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Sonsbeck
Ein Amphibientunnel für den Radweg

Sonsbeck: Ein Amphibientunnel für den Radweg
Georg Tigler (l.) und Martin Grunenberg von der Gemeindeverwaltung am neuen Tunnel unter der Reichswaldstraße. FOTO: Fischer
Sonsbeck. Der Alleenradweg auf der Boxteler-Bahn-Strecke in Sonsbeck steht vor der Vollendung. Freigegeben wird er im Frühjahr. Von Heinz Kühnen

Vollbremsung, plötzlich watscheln freilaufende Enten über den Weg. Irgendwo kräht ein Hahn, ein Esel schreit. Es hat schon was von Naturerlebnis draußen in Labbeck, direkt an der Grenze zum Kreis Kleve. Irgendwann kreuzt die Reichswaldstraße einen tiefen Geländeeinschnitt. Quer zur Straße verlief dort unten in einer Schlucht die Trasse der Boxteler Bahn, die im 19. und auch noch lange im 20. Jahrhundert von Rotterdam bis Wesel führte und damit den Nordseehafen auch weiter über Oberhausen mit dem Ruhrgebiet verband.

Heute entsteht auf dem Gelände des Schienenwegs nach und nach der Alleenradweg. Das letzte 1150 Meter lange Teilstück auf Sonsbecker Gebiet steht kurz vor der Vollendung.

Die Brücke über die alte Boxteler-Bahn war so marode, dass sie abgerissen werden musste. FOTO: Armin Fischer (Archiv)

Allerdings führt das dort draußen keineswegs direkt auf dem ehemaligen Gleisweg. Auf der westlichen Seite der Reichswaldstraße darf der Reichswald nämlich natürlich wachsen, erklärt der zuständige Fachbereichsleiter im Sonsbecker Rathaus, Georg Tigler. Dort, auf Uedemer Gebiet, gibt es keine Bewirtschaftung, sind zahlreiche entwurzelte Bäume hinab in jenen Bahn-Einschnitt gestürzt, der jetzt wegen der vielen Hindernisse keinen Raum für Wanderer, Radler oder Hunde bietet. Dafür gibt's Raum für zig Waldtiere, für Vögel und Amphibien. Und das soll auch so bleiben. Kein Radweg durch den Wald.

Vom Landgut am Hochwald und der Marienbaumer Straße, an der die bereits fertiggestellte Radtrasse derzeit noch endet, geht es zur Straße Am Löwenberg und dann "möglichst sacht über den früheren Wirtschaftsweg, der zur Versorgung der Trasse in der danebenliegenden Schlucht diente", sagt der zuständige Sacharbeiter Martin Grunenberg, der sich mit Tigler die Bauaufsicht teilt. Hier fuhren die Pferdewagen, wenn zum Beispiel in den Böschungen gearbeitet werden musste. Alle 15 Meter gibt es jetzt ein gepflastertes Podest, auf dem auch Rollstuhlfahrer zur Ruhe kommen können - bergauf wie bergab barrierefrei.

Ganz ohne Waldarbeiten ging das nicht ab. Doch auch die Förster hatten nichts dagegen: Regionalförsterin Katharina Lohmann sprach "angesichts des übergeordneten Interesses am Bau des Radweges" von "vernünftigem Vorgehen". Sprich: Der Wald wurde gelichtet, bietet nun den verbliebenen Bäumen und anderen Pflanzen Raum zum Wachsen. Außerdem führt der Weg wie versprochen tatsächlich um mehrere dicke, gute Eichen herum.

Eine Rosskastanie bleibt auf Wunsch der Anrainer erhalten. Und im Frühjahr gibt es noch einen "natürlichen Nachschlag"zur Sicherstellung der Verkehrssicherheit.

Oben an der Reichwaldstraße gibt es dann den bedeutendsten Eingriff: Dort führte einmal eine Brücke über die Schlucht, die so marode war, dass sie - nach einigen Diskussionen im Gemeinderat - nicht mit hohem finanziellen Aufwand erneuert, sondern abgerissen wurde. Der Wall zur Straße wurde angeschüttet. Hindurch führt nun ein Betonrohr, drei Meter im Durchmesser, damit Tiere gefahrlos die Straße überwinden können. Da gehe es im Wesentlichen um Amphibien, sagen Tigler und Grunenberg. Die Tiere haben auf dem ganzen Stück so viel Licht wie draußen und dieselbe Temperatur. Dann nutzen sie den Durchlass auch und geraten nicht in Gefahr. So wollten es die Naturschützer. Sie dürften zufrieden sein, zumal seit einigen Tagen auch die Reichwaldstraße frisch asphaltiert wurde und damit auch die Querung des Alleenradweges über die Schlucht nahezu vollendet ist. Da es eben nicht weiter durch die Trassenschlucht gen Westen geht, führt der Weg nun ein wenig in Richtung Villa Reichswald und dann hinterm Waldesrand links ab. Auf Uedemer Gebiet fehlt dann noch ein kleines Stück, das nicht ausgebaut ist.

Tigler lobt in diesem Zusammenhang die Zusammenarbeit mit Anliegern sowie Behörden und Verbänden. Immerhin sind zwei Kreise involviert: "Aber es ging bei der Planung immer ruhig und sachlich zu." Und wenn dann die Radsaison beginnt, werden sie auf dem letzten Teilstück im Kreis Weseler Gebiet wohl auch alle zusammen feiern. "Im Frühjahr", so Martin Grunenberg, "werden wir fertig sein."

Spitz abgerechnet werden können die Kosten (samt der Zuschüsse) zwar erst dann. Aber Grunenberg rechnet mit gut 550.000 Euro für den reinen Radwegebau von der Marienbaumer- bis zur Reichswaldstraße und 250.000 Euro für den Brückenabriss und den Bau des Durchlassrohres und des Damms. 25 Prozent der Kosten muss die Gemeinde selbst aufbringen. Aber das, so Tigler, lohne sich allemal.

Zumal ja eben auch die Radler viel Natur erleben können hier draußen. Am Ende des Kernraps-Feldes, das für den nächsten Sommer gutes Öl verspricht, lassen sich diesmal Hühner die Ruhe mitten auf der Straße nicht nehmen...

Quelle: RP
 
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