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Xanten
Die Narren regieren jetzt am Niederrhein

Xanten: Die Narren regieren jetzt am Niederrhein
FOTO: Ostermann, Olaf (oo)
Xanten. Mit den Rathausstürmen haben die Möhnen gestern die Regentschaft übernommen und den Straßenkarneval eingeläutet. Höhepunkte sind die Züge Samstag in Millingen und Menzelen, Sonntag in Xanten und Alpen sowie Montag in Veen.

Der Regen vor dem Xantener Rathaus war zum Glück nur Konfettiregen. Bürgermeister Thomas Görtz empfing die Möhnen trotz der beißenden Kälte im kurzärmeligen Hemd - als Polizist verkleidet. "Ich bin ein heißer Typ", machte er sich selbst Mut. Für seine Verkleidung hatte er einen guten Grund: Er werde die Nachtschicht in der Polizeiwache übernehmen, kündigte er an. Bei der VHS habe er schon den notwendigen Crashkurs gemacht. Obermöhne Hilde erkannte noch ein Motiv: "So verkleidet kommst Du überall, ob im Zelt oder bei Neumaier, kostenlos rein." Dann wählte sie bei ihrem letzten Rathaussturm als Obermöhne eine geschickte Taktik. Sie machte schön langsam und ließ Görtz frieren. Der hatte entsprechend keine Chance mehr zur Gegenwehr, als um 16.27 Uhr die Möhnen den Stadtschlüssel eroberten.

FOTO: Fischer, Armin (arfi)

Obermöhne Martina ging das alles zu schnell. Der smarte Franky im schicken Musketier-Gewand bot "einmal gucken" an, hielt Martina den goldenen Schlüssel vor die Nase und glaubte, so könne er die dollen Weiber von Rhinberk davon abbringen, ihn den Stadtschlüssel abluchsen zu wollen. Denkste! "Da sind wir von Jan-Thei aber was Anderes gewohnt. Dass du den Schlüssel so schnell kampflos abgeben willst, das geht so nicht, lieber Frank!", sagte die Obermöhne. So gab es noch ein kleines Geziehe und Gezerre zwischen Bürgermeister und Obermöhne - und da war sie dann doch weg, die Hausmacht. Jetzt regieren die Möhnen! Franky Tatzel bekam aber immerhin noch einen Möhnen-Euro verliehen, damit er die Stadtkasse bald wieder in die schwarzen Zahlen führen kann. Im Stadthaus wurde gestern noch lange und ausgiebig gefeiert.

FOTO: Ostermann, Olaf (oo)

Im olympischen Jahr hatte sich das Sonsbecker Rathausteam für ein göttliches Kostüm entschieden: Als Götter der Antike verkleidet warteten sie im warmen Olymp (Kastell) auf den Ansturm der Möhnen. Bürgermeister Heiko Schmidt hatte als Zeus sogar einen Blitz parat, um ihn auf die Weiberschar zu schleudern. Doch Obermöhne Sonja und die riesige Gruppe der Möhnen überraschte ihn mit einer olympischen Herausforderung. "Schmitti" sollte zeigen, dass er die olympischen Ringe als Hulahoop-Reifen besser kreisen lassen kann als zwei ausgesuchte Kampfmöhnen. Daraus wurde nichts. Etwas hüftsteif musste der Obergott sich geschlagen geben. Die Möhnen stürmten den Olymp, die Götter versorgten sie fleißig mit Bier und Kurzen. Zuvor schon hatten sich die Möhnen auf ihren langen Zug durch Sonsbeck gemacht.

FOTO: Fischer, Armin (arfi)

Seit die Möhnen in Alpen auf flache Hierarchie umgestellt haben, ist der Rathaussturm für Bürgermeister Thomas Ahls unberechenbar geworden. Das Recht, dem lederbehosten und filzbehuteten Hausherrn um einen Schlips kürzer zu machen, wurde in der Horde alter Weiber verlost, die sich um 17.09 Uhr unter klingendem Spiel vorm Tor versammelte. Die Nummer 5 war's: Marion van Rennings mit grellblauen Haaren ging mit scharfer Klinge zu Werke. Flugs war's um die Macht des Mannes geschehen. Widerstandlos rückte Ahls den höchst gewichtigen Schlüssel zum Rathaus raus, wo sich von 11.11 Uhr an rasend schnell alpiner Hüttenzauber ausgebreitet hatte. Alle tanzten nach dem Trecksack von Obermöhne Steffi van Bebber (r.), die den Schneewalzer so sanft spielte, dass auch der kühlste Eisblock zart dahinschmolz.

Quelle: RP
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