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Sonsbeck
"Dieses Poltern, dieses ewige Poltern"

Sonsbeck: "Dieses Poltern, dieses ewige Poltern"
Die Labbecker klagen über die deutliche Zunahme des Schwerlastverkehrs. Vor allem während der Rübenkampagne würden sie nachts um den Schlaf gebracht. Alle Versuche, den Verkehr umzuleiten, sind bisher gescheitert. FOTO: Armin Fischer
Sonsbeck. Rund 300 Labbecker werden Nacht für Nacht um den Schlaf gebracht. Der Lkw-Verkehr und in der Saison die Rübentransporter auf der Marienbaumer Straße haben spürbar zugenommen. Vorschlag: Umleitung über Xanten. Von Heidrun Jasper

"Dieses Poltern, dieses ewige Poltern!" Hiltrud Reiner kann es schon nicht mehr hören. Und sie hört es doch. Immer wieder. Jeden Tag, vor allem nachts, mehr als fünf Monate im Jahr. Bis Ende Februar rollen Rüben-Transporter, Lastwagen und Traktor-Gespanne über die Marienbaumer Straße. Aber was heißt hier rollen. "Die jagen hier durch. Schlafen funktioniert nur mit Stöpseln in den Ohren", sagt Heinz-Gerd Haal. "Mitte September geht es los - erst mit den Rüben, dann die kommen die Mais-Kameraden. Und von 4 Uhr morgens an folgt dann dann noch der Berufsverkehr."

Seit zwei Jahren können Landwirte beziehungsweise ihre Lohnunternehmer rund um die Uhr Rüben zur Zuckerfabrik Pfeifer und Langen in Appeldorn bringen. Die hat ihr Werk für rund 26 Millionen Euro um zwei neue Silotürme mitsamt Sieb- und Versandstation erweitert und daher die Rübenkampagne, so wird vermutet, noch ausweiten wollen. Der Vorteil beim 24-Stunden-Service: Die Anlieferer müssen nicht mehr wie früher Schlange stehen und warten, bis sie ihren Hänger abladen können.

Die negativen Folgen bekommen die Labbecker zu spüren: "Es ist, als hätten wir die halbe Nacht Gewitter", spricht Hiltrud Reiner den Anliegern aus der Seele, die Nacht für Nacht kaum ein Auge zutun. Auf dem Weg zur Zuckerrübenfabrik in Appeldorn, wenn die Gespanne voll beladen sind, sei es nicht ganz so laut. "Aber die Leerfahrten sind schlimm. Ich höre sie schon ab Haus Schöneck", so Reiner. Dabei liegt das Pflegeheim gut einen Kilometer von ihrem Haus an der Marienbaumer Straße 74 weg. Vor einem Jahr hat sie mal gezählt, nachts, wenn eigentlich alle schlafen. "Bei 100 habe ich aufgehört zu zählen."

Auch Vera Lenz, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite wohnt, hat mal gezählt, an einem Nachmittag. "46 Lkw, davon mehrere Treckergespanne, und mindestens 13 Sprinter" sind binnen zwei Stunden über die Marienbaumer Straße durch Labbeck gefahren. "Wenn hier ein leerer Transporter durchfährt, wackelt alles, Selbst die Gläser im Schrank", sagt die Frau, die erst seit gut einem Jahr hier wohnt. "Manche Nacht hab' ich schon überlegt, ob ich nicht meine Sachen packen und wieder wegziehen soll."

"Die können doch auch am Röschen in Xanten rein", findet Heinz-Gerd Haal. "Nein, nicht ins Röschen rein", stellt er klar, "sondern gegenüber auf den Trajanring abbiegen und dann am Gewerbegebiet entlang bis zum Kreisverkehr und da links auf die Bundesstraße 57 und durch Marienbaum bis nach Appeldorn." Auch Markus Wegener ärgert sich über den zunehmenden Schwerlastverkehr und die Rübentransporter, würde sie gerne umleiten. Er habe vor einigen Wochen deswegen eine E-Mail an Bürgermeister Heiko Schmidt geschrieben. Der habe auch zurückgerufen. Seine Auskunft: "Das wird schwierig. Xanten muss zustimmen."

Auch Lukas Aster, für die Bündnis-Grünen als Sachkundiger Bürger im Verkehrsausschuss, würde eine Umleitung am Xantener Gewerbegebiet vorbei begrüßen. "Es gibt solche Schilder schon in Appeldorn: Wenn die Transporter aus Marienbaum 'rauskommen, werden sie umgeleitet, Appeldorn zu umfahren." Aster wohnt zwar ein Stück weg vom Lärm in der Nähe der Boxteler Bahn. "Aber ich höre die Lkw auch, und ich höre genau, welcher Sattelschlepper beladen und welcher leer ist." An dem Straßenbelag müsse endlich 'was getan werden. Die Ortsdurchfahrt in Labbeck "muss eine bruchfreie Decke" bekommen, damit die Schlaglöcher verschwinden und das Poltern aufhört, "das ewige Poltern".

Damit müssen die Anlieger aber wohl noch weiter leben: "Zu dieser Thematik hat es bereits vor zwei Jahren Gespräche gegeben", so Tobias Fuß, Leiter des Fachbereichs Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung im Xantener Rathaus. "Damals hatte sich ein Labbecker Bürger an den Petitionsausschuss des Landtages gewandt, um eine Änderung der Streckenführung für Rübentransporte herbeizuführen." Der Petitionsausschuss habe nach einem Ortstermin festgehalten, dass keine Maßnahmen notwendig seien, da die Verkehrsbelastung - hier die Landstraße 77 - weit unter der durchschnittlichen Verkehrsbelastung einer Landstraße in NRW liege und auch keine Unfallhäufungsstelle zu verzeichnen sei.

Außerdem habe die Gemeinde Sonsbeck schon den Versuch unternommen, den Rübenverkehr, von Sonsbeck kommend, ausschließlich über das Stadtgebiet Xanten fahren zu lassen. "Dieser Maßnahme hat die Stadt Xanten nicht zugestimmt, so dass eine Umsetzung durch Anpassung der Beschilderung nicht erfolgt ist", sagte Tobias Fuß auf Nachfrage unserer Zeitung.

Quelle: RP
 
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