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Xanten
Die Vermessung von Xanten

Xanten. Student Pascal Tönnessen prüft für die TIX mit Wasserwaage und Zollstock barrierefreie Angebote. Von Peter Kummer

Sabine van der List setzt auf das Prinzip Hoffnung. Die Leiterin der Tourist Information Xanten (TIX) setzt darauf, dass zunehmend mehr gastronomische und touristische Betriebe einschließlich der Besitzer von Hotels und Ferienwohnungen die Werbewirksamkeit eines behindertengerechten Angebots erkennen. Nach den erforderlichen Umbauten sollen sie in eine Broschüre aufgenommen werden, die in diesem Sommer erscheinen wird, und so von zusätzlichen Gästen profitieren.

Derzeit ist Pascal Tönnessen, ein Student der Hochschule Rhein-Waal, in ihrem Auftrag unterwegs, um mit Wasserwaage und Zollstock nachzumessen, wo Menschen mit einer Gehhinderung, vor allem Rollstuhlfahrer, an ihre Grenzen stoßen beziehungsweise wo nicht. Die Broschüre mit dem Schwerpunkt auf barrierefreie Angebote versteht Sabine van der List als ersten Beitrag, um Xanten für mehr Menschen mit einem Handicap interessant zu machen. Später soll eine Übersicht für Seh- und Hörbehinderte hinzukommen.

Für seine Bachelorarbeit über "Chancen und Herausforderungen zur Stärkung des Tourismus" hatte der Klever bereits eine Online-Befragung über behindertengerechte Angebote in Xanten ausgewertet. Untersucht hat er Zugänglichkeit, nach Informations- und Orientierungsmöglichkeiten für Hör- und Sehbehinderte sowie nach der sanitären Ausstattung. Allerdings müssen die Antworten nicht immer unbedingt der Realität entsprechen, "aus Unwissenheit haben die Betreiber manchmal falsche Vorstellungen von einem behindertengerechten Angebot", sagt Sabine van der List.

Darum ist der 24-jährige Tönnessen nun noch einmal unterwegs, jetzt um im Auftrag der TIX nachzumessen. Von diesen Ergebnissen werden später vor allem die Touristen profitieren, denn "es ist wichtig, vor einer Reise schon zu wissen, was uneingeschränkt nutzbar und wie die genaue Situation ist", sagt die TIX-Leiterin. Also ob die Türen für einen Rollstuhl breit genug sind, ob eine Rampe die Stufen zum Eingang hochführt, wo sich, wenn nicht im eigenen Restaurant, dann zumindest in der Nähe ein Behinderten-WC befindet. "Betriebe mit solchen Angeboten sprechen sich herum. Das fördert bei anderen Anreize nachzuziehen."

Die Ergebnisse werden in einer Broschüre veröffentlicht und tagesaktuell im Internet eingepflegt. Wer hier steht ist, hat, so van der List, einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz. Ihr Wunsch ist es, dass sich möglichst viele Betriebe mit dem neuen Label "Reisen für alle", das es bereits in zehn Bundesländern gibt, zertifizieren lassen. Normalerweise kostet die Verleihung einer solchen Auszeichnung, die für drei Jahre gilt, eine Gebühr. Doch die TIX-Leiterin setzt darauf, dass sich die Kosten über ein NRW-Projekt finanzieren lassen.

Die Verbesserungen kommen nicht nur den Rollstuhlfahrern zu Gute, sondern auch Menschen mit einem Kinderwagen oder einem Rollator. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten wie der Vorschlag, auf dem Alleenradweg an der Einmündung Trajanweg einen Spiegel anzubringen, um die Verkehrssituation besser einschätzen zu können. Anderes ist nicht umzusetzen wie eine Rampe am Rathaus vorbei runter in Richtung Ostwall. Das Gefälle hätte mehr als die erlaubten sechs Prozent. "Problematisch ist auch der Weg rund um den Dom mit den dicken Pflastersteinen", sagt Sabine van der List. Doch sie sei optimistisch, dass man eine Rollstuhl geeignete Alternative mit der Kirchengemeinde abstimmen könne.

Quelle: RP
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