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Xanten
Die Ölbergstation kehrt nun zurück

Xanten: Die Ölbergstation kehrt nun zurück
Grundsteinlegung: Das Team der Dombauhütte war Zeuge des symbolischen Aktes, als Propst Klaus Wittke (vorne von links) und Hans-Wilhem Barking, Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung des Doms, mit dem Hammer den Jahres-Stein schlugen. Dombauhütten-Chef Johannes Schubert sah genau hin. FOTO: Ostermann
Xanten. Im Bombenhagel des Krieges total zerstört, kehrt die Kreuzwegstation zwischen Dom und Markt zurück. Vor drei Jahren hat Hilmar Müller, Steinmetz der Dombauhütte, die Skulpturen-Gruppe rekonstruiert. Jetzt ist das Fundament gelegt. Von Peter Kummer

Knapp sieben Jahrzehnte nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wird die Ölbergstation an ihren alten Platz zurückkehren. In einer mehrjährigen Rekonstruktion bis 2014 und nach einer längeren Zeit der Abstimmung über den künftigen Standort legten gestern Vertreter der katholischen Kirchengemeinde St. Viktor, des Dombauvereins und der Dombauhütte den Grundstein vor dem Dreigiebelhaus.

Der Kanoniker Gerhard Berendonck ließ zwischen 1525 und 1536 von einem unbekannten Meister vor dem Südportal des Doms einen Kreuzweg errichten. Seine fünf Stationen zeigten den Leidensweg Christi. Vier Szenen sind als Skulpturengruppen in jeweils einem Gehäuse dargestellt, die Kreuzigung war freistehend zwischen Dom und Marktplatz positioniert.

Im Bombenhagel im Februar 1945 allerdings wurde der Kreuzweg stark beschädigt oder gar zerstört. Teilweise blieben nur Fragmente zurück. Eine Rekonstruktion wurde immer wieder verschoben, ehe sich Hilmar Müller, Steinmetz der Dombauhütte, daran wagte. Basis waren unter anderem Unterlagen des Kreisbaumeisters Carl Cuno aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, der bei der Renovierung des Doms jede Einzelheit vermessen ließ.

Außerdem lagen Fotos von der Ölbergstation vor, die vor dem Krieg entstanden waren, und Bauzeichnungen. Zuerst modellierte Müller aus Gips einzelne Stücke nach, die er dann mit einem Punktiergerät auf das Originalmaterial Baumberger Sandstein übertrug. Insgesamt arbeitete der Steinmetz 1800 Stunden an der Gruppe.

Nach 2014 nahm die Abstimmung über den Standort und die Gestaltung der Anlage noch weitere drei Jahre in Anspruch. Verschiedene Gremien waren an der Entscheidung zu beteiligen. "Manches braucht eben seine Zeit", sagte Hans-Wilhelm Barking vom Dombauverein, "um bei allen eine Akzeptanz zu erreichen." Denkmalschutz, Architekt, Bistum, Stadt, Gemeinde und Dombauverein mussten sich abstimmen.

"Was lange währt, wird endlich gut", freute sich Barking nun und hob in seiner kurzen Rede zur Grundsteinlegung den Stifter Prof. Dieter Spethmann hervor, der 2011 mit seiner Zusage, die Kosten für die Restaurierung zu übernehmen, das Projekt erst möglich gemacht hatte. Propst Klaus Wittke erinnerte in der kleinen Andacht an die "vielen Mühen, die damit verbunden waren und an die vielen Menschen, die sich hier eingebracht haben".

Das Fundament für das insgesamt 5,40 Meter hohe Gehäuse ist gegossen, die Sockelmauer gezogen. Zum Patronatsfest am 15. Oktober soll die Ölbergstation neben der Bücherei ihren neuen Platz gefunden haben. Die anderen Stationen, teilweise ebenfalls im Krieg zerstört, sind schon wieder aufgebaut.

"Die von Berendonck gestiftete Arbeit ist die wertvollste Steinskulptur in ganz Deutschland", betonte der Leiter der Dombauhütte, Johannes Schubert. Der Künstler habe den Körpern und vor allem den Gesichtern eine unglaubliche Spannkraft verliehen.

Quelle: RP
 
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