Ein in allen Belangen außergewöhnliches Konzert endete schließlich in der Dunkelheit und mit stehenden Ovationen.

Quelle: RP
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