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Xanten
Eberhard Ritter gibt den Fraktionsvorsitz auf

Xanten: Eberhard Ritter gibt den Fraktionsvorsitz auf
Nicht sichtbar älter geworden: Eberhard Ritter mit einem Plakat aus dem Bundestagswahlkampf 2000. FOTO: Olaf Ostermann
Xanten. Das grüne Urgestein feiert seinen 60. Geburtstag. Fünf Bürgermeister miterlebt. Empfang im Rathaus. Sein Ratsmandat will er wahrnehmen. Von Peter Kummer

Ein weiteres politisches Urgestein zieht sich aus der Lokalpolitik zurück, wenn hier auch nur in die zweite Reihe. Ex-Bürgermeister Christian Strunk (CDU) ist in die Wirtschaft gewechselt, Hans-Jürgen Thiele (SPD) hat den Fraktionsvorsitz vor einigen Jahren abgegeben, Herbert Dissen (FBI) hat Jüngeren Platz gemacht. Und demnächst Eberhard Ritter von den Bündnisgrünen. Der gebürtige Kölner wird bei der nächsten Wahl für den Fraktionssprecher im Sommer nicht mehr kandidieren. 25 Jahre stand er mit diesem Amt in vorderster Linie, doch nun, sagt er, können andere beweisen, dass sie auch gute Ideen und Initiative für die Kommune haben. Der Lokalpolitik bleibt er jedoch erhalten, sein Ratsmandat behält er aus Verpflichtung gegenüber seinen Wählern.

Die Anti-Atomkraftbewegung Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre hat Eberhard Ritter zu den Grünen geführt. "Sie war ein Teil meiner Identität", erinnert er sich. Es gab Hearings und Demos, die Grünen ließen sich öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen einfallen, um zu protestieren. Mit Mitstreitern verteilte Ritter Butterkekse mit Schaumküssen als Mini-AKWs, ließ aus gelb bemalten Ölfässern Trockengasdampf aufsteigen und verteilte Pseudo-Jodtabletten.

Damals war Grün revolutionär, dementsprechend gab sich auch die Partei, über die viele Deutsche nur den Kopf schüttelten. "Heute ist Grün in der Gesellschaft absolut angekommen", bilanziert Ritter, der zur ersten Strick-Generation der Partei gehörte. "Ich bin stolz auf das, was ich als kleiner Baustein in einer Bewegung aktiv mitgemacht habe, die immer noch stark ist und viel erreicht hat." Man habe viel erreicht, von den Endauflagen für die AKW bis zur Etablierung alternativer Energien und der Biomarktwirtschaft.

Von der Politrevolution ist heute nicht mehr viel zu erkennen. Auch die Urväter der Partei haben sich geändert. "Wenn ich daran denke, wie wir uns in unserer Trierer Wohngemeinschaft über den Wasserverbrauch beim Duschen gestritten haben ...", sagt Ritter und schmunzelt. Jetzt ist er lange nicht mehr so militant und verbraucht sogar unökologisch Wasser. Die Mehrheitsverhältnisse im Xantener Rat ließen es nicht zu, dass die Alternativen oft Duftmarken setzen konnten. Einige Erfolge allerdings können sich Ritter, der fünf Bürgermeister miterlebt hat, und seine Mitstreiter doch auf ihre Fahnen schreiben.

Bei einem Brainstorming zum Beispiel, zu dem die Rheinische Post eingeladen hatte, schlug Eberhard Ritter für den damals unbelebten Marktplatz einen "grünen Markt" vor. Zwei Tage später lag ein entsprechender Antrag auf dem Tisch von Bürgermeister Alfred Melters. Dem sei aber wohl die vorgeschlagene Bezeichnung "Grüner Markt" zu politisch gewesen, mutmaßt Ritter. So wurde ein Viktualien-Markt daraus.

Am heutigen Samstag findet im Rathaus eine Festveranstaltung zu Ritters 60. Geburtstag statt. Die Einladung ziert eine Zeichnung von Don Quichotte, der mit der Lanze das Logo von McDonalds aufgespießt hat. Eine Erinnerung, dass die Grünen zweimal die Ansiedlung des Fast Food-Riesen in Xanten mit verhindert haben.

"Das Kämpfen gegen Windmühlen hat er zwar in Beteiligungen an Windparks getauscht, die grüne weltverbessernde Sicht hat er noch nicht aufgegeben", heißt es in der Einladung.

Quelle: RP
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