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Xanten
Echte Nachbarschaft

Unwetter: Windhose verwüstet Xanten
Unwetter: Windhose verwüstet Xanten FOTO: Fischer, Armin
Xanten. Jede Menge Hilfen bekam das Lüttinger Ehepaar Schoofs am Wochenende von Freunden und Bekannten. Ihr vom Sturm stark beschädigtes Haus ist zumindest wieder weitgehend sauber. Den Schmerz lindert das nicht. Von Heinz Kühnen

Erwin und Karla Schoofs sind gerührt. Wenn sie über die Welle der Hilfsbereitschaft reden, die über sie am Wochenende hereingebrochen ist, werden sie aus lauter Dankbarkeit verlegen: 18, manchmal 20 Nachbarn und Verwandte hatten im Haus der Schoofs in Lüttingen gearbeitet.

In jenem Haus, das durch die Windhose am Freitagmittag fast unbewohnbar wurde. "Und dann standen sie alle da, mit Eimern bewaffnet und mit Putzlappen", sagt Schoofs. Da weiß man, warum man gern hier draußen lebt."

Viele Erinnerungen

Leicht ist das Leben derzeit nicht. "Meine Frau hat es hart getroffen", sagt Erwin Schoofs, der "ein wenig mehr runterschlucken kann". Gleichwohl, so der frühere Solvay-Bergmann, ist es schon schwer zu sehen, wie das Wasser vom Dach bis ins Erdgeschoss rinnt.

Das Haus stammt aus den 1970ern – da stecken eine ganze Menge Eigenarbeit drin und viele Erinnerungen", sagt der 60-Jährige, der auf die Spuren der Verwüstung zeigt, die auch die beste Putzaktion nicht beseitigen kann. Risse in der Sofagarnitur, herausgerissene Fenster, nasse Rigipsplatten. "Der ganze Trockenbau muss raus", mutmaßt Dachdecker Klaus Johann, der – wie seine Kollegen – seit Freitagmittag jeden Tag mit Ausbesserungsarbeiten beschäftigt ist.

So wie im Haus der Schoofs sehe es nirgendwo aus, sagt er, "fast zumindest". Den vorderen Gebäuden von Haus Erkrath ist fast das gesamte Dach runtergeweht worden. "So wie hier, nur eben im größeren Maßstab."

Warten auf den Gutachter

Will heißen: Weil auch der First betroffen ist, muss seiner Meinung nach das Schoofs-Domizil ein völlig neues Dach bekommen – samt Holzaufbauten. "Das wird leider richtig teuer."

Das Vorhaben anpacken kann Johann allerdings nicht. Der von der Versicherung bestellte Gutachter kommt aus Olpe und hat sich für den späten Mittwochnachmittag angekündigt", sagt Schoofs mit einem traurigen Blick auf Nachbar Martin Jasbinsek, der "seinen Gutachter" gerade begrüßt.

Auch Jasbinseks Hausdach hat einiges abgekommen, und die Dachziegel seines Nachbarn haben sein Wohnzimmer demoliert. Gegen den Schoofs-Schaden, so bekennt er, sei das aber eher Kleinkram. Auf den Gutachter warten will und kann Dachdecker Klaus Johann allerdings nicht. "Das wäre viel zu gefährlich", sagt er angesichts immer mehr herabfallender Ziegel.

Also räumt er mit seiner Mannschaft das Dach weitgehend ab und befestigt eine Schutzfolie. Die hilft auch gegen den Regen, den Karla Schoofs so sehr zu spüren bekommen hat. Die Teppiche hängen im Haus herum, trocknen kaum, das Laminat ist aufgequollen. "Da kommen ihr schon die Tränen", sagt ihr Sohn Marcel (37). "Sie ist am Boden zerstört." Viel könne ja niemand tun. Bei der Schadenssumme müsse erst der Gutachter her . . .

Quelle: RP
 
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